Fundspec > Schweiz > 5. «Experten-Roundtable» in Zürich am 05.11.2019

5. «Experten-Roundtable» in Zürich am 05.11.2019

5 RT ZRH

ETFs, Research, Nachhaltigkeit und Regulierung

Caduff: Meine Herren, bald ist das Geschäfts­jahr zu Ende. Hat es Ihnen Freude bereitet?

Boitel: 2019 hat in der Tat einiges mit sich gebracht. Geo­poli­tische wie auch makro­öko­nomische Faktoren haben dafür gesorgt, dass es niemals lang­weilig wurde. Allgemein betrachtet hat dieses Jahr zwei Gesichter gezeigt. Bis inklu­sive April waren vor allem die risiko­reichen Allo­kations­klassen gefragt. Sei es Erdöl, S&P 500, DAX oder Schwellen­länder-Aktien, in allen Segmenten stiegen die Kurse zwei­stellig. Seit Mai kamen die soge­nannten «safe haven»-Anlagen zum Zuge, als Gold und Staat­sanleihen sehr gut abschnitten. Auch die Trends auf der Inves­toren­seite waren in diesem Jahr ausser­gewöhnlich. Anleihen-ETFs hatten hier ganz klar die Ober­hand unter den Asset­klassen, auf der Aktien­seite zeigte sich ein klarer Trend zu US-Titeln.

Die Auslagerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­senkungs­poten­ziale. Andreas Riedel

Riedel: Ja, natürlich. Es war für uns als unab­hän­giger Research- und Daten­an­bieter ein spannendes Jahr. Der Trend zur Digi­tali­sierung bei Finanz­insti­tuten hat sich weiter verstärkt. Die Opti­mierung der Kosten ist in unserer Industrie nach wie vor ein bestim­mendes Thema. Die Ausla­gerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­sen­kungs­poten­ziale. Einzig die Verschiebung der FINIG/FIDLEG-Ein­führung (einheit­licher Research­ansatz/Bezahlen für Research­produkte) hat noch wenig unter­stützend gewirkt - dies sollte dann im nächsten Jahr kommen.

Limacher: Obwohl die Wirtschafts­ent­wicklung im laufenden Jahr meist in Moll-Tonlage verkündet wurde, haben die meisten Aktien­märkte trotzdem zwei­stel­lige Zuwachs­raten gezeigt. Wir konnten bis dato eine ordent­liche Perfor­mance gene­rieren, was unsere Kunden gefreut hat. Wenn unsere Kunden zufrieden sind, dann sind wir es auch!

Link: Teils-teils, einerseits war es möglich, mit wenigen Trans­aktionen in wenigen Titeln eine gute Perfor­mance zu erzielen, ander­seits macht mir die Geld­politik der Noten­banken grosse Sorgen. Zu viel billiges Geld treibt die Schulden in die Höhe. Anscheinend gibt es heute keine Möglich­keit mehr, die Schulden­proble­matik zu lösen.

Caduff: Was waren die grössten Herausforderungen?

Limacher: Für unser Haus, das bereits seit 24 Jahren ethisch-nach­hal­tige Geld­anlagen proklamiert, stellt sich die Heraus­for­derung, dass sich auf einen Schlag alle Finanz­häuser einen grünen Anstrich geben oder als besonders nach­haltig erscheinen möchten. Das führt dazu, dass dieses Thema teil­weise verwässert wird. Die Nutzung verein­zelter ESG-Indi­katoren reicht für eine fundierte Beurteilung nicht aus. Wir stützen bei unserer Analyse zwar auch auf ESG-Indi­katoren ab, die wesent­liche Nach­haltig­keits-Research-Arbeit beginnt aber bei uns erst ab dieser Stufe. Eine wesent­liche Heraus­for­derung ist für uns, wie wir unsere guten Strategien im Getümmel der neuen unzäh­ligen ESG-Fonds sichtbar machen können. Hier bin ich allerdings zuver­sichtlich, dass sich hohe Produkt- und Research-Qualität lang­fristig auszahlen wird.

Die Nachfrage nach alter­na­tiven Anlagen wird weiter steigen. Thomas Link

Link: Wie kann der Anleger in der heutigen Zins­situation mit Nega­tiv­zinsen eine gute Perfor­mance erzielen, ohne das Risiko zu erhöhen. Solange der Risiko­zuschlag auf Aktien im Verhältnis zu Obli­ga­tionen immer noch attrak­tiv ist, wird aber die Rally an den Aktien­märkten weiter­gehen. Zusätz­lich wird die Nach­frage nach alter­na­tiven Anlagen weiter steigen.

Boitel: Die grösste Herausforderung war, dass die Kurs­rally auf der Aktien­seite im ersten Quartal 2019 nicht wirklich von starken Mittel­zu­flüssen begleitet wurde. Mögliche Gründe waren der voran­gegan­gene Markt­einbruch im Dezember 2018, über die Zeit aufge­baute Aktien-Über­gewich­tungen in vielen Port­folios, Sorgen bezüglich der Wirt­schafts­stabi­lität oder der globalen Handels­tarife wie auch eine lähmende Brexit-Diskussion - jeden­falls haben Inves­toren nur zögerlich mit Zuflüssen auf die posi­tive Werte­ent­wicklung reagiert.

