Fundspec > Deutschland > Interviews > Strategie vor Taktik - Management mit ruhiger Hand bringt Investoren viele Vorteile

Strategie vor Taktik - Management mit ruhiger Hand bringt Investoren viele Vorteile

Benjamin Judith
Benjamin Judith
Head of Sales
Nordlux Vermögens­management S.A., Luxemburg-Findel nordlux-fonds.lu

24. Februar 2019

Herr Judith, die erhöhte Grundnervosität der Anleger hat sich augenscheinlich in das neue Jahr gerettet. Insbesondere risikoaverse Investoren scheuen zurzeit Neu-Anlagen - tun diese gut daran, erst einmal auf Cash zu setzen?

Wachsam zu sein, ist grundsätzlich eine gute Voraus­setzung für eine erfolg­reiche Anlage­strategie. An den Aktien­märkten sehen wir nach der Panik im Dezember nun das genaue Gegen­teil. Die Konjunktur­sorgen, die unge­löste Brexit-Proble­matik und der Handels­streit sind vorerst abge­schüttelt. Die Bewer­tungen sind im lang­fris­tigen Kontext moderat. Strategisch denkende Inves­toren raten wir, bei ihren Investi­tions­entschei­dungen den Aspekt des Timings nicht über­zube­werten. Das heraus­for­dernde Zins­niveau führt dazu, dass ein Anleihen­port­folio aktiv bewirt­schaftet werden muss. Sowohl die Lauf­zeiten als auch die Boni­täten. Auch hier ist es unsinnig zu warten. Auch nega­tive Renditen können zu positiver Wert­entwicklung führen. Hier ist Konsequenz im Handeln gefragt. Bei einem Zins­niveau von nahezu Null, macht Cash auch für risiko­averse Anleger am wenigsten Sinn.

Inwiefern stimmen die Bedürfnisse einer Stiftung und diejenigen eines Privatinvestors überein?

Langfristiger realer Werterhalt verbunden mit einer regel­mässigen Ausschüttung ist für Stiftungen (gesetzlich) gefordert und für Privat­inves­toren gleichsam attraktiv. Der Aspekt der Sicher­heit, dass aus stiftungs­recht­licher Sicht auf gar keinen Fall lang­fristig Kapital verloren gehen darf, erfüllt gewiss auch die Inte­ressen von Privat­anlegern.

Sie setzen bei der Erreichung des Primärziels «Werterhalt» auf Unterstützung aus dem Bereich Künstliche Intelligenz - wie genau unterstützt die Technik den Menschen diesbezüglich?

Wir wissen, dass auch Profianleger gelegentlich in psycho­logische Fallen tappen. Dieses Risiko gehen wir nicht ein. Allerdings zielen wir darauf, unsere Anleger vor grossen Rück­schlägen, die durch starke Kurs­rück­gänge an den Aktien­märkten verursacht werden, zu schützen. Dafür setzen wir ein wissen­schaft­liches System ein, das auf soge­nannten «Künst­lichen Neuro­nalen Netzen» basiert. Damit schalten wir psycho­logisches Fehl­ver­halten aus und redu­zieren in Rück­gang­phasen spürbar unsere Drawdowns.

Sie verstehen sich eher als Stratege denn als Taktiker - wo liegt der Unterschied und was macht einen guten Strategen aus?

Wir konzentrieren uns darauf, wie ein Vermögen strategisch strukturiert sein muss, um möglichst den realen Wert mit geringen Schwan­kungen zu sichern. Mit unserem aktiven Renten­mana­gement redu­zieren wir Risiken, wenn sie nicht mehr bezahlt werden, und inves­tieren, wenn sie attraktiv sind. Den Aktien­anteil richten wir an der welt­weiten Markt­kapi­tali­sierung aus. Das reduziert eben­falls die Risiken. Die Aktien­quoten halten wir dabei relativ konstant. Das Risiko besteht nicht darin, aus dem Aktien­markt auszu­steigen. Die Frage, die wir uns immer wieder stellen: Wann kommen wir zurück? Dann setzen insbe­son­dere psycho­logische Faktoren ein. Die Entwick­lungen in den ersten Wochen des Jahres zeigen, dass auch die Gegen­bewe­gungen durchaus unerwartet ausfallen können.

Das Augenmerk wird auch 2019 auf vielen politischen Themen ruhen. Wie haben Sie Ihren Fonds auf dieses Marktregime aufgestellt, an welchen Stellschrauben gedreht?

Auf der Rentenseite haben wir in den letzten Monaten eine deutliche Zunahme der Vola­tilität gesehen. Die Risiko­prämien gegen­über dem «sicheren Hafen» Bundes­anleihen reagieren zunehmend sensibel auf poli­tische Themen. Wir sehen hier nicht nur Risiken. Derzeit liegt unsere Ziel­duration bei ca. vier Jahren. Die Boni­täten sind aktuell recht ausge­wogen im IG-Bereich verteilt. Die durch­schnitt­liche Bonität liegt bei A. Die Aktien­quote beträgt derzeit ca. 27 Prozent. Aktuell haben wir Pharma­titel über­gewichtet, sind also insgesamt durchaus defen­siver aufge­stellt. Falls es zu starken Abwärts­bewe­gungen an den inter­natio­nalen Aktien­märkten kommen sollte, werden wir über unser KI-Signal entsprechend geschützt sein.

Link zum Disclaimer

Zur Person

Benjamin Judith leitet seit dem 1. Juli 2017 den Vertrieb der Nordlux Vermögens­mana­gement S.A. Zuvor betreute er insti­tutio­nelle Inves­toren und Vertriebs­partner einer bekannten deutschen Fonds­boutique. Seit 2013 doziert er an der Frankfurt School of Finance & Management.