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Ein neuer Player auf dem Verbriefungsmarkt

Vincent Gessler
Vincent Gessler
Gründer & CEO
Gessler Capital GmbH, Zürich gesslercapital.com

5. November 2019

Herr Gessler, erstmal herzliche Gratulation zum Weg in die Selbständigkeit. Sie sind schon lange im Geschäft. Was waren die Beweggründe?

Vielen Dank! Vor kurzem habe ich die Gessler Capital gegründet. Wir agieren als Verbrie­fungs­experte für «bankable» und «non-bankable» Assets. Davor war ich Sales Manager bei GENTWO, einem Service Provider, der sich auf die Etablierung und Betreuung von Emittenten spezia­lisiert hat.

Die Beweggründe, mich selbständig zu machen und auf die Kunden­seite von GENTWO zu wechseln, wurden durch die dama­ligen Kunden­anfragen ausgelöst. Viele poten­zielle Kunden sind von einer bank­unab­hän­gigen Lösung begeistert. Um die Kunden bedienen zu können, die zwar den Mehrwert eines ausser­bilan­ziellen Produkts erkannt haben, jedoch nicht daran inte­ressiert sind, selbst Emittent zu werden, haben wir als Gessler Capital diese Lücke geschlossen. Mit GENTWO als externem Dienst­leister, können wir genau diese Art von Kunden durch eine kosten­effi­ziente und unab­hängige Emit­tenten­lösung optimal bedienen. Während meiner Zeit bei GENTWO durfte ich verschie­denste sowie auch komplexe Projekte eva­luieren und umsetzen. Dadurch verfüge ich über ein fundiertes Wissen und die Erfahrung, um dem einzelnen Kunden eine best­mög­liche Beratung anzu­bieten und ihn von der ersten Idee bis zur Vollendung seines Projekts zu begleiten, was meine Arbeit als Secu­riti­zation Expert sehr abwechs­lungs­reich macht.

Der Finanzplatz Zürich ist sehr wettbewerbs­intensiv. Wie haben Sie Ihr Unternehmen positioniert?

Wir stehen noch am Anfang unserer Reise. Einige begleitete Projekte werden in Kürze umge­setzt, und die Pipe­line sieht sehr viel­ver­sprechend aus. Als Sponsor einer solchen ausser­bilan­ziellen Guernsey-Issuer-Lösung haben wir einen wichtigen Meilen­stein für unser Unter­nehmen gesetzt und können nun eine breite Kunden­basis mit einer kosten­günsti­geren und siche­reren Lösung abdecken - ohne dem Emit­tenten­risiko einer Bank. Unser Ziel ist es, einen kunden­orien­tierten und wettbe­werbs­fähigen Service aus einer Hand anzu­bieten, sozu­sagen als One-Stop-Shop. Wir arbeiten stets daran, uns in diese Richtung weiter­zuent­wickeln.

Welche Dienstleistungen bieten Sie genau an?

Wir begleiten den Kunden in verschie­densten Frage­stellungen: Kunden, die ein Darlehen zur Fremd­finan­zierung in eine ISIN verbriefen wollen, treffen mit einer Credit Linked Note (CLN) oftmals die richtige Wahl. Über diese Lösung erhalten die Anleger über die Laufzeit hinweg einen variablen oder festen Coupon. Der Schulder muss bei Laufzei­tende den geschul­deten Betrag zurück­zahlen.

Andere Kunden sind an einer Kapital­erhöhung zur Finan­zierung ihres Unter­nehmens inte­ressiert, wollen jedoch nicht ihre Stimm­rechte und somit die Kontrolle über ihr Unter­nehmen verlieren. Um dieser Nach­frage gerecht zu werden, nutzen diese Kunden einen Equity Tracker, der es den Inves­toren ermöglicht, am Erfolg des Unter­nehmens zu parti­zi­pieren, während die Eigen­tümer das Unter­nehmen weiterhin betreiben und kontrol­lieren.

Verbriefungen haben den Vorteil, dass sie Liqui­dität aus laufenden oder für unmittelbar bevor­stehende Geschäfte schaffen wie zum Beispiel für Trade-Finance-Transak­tionen. Über eine bank­fähige ISIN mit dazu­gehörigem Term­sheet, nach struktu­rierten Produkt­standards kreiert, können einzelne oder mehrere Geschäfte gebündelt und verpackt werden. Eine verbriefte Form ermöglicht es quali­fi­zierten Anlegern, sich an solch sonst sehr schwer zugäng­lichen alter­nativen Anlage­formen zu betei­ligen. Die Gegen­partei als Kredit­neh­merin erfreut sich an der gewon­nenen Liqui­dität, um ohne Warte­zeit weitere Transak­tionen tätigen zu können und gibt im Gegenzug gerne einen Teil ihres Erlöses den Inves­toren weiter. So entstehen Win-Win-Situationen.