Riedel: In diesem Jahr haben wir den Fokus auf die Weiter­ent­wicklung unserer Produkte gelegt. Zum Beispiel soll der Zugang zu unserem Research intui­tiver erfolgen - dies benötigt einen über­durch­schnitt­lichen Zeit- und Inves­titions­aufwand.

Caduff: Und was waren die positiven Höhepunkte?

Riedel: Wir wollen auf Grund der starken Nach­frage nach unseren Research­lösungen und -Produkten in Zukunft noch stärker wachsen, auch global. Wir konnten eine Nieder­lassung in Brasilien eröffnen und werden unseren Vertrieb weltweit weiter ausbauen. Auch das Timing an der Börse war teil­weise schwierig. Zwar war es bisher ein sehr gutes Börsen­jahr, aber die Kurs­ent­wick­lungen auf Monats­basis waren sehr volatil und häufig durch poli­tische Tweets beeinflusst anstatt von Funda­mental­daten getrieben. Unser regel­basierter Ansatz funktio­nierte trotzdem gut: Beispiels­weise das Gold­thema haben wir recht­zeitig, also anfangs Mai, lanciert. Oder betreffend dem Kosten­thema können wir Kunden vorweisen, denen es möglich war, diese zu halbieren und den Output zu verzehn­fachen! Dies hat sich natürlich auch positiv auf deren Erträge ausge­wirkt.

Sektor- und Faktor-Allo­kationen gehören auch zu einem durchaus erfolg­reichen 2019. Gilles Boitel

Boitel: Positive Höhe­punkte gab es viele. Hohe Zuflüsse in US-Aktien kamen der ETF-Industrie generell zu Gute. Zudem wurden ETFs viel­fältig als Grund­lage für taktische Posi­tionen benutzt - nicht nur von Privat­banken­kunden, sondern auch vermehrt auf der insti­tutio­nellen Seite, von Pensions­kassen und Versi­che­rungen. Weitere von Inves­toren positiv aufge­nommene Themen waren nachhal­tiges Inves­tieren sowie die ESG-Imple­men­tierung durch ETFs, ausserdem Mega­trends, zum Beispiel Digi­tali­sierung und Zukunfts­themen. Schliesslich sollte man auch Sektor- und Faktor-Allo­ka­tionen nicht vergessen, die zu einem durchaus erfolg­reichen Jahr 2019 gehören.

Link: Positiv zu vermerken ist sicher, dass der Anleger mit den klassischen Aktien Nestlé, Novartis und Roche die beste Perfor­mance erzielen konnte. Dazu kamen die hervor­ra­genden Resul­tate der soge­nannten «FANG»-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Die grosse Frage ist nun, wie lange die Über­wertung dieser Aktien gegen­über den «Value-Aktien» anhält. Deren Unter­be­wertung ist so tief wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Es ertönt keine Glocke, wenn es dreht.

Limacher: Als Pionier im Ethik-Bereich erleben wir im Moment sowohl starken Zuspruch seitens des Bank­hauses als auch von unseren lang­jäh­rigen Kunden. Da unsere Umsetzung der ethisch-nachhal­tigen Anlage­philo­sophie durch den «PRIME VALUES Investment-Prozess» (PVIP) nun auch in der Breite besser ankommt, fühlen wir uns vom Markt bestätigt. Der PVIP auf Indi­vidual­mandats­ebene wurde in diesem Jahr noch häufiger nachge­fragt.

Caduff: Wie sieht Ihr Plan für die kommenden Monate aus?

Link: Per 1. Januar 2020 treten die neuen Regu­lierungs­werke FIDLEG und FINIG in Kraft. Obwohl eine drei­jäh­rige Über­gangs­frist besteht, werden die Anfor­de­rungen vor allem für die kleineren externen Vermö­gens­ver­walter enorm. Abgesehen davon, müssen sich alle Vermö­gens­ver­walter bis Mitte nächsten Jahres bei der FINMA melden. Die zusätz­liche Aufsicht kommt erschwerend dazu.

In Ansätzen ist gut zu erkennen, in welche Richtung die Regu­lierung geht: ESG-Risiken rücken weiter in den Fokus. Roman Limacher

Limacher: Eine zentrale Aufgabe wird es sein, unsere deutschen Kollegen in der Unter­nehmens­gruppe bei der Umset­zung des «EU Sustaina­bi­lity Action Plans» zu unter­stützen und die Kunden­nach­frage nach neuen Anlage­lösungen zu begüns­tigen. Gerade über die deutsche Finanz­markt­aufsicht BaFin oder das Regel­werk MiFiD II kommen neue Anfor­de­rungen auf die Finanz­in­dustrie zu. Hier ist vieles noch nicht spruchreif. In Ansätzen ist aber gut zu erkennen, in welche Richtung es geht. Und diese Richtung heisst Nach­hal­tigkeit.

Boitel: So vielfältig dieses Jahr 2019 bislang auch war, werden wir uns auch in Zukunft weiterhin auf eine gut diver­sifi­zierte Produkt­land­schaft fokus­sieren. Wir nennen es 3D für belast­bare Port­folios: «defend, diver­sify and drive». Dazu gehören zum Beispiel Minimum-Vola­ti­lity-Strategien auf der Aktien­seite, Staats­anleihen hoher Qualität oder US-Dollar-Bond- Emis­sionen mit guten Zinser­trägen auf der Obli­gatio­nen­seite. Hier sehen wir mehrere spannende Möglich­keiten, mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Natürlich stehen auch unsere soge­nannten «Core» ETFs weiterhin im Fokus, sowohl bei den grossen Aktien- wie auch Obli­gations­indizes. Da wir uns als Lösungs­anbieter verstehen, stehen auch Themen rund um die Asset Allo­cation sowie Port­folio-Opti­mierung im Fokus.

