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«Diversifikation mit Aktien, Gold und Anleihen? Wenn es drauf ankommt, schlichtweg nicht möglich!»

Michael Feiten
Michael Feiten
Senior Portfoliomanager
Nordlux Vermögens­management S.A., Luxemburg-Findel nordlux-vm.lu

13. Juli 2018

Herr Feiten, das Börsenjahr 2018 zeigt sich bislang nicht von seiner freund­lichsten Seite. Welche Faktoren spielen für Sie die grösste Rolle bei der aktuellen Gross­wetterlage?

Tatsächlich erleben wir zwar kein freund­liches, aber auch kein besonders un­freund­liches Börsen­jahr - sondern ein recht normales. Die Aktien­märkte sind leicht negativ, die Renten­märkte auch. In zwei Dritteln aller Börsen­jahre hatten DAX und REXP am Jahres­ende das gleiche Vorzeichen. Wobei ja (fast) niemand ernsthaft in grösserem Masse in deutsche Bundes­anleihen (dem grünen Punkt im ansonsten roten, mit nega­tiven Perfor­mance­daten aufwar­tenden Börsen­segment) investiert. Gleichwohl beobachten wir natürlich die Aktien- und Renten­märkte mit wachem Auge - und entspanntem Geist. Denn beide Anlage­klassen sind bei uns strategisch wie auch taktisch nicht prominent gewichtet. Bei allen schon bekann­ten und nicht erahn­baren Entwick­lungen ist die unseres Erachtens span­nendste, wie sich die Zinsen weiter­entwickeln. Oder etwas präziser: die 10-jährigen Renditen der USA und Deutschlands. Letztlich entscheidet das Zins­niveau, ob Aktien teuer sind, oder? Dass die US-Aktien in Relation zu um die 3 Prozent notierenden US-Staats­anleihen teuer sind, stellt - bei aller im Markt kolpor­tierten Hoffnung für die Gewinn­entwicklung der US-Unter­nehmen - kaum jemand in Frage. Anders in Europa: Natürlich stellt sich hier die Frage, warum sich das Zins­niveau so stark vom nomi­nalen Wirt­schafts­wachstum entkoppelt hat oder viel­mehr, wie «gesund» diese Ver­schleppung struktu­reller Herausfor­derungen ist. Insgesamt inte­ressiert uns die «Gross­wetter­lage» aber nicht wirklich - darum der «ruhige Geist».

In der Vergangenheit waren Mischfonds ein beliebter Regen­schirm. Liefen die Aktien nicht, schirmten die Anleihen die Tropfen ab und umgekehrt. Dieses Konstrukt ist wasser­durch­lässig geworden - wozu raten Sie Anlegern, die nicht nass werden wollen?

Das Konstrukt war schon immer wasser­durch­lässig. Nur, um im Bild zu bleiben, wurde so viel «geflutet», dass die Löcher kaum aufge­fallen sind, sondern der Ballon, die Luft- oder «Wasser»-Blase immer grösser wurde. Daher sind die klassischen Misch­fonds eben kein Regen­schirm, sondern vielleicht eher ein Sonnen­schirm. Wenn die Sonne scheint, also die Märkte steigen, spenden sie ein wenig Schatten. Das heisst ex post betrachtet, weniger Perfor­mance, da man im Nach­hinein inner­halb der Sonnen­phasen besser gleich einseitig in Aktien investiert hätte. Hat man aber nicht - und sollte man auch nicht. Es gibt häufig lange Phasen, in denen beispiels­weise nur mit Aktien keine Perfor­mance generiert werden kann oder gar Verluste erlitten werden. Wer von 1929 bis 1982, also schlappe 53 Jahre, ausschliesslich in franzö­sische Aktien investiert war, fuhr einen Verlust von 19 Prozent ein. Von 1900 bis 1954, also über einen anderen Zeitraum, in Deutschland eben­falls. Auch in den USA, dem grössten Aktien­markt der Welt, gibt es immer wieder längere Zeit­räume, in denen mit Aktien kein Geld verdient werden konnte, nicht nur in den knapp 20 Jahren zu Beginn des letzten Jahr­hunderts. Heisst: es regnet eben auch - und das geht oft mit Wind einher, den die wenigsten «Sonnen­schirme» gut verkraften, also einem Gleich­lauf von Aktien und Renten. Übrigens auch von Aktien und Gold. So war die Korre­lation von Aktien zu Gold, die sonst zwischen den Extrema -0,54 bis +0,38 schwankte - Korre­lationen sind nicht starr - von Mitte 2009 bis einschliesslich 2013 fast durch­gehend bei 0,2 bis 0,3. Diver­sifi­kation auf diese Art und Weise? Schlichtweg nicht möglich!

