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Entspannter durch alle Marktphasen

Markus Sievers
Markus Sievers
Geschäftsführender Gesellschafter
apano GmbH, Dortmund apano.de

18. August 2019

Herr Sievers, ein Tag rauf, ein Tag runter, die Märkte sind momentan schwierig vorherzu­sehen. Wie beurteilen Sie die aktuelle Börsen­situation?

Wir hatten ein starkes erstes Halb­jahr an den Börsen. Dabei hat die Börse vorweg­genommen, dass wir nur eine Wachstums­delle haben und keine Rezession. Zudem ist irgendeine Form von Lösung im Handels­streit zwischen China und den USA einge­preist worden. Gerade bei diesen Punkten werden die Inves­toren jetzt nervös. Die Lösungs­bemühungen zwischen China und den USA wirken verfahren. Donald Trump sieht in sich selbst den stärkeren Verhand­lungs­partner. Letzt­lich aber macht China nicht den Ein­druck einzu­knicken. China hat schon Möglich­keiten sich zu wehren, beispiels­weise über seine Währung. In diesem Streit gibt es keine Gewinner, nur Verlierer. Und diese Entwicklung könnte aus einer kleinen Wachstums­delle eine grosse machen. Neben den Handels­streitig­keiten haben wir natürlich noch andere Themen wie Brexit, Hongkong oder den Iran. Im Ergebnis viele gute Gründe, warum die Aufwärts­bewe­gungen des ersten Halbjahres hier ins Stocken geraten sind.

Viele Anlegerinnen und Anleger warten mal ab und tun nichts. Haben Sie dafür Verständnis?

Aber klar, es geht doch um das eigene Geld. Aus meiner Sicht ergeben sich je nach Bedarf des Privat­inves­toren doch folgende drei Optionen: Haben sie einen langen Anlage­horizont, kann man die aktuelle Phase einfach aussitzen. Braucht der Anleger in naher Zukunft ein Teil seines Kapitals, macht es durchaus Sinn, auch mal Risiko vom Tisch zu nehmen. Wir hatten gute Gewinne die letzten Jahre. Die dritte Option richtet sich an die, die noch unter­investiert sind. Augen auf und kaufen und lang­fristig halten.

Wir selbst haben in unserem Aktien­fonds und dem diver­sifi­zierten Misch­fonds schon deutlich vor der aktuellen Korrektur die Liqui­dität erhöht und schauen recht entspannt auf die aktuelle Entwicklung. Unser «apano Stimmungs­index», mit dem wir die Markt­stimmung messen, hat uns früh­zeitig das Signal gegeben, Risiko raus­zu­nehmen. Anleger, die diese Stimmungs­index verfolgen wollen, können dies übrigens auf unsere Website oder über Twitter und Facebook täglich verfolgen.

Früher empfahl die Fondsindustrie einen Anlage­horizont von drei Jahren, nun liest man oft fünf Jahre. Werden es bald zehn Jahre sein?

Nach meiner Einschätzung hat sich da nicht viel verändert. Die unter­schied­lichen Anlage­hori­zonte beziehen sich ja auf ganz unter­schied­liche Fonds­arten und Anlage­klassen. Aktien und Aktien­fonds eher lang­fristig, Misch­fonds eher mittel­fristig, also drei bis fünf Jahre. Eigentlich sind nur die ganz kurz laufenden Fonds und Anlage­klassen weg­gefallen, eine rentable und risiko­freie Lösung für kurz­fris­tiges Parken von Geld gibt es nicht mehr wirklich.

Die Null-Zins-Phase ist ein Novum. Wie gehen Sie konkret damit um?

Der Zinserhöhungs­zyklus in den USA ist beendet und auch dort werden die Zinsen wieder gesenkt. Alle anderen haben erst gar nicht ange­fangen, Zinsen zu erhöhen. Aus meiner Sicht werden wir ganz lange niedrige Zinsen haben. Selbst mit einem Teleskop sehe ich kein Szenario eines nachhaltig steigenden Zins­niveaus. Im Ergebnis bleibt das Inves­tieren in Sachwerte. Die Nummer 1 sind Aktien. Daneben stehen höher­verzins­liche Anleihen mittlerer Bonität, für die es zwar noch 3 bis 4 Prozent gibt, die aber ein anderes, erhöhtes Risiko­profil haben als deutsche Staats­anleihen. Bei denen wiederum liegt die aktuelle Verzinsung aber im Bereich der 10-jährigen bei rund -0,6 Prozent pro Jahr. Welcher Anleger will so sein Geld anlegen? Wir selbst bieten mit dem Aktien­fonds einen Fonds mit aktiver Risiko­steuerung an. So haben wir die Möglich­keit, bei grösseren Verwer­fungen in deutlich niedri­gerem Umfang dabei zu sein und haben Kasse, billiger wieder einzu­steigen. Das funktioniert gut und die Risiko­klassi­fizierung liegt eine Stufe unter­halb eines reinen Aktien­fonds. Sozusagen ein Aktien­fonds für Vorsichtige.

Eine gute Diversifikation ist also einmal mehr das Gebot der Stunde…

Absolut und übrigens auch immer schon. Das wurde in den letzten Jahren aber etwas wegge­schoben, weil die reine Inves­tition in Aktien als alter­nativlos darge­stellt wurde. Ohne Zweifel, Aktien sind gut, aber Aktien­inves­toren tun gut daran, ihr Portfolio zu diver­sifi­zieren und abzusichern. Damit wären wir bei Thema Trend­folge­strategien, für das unser Haus seit fast 20 Jahren steht. Solche Strategien haben den Vorteil, in steigenden Märkten Geld verdienen zu können, in fallenden Märkten aber in gleichem Masse von eben solchen Trends profi­tieren zu können. Sie gewinnen eben auch bei ausge­prägten fallenden Markt­phasen und gerade in Crash­phasen der Aktien­märkte haben die Strategien meist deutlich Gewinne. Beispiels­weise unser «AHL Handels­system» erzielte 2008 rund 30 Prozent Gewinn und auch zuletzt im Dezember 2018 stand es dem deutlichen fallenden Aktien­markt mit Gewinnen entgegen. Aktien sind ein Muss im Portfolio und aus meiner Sicht. Absicherungs- und Diver­sifi­zierungs­strategien ebenfalls.

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Zur Person

Markus Sievers, geschäfts­führender Gesell­schafter von apano Investments, ist zusammen mit Martin Garske für den von apano selbst entwickelten «apano-Stimmungs­index» verant­wortlich. Zudem ist er Fonds­berater unter anderem der Invest­ment­fonds «apano Global Syste­matik» und «apano HI Strategie 1». Als aner­kannter Experte zum Thema «Alter­native Investments» ist er ein gefragter Interview­partner der Fach­presse und regel­mässig zu Gast bei «n-tv».