Riedel: Wie gesagt, werden wir unsere Produkte weiter­ent­wickeln, um die Finanz­insti­tute bei der Bewäl­tigung ihrer Aufgaben und Problem­lösungen auf Grund der FINIG/FIDLEG-Einführung noch stärker unter­stützen zu können (zum Beispiel bei der Daten­integ­ration).

Caduff: Müssen Sie dafür an vielen Stellschrauben drehen?

Boitel: Wir müssen unsere Anstren­gungen weiter hoch­halten, um Inves­toren­wünschen sowie gene­rellen Markt­gege­ben­heiten gerecht zu werden, strategisch wie auch taktisch. Als Lösungs­anbieter zählt für uns insbe­sondere der ständige Dialog mit unseren Inves­toren. Aber wir haben bereits ein sehr attrak­tives Angebot, das wir stets verfeinern, mit Inno­vationen ergänzen und zunehmend auch in einem nachhal­tigen Invest­ment­kontext sehen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Riedel: Nur ein bisschen. theScreener wurde vor 20 Jahren als erstes Fintech-Unter­nehmen der Schweiz gegründet. Unser Erfah­rungs­pool ist deshalb mit zehn Millionen Research­nutzern immens. Die forcierte Weiter­ent­wicklung unserer Produkte ist darum in diesem Jahr etwas mehr als «Business as usual».

Limacher: Im Grunde nicht. Da wir in den letzten 20 Jahren viel Know-how in diesem Gebiet aufgebaut haben, sehen wir dies als «gmahde Wiesn» an, wie mein Münchner Kollege sagen würde. Allerdings erkennen wir auch, dass hier viel Dynamik im Markt ist, weshalb wir uns selbst auch ständig weiter­ent­wickeln - aktuell zum Beispiel mit «Proxy Voting».

Link: Ja, es wird einige Anpassungen geben wie Aktua­li­sierung des Hand­buches, des Orga­nisa­tions­reg­lements und der Arbeits­ver­träge. Dazu kommt die Suche nach einem externen Compliance-Verant­wort­lichen. Die Stell­ver­tretung muss gewähr­leistet sein.

Teilnehmende

Gilles Boitel
Deputy Head Passive Sales Switzerland, Swiss ESG Representative
DWS CH AG
Prime Tower
Hardstrasse 201
8021 Zürich

+41-44-224 79 32
E-Mail
Web

Gilles Boitel ist seit 2015 für die DWS tätig und ist seitens Xtrackers für die Kunden in der Schweiz und aus dem Ausland verant­wortlich. Zudem hat er eine lang­jäh­rige Erfahrung im ESG-Bereich und ist für DWS ESG-Repre­sen­ta­tive für den Schweizer Markt. Zuvor war er bei verschie­denen ETF-Anbietern und Consulting-Unter­nehmen in den Bereichen Sales, Struktu­rierung und Strategie tätig, wie beispiels­weise BlackRock, Invesco und Accenture. Gilles Boitel hat unter anderem einen B.Sc. der UvA, Amsterdam und ist CEESGA zerti­fiziert.

Roman Limacher
Managing Director
Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
Talstrasse 58
8001 Zürich

+41-44-220 11 22
E-Mail
Web

Roman Limacher, CIWM, betreut seit über 15 Jahren den PRIME VALUES Investment-Prozess, der mit eigens entwic­kelter Ethik-Ana­lyse über ESG hinaus­geht und von Hauck & Aufhäuser gruppen­weit über Indi­vidual­man­date, den Robo-Advisor Zeedin und über die tradi­­tions­­reichen PRIME VALUES-Fonds ange­boten wird. Er betreut bei der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG private und insti­­tutio­­nelle Kunden mit Fokus auf ethisch-nach­hal­­tige Geld­­anlagen. Zuvor war Limacher bei EY und bei einer Gesell­schaft der heutigen SIX Group tätig.

Thomas Link
Verwaltungsratspräsident
Lienberger Finanzinvest AG
Riesbachstrasse 57
8008 Zürich

+41-79-401 67 28
E-Mail
Web

Thomas Link ist Partner der Almira Group und Mitglied des Verwal­tungs­rates der Lienberger Finanzinvest AG, Zürich und der Grolimund Finanzinvest AG in Zürich. Bis 2004 war er Mitglied der Direktion bei der Privat­bank Maerki Baumann & Co. AG und verant­wortlich für das Schweizer Geschäft. Zuvor war er Leiter Anlage­ausschuss und Betreuung von Gross­kunden bei der Royal Trust Bank (Schweiz) und in der insti­tutio­nellen Vermö­gens­ver­waltung der ehema­ligen SBG (heute UBS) tätig. Thomas Link studierte National­öko­nomie an der Uni­ver­sität Zürich und besitzt ein Lizentiat in Richtung Betriebs­wirt­schaft.

