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Weniger Keynes, mehr Hayek und glückliche Kunden

Thomas Härter
Thomas Härter
CIO
Aquila & Co. AG, Zürich aquila.ch

26. April 2018

Herr Härter, können Sie ein paar Worte zu Aquila sagen?

Die Aquila-Plattform ist ein Verbund von unabhän­gigen Schweizer Vermö­gens­ver­waltungs­gesell­schaften und Family Offices. Wir liefern opera­tive Unter­stützung in allen Bereichen wie Geld­wäscherei­bekämpfung, Compliance Risk­mana­gement und über­nehmen alle admi­nistra­tiven Aufgaben wie Cash Mana­gement, Buch­haltung, Steuer- und Vertrags­wesen, Kontakt mit Depot­banken und Behörden, Konto- und Depot­verwaltung, ausführ­liches Perfor­mance- und Risiko­reporting. Wir bieten auch Investment Research, mass­geschnei­derte Anlage­poli­tiken und Hilfe bei der Selektion der Anlage­instru­mente an. Auf Wunsch kann auch das gesamte Portfolio­mana­gement an das Aquila-Stamm­haus ausge­lagert werden.

Diese Partnergesellschaften der Aquila-Plattform sind unter­nehmerisch selb­ständig, handeln unab­hängig und frei von Interessen­konflikten, einzig im Interesse ihrer Kunden. Mit der Aquila & Co. AG sind sie über einen Franchise-Vertrag und eine Aktien­betei­ligung verbunden.

Wie kann man sich einen Tages­ablauf von Ihnen vorstellen?

Ich arbeite im Investment Office und versuche mit Hilfe öko­no­mischer Analysen und Finanz­markt­modellen gute Anlage­möglich­keiten und schlechte Anlagen (vor denen wir dann warnen) zu finden. Wir haben öko­nome­trische Modelle. Diese müssen regel­mässig gefüttert und gepflegt werden. Eine Analyse der durch Öko­nomen, Anlage­strategen, Sell-Side-Ana­lysten, Investoren und Zentral­bankern geprägten Markt­meinungen ist ebenfalls wichtig. Schliesslich sind das Markt­beeinflusser (manche wohl eher Markt­beschwörer), jedoch auch Gegner im welt­weiten Wettlauf um Anlage­erfolg. Ein inten­siver Gedanken­austausch mit unserem Portfolio­mana­gement gehört auch zum Tages­ablauf. Gele­gentlich lese ich auch Research­beiträge aus diversen Fach­journals, da ich es für wichtig halte, dass man sich methodisch fit hält, und Neues kritisch, aber ergebnis­offen ausprobiert.

Wie kommen Sie zu all den Infor­mationen?

Wir verwenden einen gesunden Mix zwischen Primär­research und Finanz­markt­research von Dritten, um zu unseren Anlage­entscheiden zu gelangen. Im Bereich Asset Allo­cation ist es meiner Ansicht nach uner­lässlich, selbst Entscheidungs- und Bewertungs­modelle zu rechnen. Viele Research-Anbieter sind nicht ganz «eigen­inte­ressens­frei». Meistens äussert sich dies durch zu viel Opti­mismus. Den muss man dann möglichst objektiv rausrechnen. Es ist auch wichtig, sich nicht durch die Infor­mations­flut verwirren zu lassen, und zwischen Noise und Signal zu unter­scheiden. Im Zweifels­fall gilt hier, weniger Infor­mation ist besser, da man dann den Wald trotz aller Bäume erkennen kann. Dass da dann noch irgendeine Mikrobe auf irgen­deinem Käfer auf irgen­deinem Blatt irgen­deines Baumes irgend­welche Stoff­wechsel­probleme hat, interessiert ausser der Mikrobe und dem Käfer eigentlich niemanden und ist somit auch nicht anlage­relevant.

Sie sind auch bekannt als Schreiber von Kommentaren mit spitzer Feder - wurde Ihnen dieses Talent in die Wiege gelegt?

Das Verfassen von langweiligen Texten ist für den Leser eine Zumutung. Als empha­tisches Wesen möchte ich niemanden quälen. Es geht aber nicht darum, um jeden Preis mit spitzer Feder zu schreiben. Inhalt vor Form, manches lässt sich eben nur langweilig präsen­tieren. In meiner Wiege lag ein Teddybär. Vermutlich hatte der einen Charakter wie eine Mischung zwischen Sheldon Cooper und Homer Simpson, was irgendwie abgefärbt hat.

Was wünschen Sie sich für dieses Jahr?

Weltfrieden, eine Aufmunitio­nierung der geld­poli­tischen Munitions­lager ohne Unfälle auf den Finanz­märkten und bessere Anlage­möglich­keiten. Weniger Keynes und mehr Hayek, weniger Ablaufs- und mehr Ordnungs­politik. Ein sofor­tiges Ende der finan­ziellen Repression und ein Ende des Krieges gegen das Bargeld. Tiefere Leverage Ratios für alle - Finanz­insti­tute, Firmen und Staaten - insbe­sondere aber für die Gross­banken, sowie einen Gast­auftritt der Simpsons in «The Big Bang Theory». Und, natürlich eine erfolg­reiche Aquila-Anlage­strategie, die unsere Vermögens­verwalter und deren Kunden glücklich macht.

Zur Person

Thomas Härter ist seit Oktober 2016 CIO bei Aquila & Co. AG. Davor arbei­tete er als CIO für Wellershoff & Partners und als Anlage­stratege für Swisscanto, Bank Leu (heute Credit Suisse) und die UBS. Er hat in Freiburg im Breisgau VWL studiert und ist Finanz- und Anlage­experte (SFAA).