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«Ohne Zinsen ist auch keine Lösung - jetzt investieren in Infrastruktur»

Rainer Fritzsche
Rainer Fritzsche
Geschäftsführender Gesellschafter
OVIDpartner GmbH, Dortmund ovid-partner.de

3. April 2019

Herr Fritzsche, Investments in Infrastruktur bestimmen Ihr Geschäft. Wie kam es dazu?

Die Idee ist 2014 aus der Notlage der Null­zins­ära entstanden. In einer Zeit, in der auf­grund der immer mehr in den Ruhe­stand gehenden Baby-Boomer-Gene­ration regel­mässiges, ordent­liches Einkommen bei Kapital­stabi­lität gesucht wird, ist Infra­struktur einfach ein stabiler Lieferant. Denken Sie an Ihre laufenden monat­lichen Kosten für Telefon, Internet, Strom und Abwasser und Sie haben die Quelle für sehr attrak­tive Zins­kupons welt­weit. Denn global generieren Unter­nehmen aus Infra­struktur Gewinne oder benö­tigen Kapital zum Ausbau ihrer Netze und Akti­vi­täten. Auch haben Staaten, Städte und Kommunen immer weniger Geld, um mit öffent­lichen Mitteln zu arbeiten. Ihre und meine monat­lichen Zahlungen erfolgen unab­hängig, ob der DAX bei 8.000 oder 18.000 Punkten steht.

Unter­nehmens­anleihen im 1. Rang stehen in der Kapital­struktur an erster Stelle bei der Gewinn­ver­teilung und nicht die Aktio­näre. Zusätzlich schwanken diese Anleihen im Kurs wesentlich geringer als Aktien und bieten damit über einen Zeit­raum von fünf bis sechs Jahren Kapital­stabi­lität.

Nun weisen Experten immer wieder auf das hohe Ausfall­risiko und die negative Kurs­entwicklung bei Zins­steigerungen im Anleihe­sektor hin. Eine Gefahr für Ihr Portfolio des «OVID Infra­structure HY Income Fonds»?

Die Experten sollten sich unseren Sektor genauer ansehen. Das wichtigste ist die Quelle des ordent­lichen Zins­ertrages. Diese ist in unserem Bereich extrem stabil. Nach einer Unter­suchung von Moody‘s für den Zeit­raum 1983 bis 2015 liegt die Ausfall­rate bei Infra­struktur­unter­nehmens­anleihen bei max.1,2 Prozent auf zehn Jahre. Wohin­gegen normale Unter­nehmens­anleihen ohne den Finanz­sektor bei über 8 Prozent liegen. Unserer Meinung nach wird es in den nächsten Jahren keine Zins­wende - ob in den USA oder in Europa - geben. Ausserdem können wir über die letzten vier, fünf Jahre nach­weisen, dass unsere Strategie wesentlich gerin­gere Kurs­schwan­kungen bei den statt­gefun­denen Akti­vitäten der Noten­banken hatte als Staats­anleihen. Es ist Zeit zu investieren! Und das tun auch Insti­tutio­nelle schon lange, da sie den laufenden stabilen Ertrag aus der Infra­struktur sehen.

Welche Kriterien müssen Anleihen für Ihr Portfolio­management erfüllen?

Unser weltweites Universum von passenden Anleihen liegt bei über 600. Das Ziel ist es, einen ordent­lichen Zins­kupon von 3,5 bis 5 Prozent pro Jahr zu erwirt­schaften und auszu­schütten. Kurs­gewinne werden im Normal­fall im Port­folio gehalten. Anleihen sollen über­wiegend ein Emissions­volumen von über 100 Mio. Euro haben und nur an grossen Börsen­plätzen (zum Beispiel London, Hongkong oder New York) gehandelt werden. Fremd­währungen werden zu 100 Prozent abge­sichert. Diver­sifi­ziert wird über sieben Infra­struktur­sektoren wie Logistik, Tele­kommuni­kation und soziale Infra­struktur. Das Risiko ist heute (Stand 04.2019) über 70 Anleihen aus 23 Ländern verteilt. Wir inte­ressieren uns für etab­lierte Geschäfts­modelle und nicht für geplante Projekte. Das ist ein konser­vativer Ansatz! Kurs­schwan­kungen liegen selten über 5 Prozent pro Jahr. Seit Auflegung im Oktober 2014 lag der Durch­schnitts­kupon des Renten­port­folios nie unter 5 Prozent.

Wo investieren Sie zurzeit bei Neukäufen?

Das Portfolio hat mit vorgeschrie­benen mindestens 50 Prozent in Euro deno­minierten Anleihen immer einen Schwer­punkt in Europa. Wir inte­ressieren uns immer mehr für asia­tische Emittenten, da sie hier Kupons von 7 bis 8 Prozent pro Jahr erhalten und damit nach Währungs­sicherung eine Netto­rendite von 4 bis 5 Prozent pro Jahr haben. Wir nutzen Makro- und Über­nahme­situa­tionen aus und bevor­zugen vor allem die Sektoren Logistik, Tele­kommu­nikation und alter­native Energie­erzeuger. Das Neuemissions­angebot ist geringer geworden, damit steigt die Nach­frage und der Kurs. Für uns eine sehr ange­nehme Situation.

Ihr Unternehmen bietet mehrere Anlagelösungen an. Welche sind das und wen sprechen Sie an?

Die 2014 aufgelegte Einkommens­strategie Infra­struktur wurde 2017 um eine Wachstums­strategie in Form des «Perspek­tive OVID Equity Fonds» ergänzt. Dieser ist ein Pionier­fonds, der ausschliesslich in sechs der 17 UN-Nach­haltig­keits­ziele investiert und Unter­nehmen zusätzlich nach ESG-Kriterien bewertet. Seit 2016 gibt es das Angebot in «grüne» Wasser­infra­struktur in den USA und in Kanada ab Lauf­zeiten von 5 bis 20 Jahren zu inves­tieren. Wobei Wasser­infra­struktur als Fluss­kraft­werke sowie private und indus­trielle Wasser­aufbe­reitung zu verstehen ist. Wir sprechen Inves­toren an, die Lösungen für Einkommen und Wachstum ihres Kapitals suchen, an aktivem Port­folio­mana­gement von Managern mit lang­jährigen Erfah­rungen inte­ressiert sind. Wir verwenden keine Algo­rithmen oder künst­liche Intel­ligenz, sondern harte Research­arbeit und gesunden Menschen­verstand.

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Zur Person

Rainer Fritzsche, Jahrgang 1960, begann seine beruf­liche Lauf­bahn 1990 bei Equity&Law Fonds­mana­gement. Es folgten Stationen bei Fide­lity Investments, GAM und die verant­wort­liche Lancierung von M&G in Deutschland und Österreich. Bis 2013 arbei­tete er für die Man Invest­ments aus der Schweiz heraus. 2014 erfolgte die Gründung der OVIDpartner GmbH.