Andreas Riedel
Leiter Asset Management Solutions
theScreener Investor Services AG
Zugerbergstrasse 12
6300 Zug

+41-41-727 08 84
E-Mail
Web

Andreas Riedel hat nach einer Bank­lehre und einem Wirt­schafts­studium als Aktien­spe­zialist im Investment- und Private Banking während rund 20 Jahren sein Wissen als Führungs­person vertieft. Bei einer auslän­dischen Bank baute er das globale Aktien­research auf und kam so zum ersten Mal mit theScreener in Kontakt. Dort leitet er den Bereich Asset Mana­gement Solutions.

Moderator

Thomas J. Caduff
CEO
Fundplat GmbH
Badenerstrasse 144
8004 Zürich

+41-44-212 77 77
E-Mail
Web

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

Fotos

Fotos: Christian Lanz

Fundspec > Schweiz > Lugano

5. «Experten-Roundtable» in Zürich am 05.11.2019

5 RT ZRH

ETFs, Research, Nachhaltigkeit und Regulierung

Caduff: Meine Herren, bald ist das Geschäfts­jahr zu Ende. Hat es Ihnen Freude bereitet?

Boitel: 2019 hat in der Tat einiges mit sich gebracht. Geo­poli­tische wie auch makro­öko­nomische Faktoren haben dafür gesorgt, dass es niemals lang­weilig wurde. Allgemein betrachtet hat dieses Jahr zwei Gesichter gezeigt. Bis inklu­sive April waren vor allem die risiko­reichen Allo­kations­klassen gefragt. Sei es Erdöl, S&P 500, DAX oder Schwellen­länder-Aktien, in allen Segmenten stiegen die Kurse zwei­stellig. Seit Mai kamen die soge­nannten «safe haven»-Anlagen zum Zuge, als Gold und Staat­sanleihen sehr gut abschnitten. Auch die Trends auf der Inves­toren­seite waren in diesem Jahr ausser­gewöhnlich. Anleihen-ETFs hatten hier ganz klar die Ober­hand unter den Asset­klassen, auf der Aktien­seite zeigte sich ein klarer Trend zu US-Titeln.

Die Auslagerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­senkungs­poten­ziale. Andreas Riedel

Riedel: Ja, natürlich. Es war für uns als unab­hän­giger Research- und Daten­an­bieter ein spannendes Jahr. Der Trend zur Digi­tali­sierung bei Finanz­insti­tuten hat sich weiter verstärkt. Die Opti­mierung der Kosten ist in unserer Industrie nach wie vor ein bestim­mendes Thema. Die Ausla­gerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­sen­kungs­poten­ziale. Einzig die Verschiebung der FINIG/FIDLEG-Ein­führung (einheit­licher Research­ansatz/Bezahlen für Research­produkte) hat noch wenig unter­stützend gewirkt - dies sollte dann im nächsten Jahr kommen.

Limacher: Obwohl die Wirtschafts­ent­wicklung im laufenden Jahr meist in Moll-Tonlage verkündet wurde, haben die meisten Aktien­märkte trotzdem zwei­stel­lige Zuwachs­raten gezeigt. Wir konnten bis dato eine ordent­liche Perfor­mance gene­rieren, was unsere Kunden gefreut hat. Wenn unsere Kunden zufrieden sind, dann sind wir es auch!

Link: Teils-teils, einerseits war es möglich, mit wenigen Trans­aktionen in wenigen Titeln eine gute Perfor­mance zu erzielen, ander­seits macht mir die Geld­politik der Noten­banken grosse Sorgen. Zu viel billiges Geld treibt die Schulden in die Höhe. Anscheinend gibt es heute keine Möglich­keit mehr, die Schulden­proble­matik zu lösen.

Caduff: Was waren die grössten Herausforderungen?

Limacher: Für unser Haus, das bereits seit 24 Jahren ethisch-nach­hal­tige Geld­anlagen proklamiert, stellt sich die Heraus­for­derung, dass sich auf einen Schlag alle Finanz­häuser einen grünen Anstrich geben oder als besonders nach­haltig erscheinen möchten. Das führt dazu, dass dieses Thema teil­weise verwässert wird. Die Nutzung verein­zelter ESG-Indi­katoren reicht für eine fundierte Beurteilung nicht aus. Wir stützen bei unserer Analyse zwar auch auf ESG-Indi­katoren ab, die wesent­liche Nach­haltig­keits-Research-Arbeit beginnt aber bei uns erst ab dieser Stufe. Eine wesent­liche Heraus­for­derung ist für uns, wie wir unsere guten Strategien im Getümmel der neuen unzäh­ligen ESG-Fonds sichtbar machen können. Hier bin ich allerdings zuver­sichtlich, dass sich hohe Produkt- und Research-Qualität lang­fristig auszahlen wird.

Die Nachfrage nach alter­na­tiven Anlagen wird weiter steigen. Thomas Link

Link: Wie kann der Anleger in der heutigen Zins­situation mit Nega­tiv­zinsen eine gute Perfor­mance erzielen, ohne das Risiko zu erhöhen. Solange der Risiko­zuschlag auf Aktien im Verhältnis zu Obli­ga­tionen immer noch attrak­tiv ist, wird aber die Rally an den Aktien­märkten weiter­gehen. Zusätz­lich wird die Nach­frage nach alter­na­tiven Anlagen weiter steigen.

