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Bitcoin: eine Idee, deren Zeit gekommen ist!

Pascal Hügli
Pascal Hügli
Wirtschaftsjournalist
financialmedia AG, Zürich financialmedia.ch

15. November 2019

Herr Hügli, Sie sind ein erst­klassiger Kenner von Digital Finance und Crypto Finance. Worin liegt der Unter­schied?

Unter dem Begriff «Digital Finance» fasse ich generell die Entwicklung der Fintech-Startups zusammen, die mit ihren agilen und ange­sagten Problem­lösungen die Margen der tradi­tio­nellen Banken­welt unter Druck setzen. «Crypto Finance» geht weiter und ist der Versuch, ein neuartiges, stabi­leres Finanz­system als Alter­native zum Status quo zu errichten. Dabei sind Bitcoin und Krypto­assets zwar digi­tale Werte, jedoch ohne die Probleme - belie­bige Kopier­barkeit und Dritt­parteien-Inter­mediation - der digi­talen Welt. Letztlich gilt es Digital- und Crypto Finance zusammen­zuführen, was erste Fintechs wie Revolut, Robinhood oder Luno bereits tun. Nur so dürfte es auch gelingen, eine Brücke zwischen «old and new world» zu schlagen.

Wie sieht ein klassischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Anders als man denken könnte, checke ich als Krypto-Enthusiast nicht jeden Morgen den Bitcoin-Preis. Vielmehr versuche ich in Erfahrung zu bringen, was sich in der schnell lebigen Block­chain-Welt gerade tut. Ein probates Mittel dazu: Die Twitter-Platt­form, wo Bitcoin- und Krypto-Begeis­tertere gewisser­massen ihren Austausch mit der übrigen Welt pflegen. Hier stösst man auch immer wieder auf inte­ressante Lite­ratur. Die Komple­xität und Inter­diszi­plina­rität des Krypto-Themas verlangt einem eine hohe Lese- und Lern­bereit­schaft ab. Inte­ressantes steckt oft unter der Ober­fläche, wofür es sich durch die Flut an Infor­mationen zu graben lohnt. Natürlich beschäf­tige ich mich aber auch mit anderen (Wirt­schaft- und Finanz-)Themen, doch lässt sich eben nicht selten eine Verbindung zu Bitcoin und Co. herstellen.

Die Tokenisierung ist ein grosser Trend. Was versteht man genau darunter?

Die Tokenisierung meint die digi­tale Verbriefung von Werten aller Art, von Block­chain-nativen Assets wie Bitcoin und Ether, über Sachwerte wie Immobilien oder Edel­metalle bis hin zu digi­talen Daten selbst. Eine solche digi­tale Verbriefung ist erstmals auch ganz ohne Block­chain möglich. Von der Tokeni­sierung mittels Block­chain-Techno­logie erhofft man sich nichts­desto­trotz einiges: weiter­führende Demo­krati­sierung der Finanz­welt, transpa­rente Syste­mati­sierung von Wert­anlagen sowie erhöhte Liqui­dität derselben. Auch die einer effi­zienten digi­talen Barter-Öko­nomie über Tausch­proto­kolle wird plötzlich denkbar.

Was halten Sie von Crypto Assets als neue Anlage­klasse?

Kryptoassets sind eine neue Anlage­klasse, doch sind sie viel­mehr als das. So wie das Internet nicht bloss ein neuer Medien­kanal gewesen ist, hat es doch beispiels­weise auch TV, Radio, Zeitungen, Filme funda­mental verändert, dürfte auch Krypto dereinst Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Sachgüter unter sich vereinen und neue Möglich­keiten schaffen. Insbe­sondere Block­chain-native Krypto­assets wie Bitcoin und Ether könnten sich künftig als das viel gesuchte unkorre­lierte Asset entpuppen.

Sie haben eben mit Kollegen ein Buch geschrieben, das in mehrere Sprachen übersetzt wird. Wem sollte man es als Geschenk unter den Weih­nachts­baum legen?

All jenen, die schon einige Male von Bitcoin und Block­chain gehört haben, aber sich nicht wirklich an das Thema heran­wagen. Für inte­ressierte Neuein­steiger, aber auch vorsich­tige Skeptiker, ist unser Buch genau die richtige Anlauf­stelle. Sehr ausge­wogen wird es der Komple­xität des Themas gerecht, ohne dabei in technische Details oder allzu starkem Fach­jargon abzu­gleiten. Doch selbst für Kenner bietet das Buch noch die eine oder andere spannende Neuinfor­mation sowie unter­halt­same Krypto-Comics, die das Lesen immer wieder auflockern. Und schliesslich: Für diejenigen, denen selbst dieses Interview ein paar fremd klingende Konzepte wie Block­chain-native Assets oder digitale Barter-Öko­nomie enthielt, eignet sich das Krypto­buch ebenfalls bestens zur Aufklärung.

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Zur Person

Pascal Hügli ist Wirt­schafts­jour­nalist bei der financial­media AG in Zürich und Dozent an der Hoch­schule für Wirt­schaft Zürich. Neben seiner Tätig­keit als Jour­nalist tritt er immer wieder als Mode­rator, Vortra­gender oder Debattie­render auf. Zusammen mit Yonghan Lee und Richard Dettling hat er kürzlich das Buch «Igno­rieren auf eigene Gefahr: die neue dezen­trale Welt von Bitcoin und Block­chain» in deutscher Sprache publiziert. Amazon-Link: https://www.amazon.de/​dp/​3952510807. Bis Ende November soll die englische Version publi­ziert sein - Franzö­sisch, Koreanisch und Portu­giesisch sind bereits für nächstes Jahr in Bearbeitung.