Daher raten wir Anlegern zu einer extrem breiten Streuung über so viele voneinander wirklich unab­hängige Anlage­klassen wie nur möglich. Wir inves­tieren zum Beispiel in Cat Bonds und ILS, Mikro­finanz, Liquid Alter­natives, Immo­bilien, Total-Return-Aktien-Strategien via Put Spread, Roh­stoffe und Gold, auch Aktien und Renten. Inner­halb der drei letzt­genannten popu­lären Anlage­klassen achten wir darauf, sie so zu konstruieren, dass wir nicht die «typischen» Markt­risiken der Anlage­klassen haben. Gold veroptio­nieren wir sehr, sehr stetig und erwirt­schaften so eine Rendite, während long-only-Inves­toren seit langem heftige Verluste einfahren müssen. Im Renten­bereich haben wir keine Bonitäts- oder Durations­risiken, im Aktien­segment kein ernst­haftes Markt­delta, sondern sogar einen Tail-Hedge.

Bei einer solch breiten Streuung: Mit wie viel Finger­spitzen­gefühl nehmen Sie Änderungen am Portfolio vor?

Sehr selektiv, dafür aber mit eiserner Hand. Unser Portfolio ist optimal diver­si­fiziert, da unsere Anlage­klassen unter­einander nicht nur mathe­matisch keine Korre­lationen zuein­ander aufweisen, sondern diese auch intuitiv, mit dem gesunden Menschen­verstand, greifbar ist. Cat Bonds haben keinerlei Korre­lationen zu den Aktien­märken, Mikro­finanz nicht zu Cat Bonds, Liquid Alter­natives nicht zu unserem veroptio­nierten Gold-Bestand, etc. Wo sollten solche Korre­lationen auch plausibel herrühren? Doch auch inner­halb der Anlage­klassen achten wir auf optimale Streuung. Beispiels­weise ist im Segment der Cat Bonds geogra­phische Diver­sifi­kation möglich. Dies ist jedoch bei Aktien kaum darstellbar, wie spätestens das Lehman-Jahr gezeigt hat, als die drei grossen Indizes (sowie auch BRIC, etc.) sich allesamt vom Hoch zum Tief mehr als halbierten.

Verändern sich jedoch die Korre­lations­werte inner­halb unserer Strategie so, dass wir keine opti­male Streuung mehr gene­rieren können, bewerten wir dies und handeln dann sofort. So haben wir unlängst unseren Liquid Alter­natives Basket signi­fikant verkleinert, da zwei Sub-Strategien nicht mehr die Korre­lations­werte der Vergan­genheit aufzeigten.

Welche Anlageklassen hielten den NORD/LB Horizont innerhalb der vergan­genen Monate auf Kurs und von welchen erwarten Sie für das restliche Jahr den grössten Rendite­beitrag?

Insbesondere die Alternative Investments gilt es an dieser Stelle heraus­zuheben. Was die künftigen Rendite-Entwick­lungen angeht: wir treffen diesbe­züglich keinerlei Prognosen. Das Erstellen von Prognosen über­lassen wir anderen. Aufgrund der breiten Diver­sifi­kation des Port­folios sind solche Vorher­sagen für uns nicht von Bedeutung. Dies gilt insbe­sondere für kurz­fris­tige Zeit­räume von sechs Monaten.

Der Fonds gehört eher der Kate­gorie der Low-Vola-Konzepte an. Welche Ziel­rendite und maxi­male Schwankungs­breite peilen Sie an?