Boitel: Die grösste Herausforderung war, dass die Kurs­rally auf der Aktien­seite im ersten Quartal 2019 nicht wirklich von starken Mittel­zu­flüssen begleitet wurde. Mögliche Gründe waren der voran­gegan­gene Markt­einbruch im Dezember 2018, über die Zeit aufge­baute Aktien-Über­gewich­tungen in vielen Port­folios, Sorgen bezüglich der Wirt­schafts­stabi­lität oder der globalen Handels­tarife wie auch eine lähmende Brexit-Diskussion - jeden­falls haben Inves­toren nur zögerlich mit Zuflüssen auf die posi­tive Werte­ent­wicklung reagiert.

Riedel: In diesem Jahr haben wir den Fokus auf die Weiter­ent­wicklung unserer Produkte gelegt. Zum Beispiel soll der Zugang zu unserem Research intui­tiver erfolgen - dies benötigt einen über­durch­schnitt­lichen Zeit- und Inves­titions­aufwand.

Caduff: Und was waren die positiven Höhepunkte?

Riedel: Wir wollen auf Grund der starken Nach­frage nach unseren Research­lösungen und -Produkten in Zukunft noch stärker wachsen, auch global. Wir konnten eine Nieder­lassung in Brasilien eröffnen und werden unseren Vertrieb weltweit weiter ausbauen. Auch das Timing an der Börse war teil­weise schwierig. Zwar war es bisher ein sehr gutes Börsen­jahr, aber die Kurs­ent­wick­lungen auf Monats­basis waren sehr volatil und häufig durch poli­tische Tweets beeinflusst anstatt von Funda­mental­daten getrieben. Unser regel­basierter Ansatz funktio­nierte trotzdem gut: Beispiels­weise das Gold­thema haben wir recht­zeitig, also anfangs Mai, lanciert. Oder betreffend dem Kosten­thema können wir Kunden vorweisen, denen es möglich war, diese zu halbieren und den Output zu verzehn­fachen! Dies hat sich natürlich auch positiv auf deren Erträge ausge­wirkt.

Sektor- und Faktor-Allo­kationen gehören auch zu einem durchaus erfolg­reichen 2019. Gilles Boitel

Boitel: Positive Höhe­punkte gab es viele. Hohe Zuflüsse in US-Aktien kamen der ETF-Industrie generell zu Gute. Zudem wurden ETFs viel­fältig als Grund­lage für taktische Posi­tionen benutzt - nicht nur von Privat­banken­kunden, sondern auch vermehrt auf der insti­tutio­nellen Seite, von Pensions­kassen und Versi­che­rungen. Weitere von Inves­toren positiv aufge­nommene Themen waren nachhal­tiges Inves­tieren sowie die ESG-Imple­men­tierung durch ETFs, ausserdem Mega­trends, zum Beispiel Digi­tali­sierung und Zukunfts­themen. Schliesslich sollte man auch Sektor- und Faktor-Allo­ka­tionen nicht vergessen, die zu einem durchaus erfolg­reichen Jahr 2019 gehören.

Link: Positiv zu vermerken ist sicher, dass der Anleger mit den klassischen Aktien Nestlé, Novartis und Roche die beste Perfor­mance erzielen konnte. Dazu kamen die hervor­ra­genden Resul­tate der soge­nannten «FANG»-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Die grosse Frage ist nun, wie lange die Über­wertung dieser Aktien gegen­über den «Value-Aktien» anhält. Deren Unter­be­wertung ist so tief wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Es ertönt keine Glocke, wenn es dreht.

Limacher: Als Pionier im Ethik-Bereich erleben wir im Moment sowohl starken Zuspruch seitens des Bank­hauses als auch von unseren lang­jäh­rigen Kunden. Da unsere Umsetzung der ethisch-nachhal­tigen Anlage­philo­sophie durch den «PRIME VALUES Investment-Prozess» (PVIP) nun auch in der Breite besser ankommt, fühlen wir uns vom Markt bestätigt. Der PVIP auf Indi­vidual­mandats­ebene wurde in diesem Jahr noch häufiger nachge­fragt.

Caduff: Wie sieht Ihr Plan für die kommenden Monate aus?

Link: Per 1. Januar 2020 treten die neuen Regu­lierungs­werke FIDLEG und FINIG in Kraft. Obwohl eine drei­jäh­rige Über­gangs­frist besteht, werden die Anfor­de­rungen vor allem für die kleineren externen Vermö­gens­ver­walter enorm. Abgesehen davon, müssen sich alle Vermö­gens­ver­walter bis Mitte nächsten Jahres bei der FINMA melden. Die zusätz­liche Aufsicht kommt erschwerend dazu.

In Ansätzen ist gut zu erkennen, in welche Richtung die Regu­lierung geht: ESG-Risiken rücken weiter in den Fokus. Roman Limacher

Limacher: Eine zentrale Aufgabe wird es sein, unsere deutschen Kollegen in der Unter­nehmens­gruppe bei der Umset­zung des «EU Sustaina­bi­lity Action Plans» zu unter­stützen und die Kunden­nach­frage nach neuen Anlage­lösungen zu begüns­tigen. Gerade über die deutsche Finanz­markt­aufsicht BaFin oder das Regel­werk MiFiD II kommen neue Anfor­de­rungen auf die Finanz­in­dustrie zu. Hier ist vieles noch nicht spruchreif. In Ansätzen ist aber gut zu erkennen, in welche Richtung es geht. Und diese Richtung heisst Nach­hal­tigkeit.

