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Regelmässiges Einkommen aus Infrastruktur - immer aktueller

Rainer Fritzsche
Rainer Fritzsche
Geschäftsführender Gesellschafter
OVIDpartner GmbH, Dortmund ovid-partner.de

27. April 2018

Herr Fritzsche, Sie sind ein Spezialist für Investments in Infra­struktur. Wie sieht die aktuelle Markt­lage aus?

Die Welt sieht sich einer Welle von Infrastruktur­neu­bauten und auch -erneue­rungen gegen­über. Allein die US-amerika­nische Regierung veran­schlagt einen Billionen-Dollar-Betrag für die Erneuerung klassischer Infra­struktur wie Strassen, Eisen­bahn und Strom­netze. Da die Regierung nur ca. 220 Mrd. US-Dollar budge­tiert hat, muss der Rest von den verschul­deten Kommunen und Bundes­staaten kommen. Dies führt dazu, dass massiv privates Kapital erfor­derlich ist. Chancen für regel­mässiges Einkommen sind gegeben. Der Neubau und Ausbau der Strom- und Kommu­nika­tions­netze in Deutschland wiederum wird in grossen Teilen auch durch privates Geld finanziert. Also, wir sehen global über 600 Anla­ge­mög­lich­keiten in Form von infra­struktur­bezo­genen Unter­nehmens­anleihen aus denen wir nach unseren Kriterien wählen können.

Man darf sich also nicht verzetteln…

Nein, wir dürfen uns nicht verzetteln. Wir folgen stringent den gestellten Vor­gaben der Invest­ment­strategie nach Sektoren­streuung, Diversi­fizierung nach Lauf­zeiten, geo­graphisch, Emittenten­grösse und Erhöhung der Anzahl der Anleihen im Portfolio von heute ca. 75 auf das Ziel von ca. 100 Anleihen. Wir sind zurzeit in 24 Ländern vertreten und haben eine durch­schnitt­liche Macaulay Duration von ca. 4 Jahren. Damit fühlen wir uns sehr wohl.

Wie trifft das Portfolio­management die Anlage­entscheidungen?

Unsere Strategie kann unter dem Begriff «aktiv buy & hold» zusammen­gefasst werden. Das heisst, die Auswahl der Anleihen erfolgt in einem Bottom-up-Ansatz mit einer unter­neh­merischen Sicht­weise. Wir suchen Anleihen aus dem «brown­field»-Segment mit stabilen, auf klein­teiligem Einkommen beruhenden Kupons und einer den Strategie­vorgaben entspre­chenden Rendite. Die Einstands­rendite lag seit Auflegung des Fonds im Oktober 2014 im Renten­portfolio nie unter 5 Prozent nach Kosten. Wir halten gerne Anleihen bis zum Lauf­zeitende. Das Mana­gement findet auf der einen Seite unbe­kanntere Werte wie eine Anleihe von Jain Irrigation Ltd. und ergänzt diese mit Stücken von Wienerberger oder Astaldi. Aktiv können Neuemis­sionen gekauft werden, die nicht die Rendite­vorgaben über ihre gesamte Laufzeit erfüllen, aber mit einem Kurs­gewinn wieder abge­stossen werden. Mit der laufenden Portfolio­über­wachung werden bei Kurs­schwan­kungen nach unten auch Aufstockungen getätigt, wenn eine erneute Funda­mental­analyse den posi­tiven Schluss dazu zulässt. Wir arbeiten auf den Zins­struktur­kurven als auch mit Themen, die sich aus unserem Makro­welt­bild ergeben. Dort liegt zurzeit ein Blick auf den Emerging Markets in Asien und Latein­amerika. Wichtig ist, sicher­zustellen, dass der Investor, wenn möglich, eine Ausschüttung von 3,5 bis 5 Prozent pro Jahr je nach Anteils­klasse erhält. Und das hat er seit 2014 bekommen.

Ihr Infrastruktur-Fonds ist somit kein Trading-Vehikel, richtig?

Absolut richtig! Es ist ein Einkommens­vehikel, welches Investoren mit einem Anlage­horizont von mindestens 4 bis 5 Jahren anspricht. Wir rechnen mit Schwankungs­breiten um die 5 Prozent. Einfach formuliert, erwirbt der Investor einen Korb aus Fremd­kapital-Infra­struktur­investments.

Was macht genau den Reiz für dieses Produkt aus?

In Zeiten von sehr geringen Zinssätzen und das wird unserer Meinung nach noch eine Weile so bleiben, liefern wir aus verständ­lichen Quellen regel­mässiges Einkommen. Der Reiz liegt darin, dass der Investor und Millionen andere Menschen aus allen Konti­nenten mit ihren täglichen, monat­lichen, jähr­lichen Gebühren und Kosten für die von ihnen verwen­dete Infra­struktur den Ertrag erzeugen. Und das aus einem Bereich, der sehr gering korreliert mit Wirt­schafts- und Börsen­zyklen.

Zur Person

Rainer Fritzsche, Jahrgang 1960, begann seine berufliche Laufbahn 1990 bei Equity&Law Fonds­management. Es folgten Stationen bei Fidelity Investments, GAM und die verantwort­liche Lancierung von M&G in Deutschland und Österreich. Bis 2013 arbei­tete er für die Man Investments aus der Schweiz heraus. 2014 erfolgte die Gründung der OVIDpartner GmbH.