Wir peilen keinerlei Zielrendite oder Schwankungs­breite an. Auf Basis der Daten der Vergan­genheit könnte, wenn man so will, auf Sicht von drei Jahren eine Rendite von 2 bis 4 Prozent bei einer Vola­tilität nahe 3 Prozent ermittelt werden. Das Problem der Induktion, das David Hume und Karl Popper - nicht die schlechtesten Denker - entlarvten, bleibt aber: das Proji­zieren aus einem begrenzten Daten­satz der Vergan­genheit in die Zukunft halten wir für unwissen­schaftlich, unseriös, unredlich.

Welche Fondsempfehlung haben Sie für Anleger, denen ein paar Tropfen nichts ausmachen und die höhere Ertrags­ansprüche haben?

In der aktuellen Situation der inter­natio­nalen Kapital­märkten nehmen wir ein verstärktes Umdenken der Inves­toren wahr, das zu einem ausge­prägten Interesse an prognose­freien Anlage­konzepten führt, die auch in Seit­wärts­phasen Rendite erwirt­schaften. Der Nordlux Strategie verfolgt eine konser­vative Total-Return-Strategie. Wir inves­tieren frei von einer Bench­mark im Bereich des Liqui­ditäts­mana­gements mehr­heitlich in kurz­laufende Euro-deno­minierte Staats- und Unter­nehmens­anleihen von hoher Bonität, durch die eine markt­übliche Grund­rendite erwirt­schaftet wird. Die wesent­liche Ertrags­quelle des Fonds stellt die Prämien­strategie dar, bei der Options­prämien durch Still­halter­geschäfte auf Aktien­indizes vereinnahmt werden. Gemäss der defen­siven Ausrichtung des Fonds werden ausschliesslich börsen­gelistete Aktien- und Aktien­index-Optionen gehandelt und die Markt­risiken durch ein syste­matisches Sicher­heits­netz zur Ertrags­stabi­lisierung begrenzt. Seit der Strategie­adjus­tierung (am 11.02.2016) bis zum 4. Juli 2018 reali­sierte der Strategie­fonds für seine Anleger eine Netto-Wert­entwicklung von 17,34 Prozent , dies entspricht einer annuali­sierten Rendite von 6,91 Prozent.

Weshalb ist der aktuelle Zeitpunkt zum Einstieg in den Nordlux Strategie besonders günstig?

Der Nordlux Strategie verfügt konzep­tionell über eine antizyk­lische Kompo­nente in seiner Invest­ment­philo­sophie. Diese ermöglicht uns insbe­sondere in Hoch­vola­tilitäts­phasen an den inter­nationalen Aktien­märkten (z.B. während des Brexit­votums im Juni 2016) das zu verein­nahmende Prämien­volumen des Fonds zu erhöhen. Die definierten Risiko­merkmale des Fonds, eine um 50 Prozent redu­zierte Schwankung im Vergleich zu den tradi­tio­nellen Aktien­märkten zu erzielen, bleiben davon unberührt. Die poli­tischen Verwer­fungen in Italien, stetige Zollandro­hungen aus den USA und die innen­poli­tischen Streitig­keiten in Deutschland führten im zweiten Quartal 2018 zu Opportu­nitäten im Segment der Vola­tilitäts­strategien. Das zu verein­nahmende Prämien­volumen des Fonds wurde im Juni auf insgesamt 7,83 Prozent erhöht, sodass unsere Inves­toren im status quo von einer signi­fikant erhöhten, laufenden Rendite parti­zipieren können. Dies gilt übrigens auch für neue Anleger, die jetzt erst einsteigen!

Zur Person

Michael Feiten ist seit dem Jahr 2006 Teil des Nordlux-Port­folio­mana­gements. Der diplo­mierte Betriebs­wirt ist Dozent für Portfolio­mana­gement und auf die Bereiche Alter­native Investments, Aktien und Multi-Asset spezia­lisiert. Zurzeit absolviert der Bank­kaufmann neben­beruflich ein Master-Studium der Philosophie.