Boitel: So vielfältig dieses Jahr 2019 bislang auch war, werden wir uns auch in Zukunft weiterhin auf eine gut diver­sifi­zierte Produkt­land­schaft fokus­sieren. Wir nennen es 3D für belast­bare Port­folios: «defend, diver­sify and drive». Dazu gehören zum Beispiel Minimum-Vola­ti­lity-Strategien auf der Aktien­seite, Staats­anleihen hoher Qualität oder US-Dollar-Bond- Emis­sionen mit guten Zinser­trägen auf der Obli­gatio­nen­seite. Hier sehen wir mehrere spannende Möglich­keiten, mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Natürlich stehen auch unsere soge­nannten «Core» ETFs weiterhin im Fokus, sowohl bei den grossen Aktien- wie auch Obli­gations­indizes. Da wir uns als Lösungs­anbieter verstehen, stehen auch Themen rund um die Asset Allo­cation sowie Port­folio-Opti­mierung im Fokus.

Riedel: Wie gesagt, werden wir unsere Produkte weiter­ent­wickeln, um die Finanz­insti­tute bei der Bewäl­tigung ihrer Aufgaben und Problem­lösungen auf Grund der FINIG/FIDLEG-Einführung noch stärker unter­stützen zu können (zum Beispiel bei der Daten­integ­ration).

Caduff: Müssen Sie dafür an vielen Stellschrauben drehen?

Boitel: Wir müssen unsere Anstren­gungen weiter hoch­halten, um Inves­toren­wünschen sowie gene­rellen Markt­gege­ben­heiten gerecht zu werden, strategisch wie auch taktisch. Als Lösungs­anbieter zählt für uns insbe­sondere der ständige Dialog mit unseren Inves­toren. Aber wir haben bereits ein sehr attrak­tives Angebot, das wir stets verfeinern, mit Inno­vationen ergänzen und zunehmend auch in einem nachhal­tigen Invest­ment­kontext sehen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Riedel: Nur ein bisschen. theScreener wurde vor 20 Jahren als erstes Fintech-Unter­nehmen der Schweiz gegründet. Unser Erfah­rungs­pool ist deshalb mit zehn Millionen Research­nutzern immens. Die forcierte Weiter­ent­wicklung unserer Produkte ist darum in diesem Jahr etwas mehr als «Business as usual».

Limacher: Im Grunde nicht. Da wir in den letzten 20 Jahren viel Know-how in diesem Gebiet aufgebaut haben, sehen wir dies als «gmahde Wiesn» an, wie mein Münchner Kollege sagen würde. Allerdings erkennen wir auch, dass hier viel Dynamik im Markt ist, weshalb wir uns selbst auch ständig weiter­ent­wickeln - aktuell zum Beispiel mit «Proxy Voting».

Link: Ja, es wird einige Anpassungen geben wie Aktua­li­sierung des Hand­buches, des Orga­nisa­tions­reg­lements und der Arbeits­ver­träge. Dazu kommt die Suche nach einem externen Compliance-Verant­wort­lichen. Die Stell­ver­tretung muss gewähr­leistet sein.

Teilnehmende

Gilles Boitel
Deputy Head Passive Sales Switzerland, Swiss ESG Representative
DWS CH AG
Prime Tower
Hardstrasse 201
8021 Zürich

+41-44-224 79 32
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Gilles Boitel ist seit 2015 für die DWS tätig und ist seitens Xtrackers für die Kunden in der Schweiz und aus dem Ausland verant­wortlich. Zudem hat er eine lang­jäh­rige Erfahrung im ESG-Bereich und ist für DWS ESG-Repre­sen­ta­tive für den Schweizer Markt. Zuvor war er bei verschie­denen ETF-Anbietern und Consulting-Unter­nehmen in den Bereichen Sales, Struktu­rierung und Strategie tätig, wie beispiels­weise BlackRock, Invesco und Accenture. Gilles Boitel hat unter anderem einen B.Sc. der UvA, Amsterdam und ist CEESGA zerti­fiziert.

Roman Limacher
Managing Director
Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
Talstrasse 58
8001 Zürich

+41-44-220 11 22
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Web

Roman Limacher, CIWM, betreut seit über 15 Jahren den PRIME VALUES Investment-Prozess, der mit eigens entwic­kelter Ethik-Ana­lyse über ESG hinaus­geht und von Hauck & Aufhäuser gruppen­weit über Indi­vidual­man­date, den Robo-Advisor Zeedin und über die tradi­­tions­­reichen PRIME VALUES-Fonds ange­boten wird. Er betreut bei der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG private und insti­­tutio­­nelle Kunden mit Fokus auf ethisch-nach­hal­­tige Geld­­anlagen. Zuvor war Limacher bei EY und bei einer Gesell­schaft der heutigen SIX Group tätig.

Thomas Link
Verwaltungsratspräsident
Lienberger Finanzinvest AG
Riesbachstrasse 57
8008 Zürich

+41-79-401 67 28
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Web

Thomas Link ist Partner der Almira Group und Mitglied des Verwal­tungs­rates der Lienberger Finanzinvest AG, Zürich und der Grolimund Finanzinvest AG in Zürich. Bis 2004 war er Mitglied der Direktion bei der Privat­bank Maerki Baumann & Co. AG und verant­wortlich für das Schweizer Geschäft. Zuvor war er Leiter Anlage­ausschuss und Betreuung von Gross­kunden bei der Royal Trust Bank (Schweiz) und in der insti­tutio­nellen Vermö­gens­ver­waltung der ehema­ligen SBG (heute UBS) tätig. Thomas Link studierte National­öko­nomie an der Uni­ver­sität Zürich und besitzt ein Lizentiat in Richtung Betriebs­wirt­schaft.