Eine weitere hochwertige und sehr beliebte Lösung ist das Actively Managed Certi­ficate (AMC). So ein «Off Balance-Sheet» AMC ist eine sehr flexible Port­folio­lösung, die sowohl banken­fähige als auch nicht banken­fähige Basis­werte beinhalten kann. Der Strategy Manager des AMCs verwaltet dieses Portfolio in Einklang mit den im Term­sheet defi­nierten Richt­linien. Die Anleger wiederum parti­zipieren an der Wert­ent­wicklung dieses Port­folios und stimmen über den Kauf des AMCs den Produkt­kondi­tionen zu. Ein wesent­licher Vorteil eines solchen AMCs besteht darin, dass die Anleger nicht wie bei Einzel­investi­tionen bei jeder Reali­sierung einer Inves­tition ihr Geld zurück­erhalten, sondern dauerhaft im Port­folio investiert bleiben und so dem Strategy Manager die Mittel zur weiteren Verwendung zur Verfügung stellen und dadurch das Geld inner­halb des AMC recycelt wird. Die Inves­toren können sich somit über einen einzigen Kauf an mehreren Projekten auf eine unbe­stimmte Zeit betei­ligen und so auch ihr Risiko indirekt diver­sifi­zieren.

Für wen kommen sie in Frage - wer sollte diese Lösungen genauer studieren?

Diese alternativen Anlagen sind aufgrund ihres unkorre­lierten Verhaltens zu den regu­lären Finanz­märkten eine willkom­mene Port­folio­bei­mischung. Wir sind über­zeugt, dass wir mit der Verbriefung unsere Kunden­projekte im Bereich der alter­na­tiven Anlagen den Puls der Zeit ansprechen. Im aktuellen Markt­umfeld wird es selbst für die klugsten Köpfe immer schwieriger, quali­tativ hoch­wertige Anlagen zu finden; daher liegt unser Fokus darauf, unsere Kunden bei der Schaffung solcher Oppor­tunitäten zu unter­stützen, damit sie ihren Inves­toren diese fertige und einfach erwerb­bare Lösung unter­breiten können. Ein Investor muss sich nicht mehr um allfäl­lige Peer-to-Peer-Verträge kümmern, sondern kann so eine verbriefte Form eines Projekts oder einer Anlage­strategie einfach und unkom­pliziert über seine Haus­bank erwerben.

Zu unseren Verbriefungskunden gehören haupt­sächlich Vermö­gens­ver­walter, Family Offices, Banken, alter­native Invest­ment­gesell­schaften sowie auch Start-ups. Die Vermö­gens­ver­walter und Banken sind besonders an den AMC-Lösungen inte­ressiert und wollen dadurch ihre Anlage­strategien für ihre kleineren Mandaten effi­zienter umsetzen oder auch diver­sifiziert in illi­quiden Anlagen wir Hedge­fonds inves­tieren. Die Family Offices sehen die Vorteile einer Verbriefung in der Wahrung der Privat­sphäre als Investor eines Projekts oder als Zwischen­lösung zur vorläu­figen Erbschafts­teilung gewisser illi­quider Vermögen. Spezia­listen von alter­nativen Anlagen sehen das Potenzial als Club-Deal-Alter­native oder sind grund­sätzlich an den Verbrie­fungen von Direkt­investi­tionen und Port­folio­lösungen inte­ressiert, während Start-ups auf der Suche nach einer Alter­native zur Platzierung von Eigen- oder Fremd­kapital sind. Eine Verbriefung öffnet den Start-ups ganz neue Türen zu sonst unzu­gäng­lichen Inves­toren­gruppen, die eine ISIN zur Inves­tition voraus­setzen. Natürlich hat jede Kunden­gruppe ihre ganz eigenen Bedürf­nisse, was unser Geschäft so spannend und abwechs­lungs­reich macht.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Die jeweiligen Kunden­bedürf­nisse sind sehr verschieden. Während einige eine möglichst günstige und flexible Lösung suchen, stehen bei anderen die steuer­lichen Aspekte im Fokus. Daher ist unser primäres Ziel, unsere Verbrie­fungs­lö­sungen konti­nuierlich auszu­bauen, damit wir den unter­schied­lichsten Varia­tionen und Bedürf­nissen unserer Kunden gerecht werden. Der Kunde soll über uns all die Vor- und Nachteile abwägen können, um so eine für ihn passende Entschei­dung zwischen mehreren Lösungen zu fällen. Wir wollen ein zuver­lässiger und inno­va­tiver Sparring­partner für unsere Kunden sein. Uns ist es wichtig, dass sich die Kunden gut beraten fühlen.

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Zur Person

Vincent Gessler ist ein erfahrener Bank­fach­mann mit einem umfang­reichen Netz­werk in der Finanz­branche. Seine Karriere begann er 1995 mit einer Bank­lehre beim Schweize­rischen Bank­verein (heute UBS). Mit 21 Jahren durfte er als jüngster Sales Trader auf dem UBS Floor in Opfikon/Zürich tätig sein. Seine Bank­karriere beendete er 2018 als Head of Securities Dealing bei der Banque Inter­natio­nale à Luxembourg Suisse (BIL) und wechselte zu GENTWO in Zürich. In den letzten insgesamt mehr als zwei Jahr­zehnten war Vincent Gessler unter anderem Mitglied eines Anlage­ausschusses, hatte zahl­reiche Beratungs­funktionen und betreute auch externe Vermö­gens­verwalter und Direct-Dealing-Kunden.