Andreas Riedel
Leiter Asset Management Solutions
theScreener Investor Services AG
Zugerbergstrasse 12
6300 Zug

+41-41-727 08 84
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Andreas Riedel hat nach einer Bank­lehre und einem Wirt­schafts­studium als Aktien­spe­zialist im Investment- und Private Banking während rund 20 Jahren sein Wissen als Führungs­person vertieft. Bei einer auslän­dischen Bank baute er das globale Aktien­research auf und kam so zum ersten Mal mit theScreener in Kontakt. Dort leitet er den Bereich Asset Mana­gement Solutions.

Moderator

Thomas J. Caduff
CEO
Fundplat GmbH
Badenerstrasse 144
8004 Zürich

+41-44-212 77 77
E-Mail
Web

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

Fotos

Fotos: Christian Lanz

Fundspec > Schweiz > EN >
Lugano

5. «Experten-Roundtable» in Zürich am 05.11.2019

5 RT ZRH

ETFs, Research, Nachhaltigkeit und Regulierung

Caduff: Meine Herren, bald ist das Geschäfts­jahr zu Ende. Hat es Ihnen Freude bereitet?

Boitel: 2019 hat in der Tat einiges mit sich gebracht. Geo­poli­tische wie auch makro­öko­nomische Faktoren haben dafür gesorgt, dass es niemals lang­weilig wurde. Allgemein betrachtet hat dieses Jahr zwei Gesichter gezeigt. Bis inklu­sive April waren vor allem die risiko­reichen Allo­kations­klassen gefragt. Sei es Erdöl, S&P 500, DAX oder Schwellen­länder-Aktien, in allen Segmenten stiegen die Kurse zwei­stellig. Seit Mai kamen die soge­nannten «safe haven»-Anlagen zum Zuge, als Gold und Staat­sanleihen sehr gut abschnitten. Auch die Trends auf der Inves­toren­seite waren in diesem Jahr ausser­gewöhnlich. Anleihen-ETFs hatten hier ganz klar die Ober­hand unter den Asset­klassen, auf der Aktien­seite zeigte sich ein klarer Trend zu US-Titeln.

Die Auslagerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­senkungs­poten­ziale. Andreas Riedel

Riedel: Ja, natürlich. Es war für uns als unab­hän­giger Research- und Daten­an­bieter ein spannendes Jahr. Der Trend zur Digi­tali­sierung bei Finanz­insti­tuten hat sich weiter verstärkt. Die Opti­mierung der Kosten ist in unserer Industrie nach wie vor ein bestim­mendes Thema. Die Ausla­gerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­sen­kungs­poten­ziale. Einzig die Verschiebung der FINIG/FIDLEG-Ein­führung (einheit­licher Research­ansatz/Bezahlen für Research­produkte) hat noch wenig unter­stützend gewirkt - dies sollte dann im nächsten Jahr kommen.

Limacher: Obwohl die Wirtschafts­ent­wicklung im laufenden Jahr meist in Moll-Tonlage verkündet wurde, haben die meisten Aktien­märkte trotzdem zwei­stel­lige Zuwachs­raten gezeigt. Wir konnten bis dato eine ordent­liche Perfor­mance gene­rieren, was unsere Kunden gefreut hat. Wenn unsere Kunden zufrieden sind, dann sind wir es auch!

Link: Teils-teils, einerseits war es möglich, mit wenigen Trans­aktionen in wenigen Titeln eine gute Perfor­mance zu erzielen, ander­seits macht mir die Geld­politik der Noten­banken grosse Sorgen. Zu viel billiges Geld treibt die Schulden in die Höhe. Anscheinend gibt es heute keine Möglich­keit mehr, die Schulden­proble­matik zu lösen.

Caduff: Was waren die grössten Herausforderungen?

Limacher: Für unser Haus, das bereits seit 24 Jahren ethisch-nach­hal­tige Geld­anlagen proklamiert, stellt sich die Heraus­for­derung, dass sich auf einen Schlag alle Finanz­häuser einen grünen Anstrich geben oder als besonders nach­haltig erscheinen möchten. Das führt dazu, dass dieses Thema teil­weise verwässert wird. Die Nutzung verein­zelter ESG-Indi­katoren reicht für eine fundierte Beurteilung nicht aus. Wir stützen bei unserer Analyse zwar auch auf ESG-Indi­katoren ab, die wesent­liche Nach­haltig­keits-Research-Arbeit beginnt aber bei uns erst ab dieser Stufe. Eine wesent­liche Heraus­for­derung ist für uns, wie wir unsere guten Strategien im Getümmel der neuen unzäh­ligen ESG-Fonds sichtbar machen können. Hier bin ich allerdings zuver­sichtlich, dass sich hohe Produkt- und Research-Qualität lang­fristig auszahlen wird.

Die Nachfrage nach alter­na­tiven Anlagen wird weiter steigen. Thomas Link

Link: Wie kann der Anleger in der heutigen Zins­situation mit Nega­tiv­zinsen eine gute Perfor­mance erzielen, ohne das Risiko zu erhöhen. Solange der Risiko­zuschlag auf Aktien im Verhältnis zu Obli­ga­tionen immer noch attrak­tiv ist, wird aber die Rally an den Aktien­märkten weiter­gehen. Zusätz­lich wird die Nach­frage nach alter­na­tiven Anlagen weiter steigen.

Boitel: Die grösste Herausforderung war, dass die Kurs­rally auf der Aktien­seite im ersten Quartal 2019 nicht wirklich von starken Mittel­zu­flüssen begleitet wurde. Mögliche Gründe waren der voran­gegan­gene Markt­einbruch im Dezember 2018, über die Zeit aufge­baute Aktien-Über­gewich­tungen in vielen Port­folios, Sorgen bezüglich der Wirt­schafts­stabi­lität oder der globalen Handels­tarife wie auch eine lähmende Brexit-Diskussion - jeden­falls haben Inves­toren nur zögerlich mit Zuflüssen auf die posi­tive Werte­ent­wicklung reagiert.

Riedel: In diesem Jahr haben wir den Fokus auf die Weiter­ent­wicklung unserer Produkte gelegt. Zum Beispiel soll der Zugang zu unserem Research intui­tiver erfolgen - dies benötigt einen über­durch­schnitt­lichen Zeit- und Inves­titions­aufwand.

Caduff: Und was waren die positiven Höhepunkte?

Riedel: Wir wollen auf Grund der starken Nach­frage nach unseren Research­lösungen und -Produkten in Zukunft noch stärker wachsen, auch global. Wir konnten eine Nieder­lassung in Brasilien eröffnen und werden unseren Vertrieb weltweit weiter ausbauen. Auch das Timing an der Börse war teil­weise schwierig. Zwar war es bisher ein sehr gutes Börsen­jahr, aber die Kurs­ent­wick­lungen auf Monats­basis waren sehr volatil und häufig durch poli­tische Tweets beeinflusst anstatt von Funda­mental­daten getrieben. Unser regel­basierter Ansatz funktio­nierte trotzdem gut: Beispiels­weise das Gold­thema haben wir recht­zeitig, also anfangs Mai, lanciert. Oder betreffend dem Kosten­thema können wir Kunden vorweisen, denen es möglich war, diese zu halbieren und den Output zu verzehn­fachen! Dies hat sich natürlich auch positiv auf deren Erträge ausge­wirkt.

Sektor- und Faktor-Allo­kationen gehören auch zu einem durchaus erfolg­reichen 2019. Gilles Boitel

Boitel: Positive Höhe­punkte gab es viele. Hohe Zuflüsse in US-Aktien kamen der ETF-Industrie generell zu Gute. Zudem wurden ETFs viel­fältig als Grund­lage für taktische Posi­tionen benutzt - nicht nur von Privat­banken­kunden, sondern auch vermehrt auf der insti­tutio­nellen Seite, von Pensions­kassen und Versi­che­rungen. Weitere von Inves­toren positiv aufge­nommene Themen waren nachhal­tiges Inves­tieren sowie die ESG-Imple­men­tierung durch ETFs, ausserdem Mega­trends, zum Beispiel Digi­tali­sierung und Zukunfts­themen. Schliesslich sollte man auch Sektor- und Faktor-Allo­ka­tionen nicht vergessen, die zu einem durchaus erfolg­reichen Jahr 2019 gehören.

Link: Positiv zu vermerken ist sicher, dass der Anleger mit den klassischen Aktien Nestlé, Novartis und Roche die beste Perfor­mance erzielen konnte. Dazu kamen die hervor­ra­genden Resul­tate der soge­nannten «FANG»-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Die grosse Frage ist nun, wie lange die Über­wertung dieser Aktien gegen­über den «Value-Aktien» anhält. Deren Unter­be­wertung ist so tief wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Es ertönt keine Glocke, wenn es dreht.

Limacher: Als Pionier im Ethik-Bereich erleben wir im Moment sowohl starken Zuspruch seitens des Bank­hauses als auch von unseren lang­jäh­rigen Kunden. Da unsere Umsetzung der ethisch-nachhal­tigen Anlage­philo­sophie durch den «PRIME VALUES Investment-Prozess» (PVIP) nun auch in der Breite besser ankommt, fühlen wir uns vom Markt bestätigt. Der PVIP auf Indi­vidual­mandats­ebene wurde in diesem Jahr noch häufiger nachge­fragt.

Caduff: Wie sieht Ihr Plan für die kommenden Monate aus?

Link: Per 1. Januar 2020 treten die neuen Regu­lierungs­werke FIDLEG und FINIG in Kraft. Obwohl eine drei­jäh­rige Über­gangs­frist besteht, werden die Anfor­de­rungen vor allem für die kleineren externen Vermö­gens­ver­walter enorm. Abgesehen davon, müssen sich alle Vermö­gens­ver­walter bis Mitte nächsten Jahres bei der FINMA melden. Die zusätz­liche Aufsicht kommt erschwerend dazu.

In Ansätzen ist gut zu erkennen, in welche Richtung die Regu­lierung geht: ESG-Risiken rücken weiter in den Fokus. Roman Limacher

Limacher: Eine zentrale Aufgabe wird es sein, unsere deutschen Kollegen in der Unter­nehmens­gruppe bei der Umset­zung des «EU Sustaina­bi­lity Action Plans» zu unter­stützen und die Kunden­nach­frage nach neuen Anlage­lösungen zu begüns­tigen. Gerade über die deutsche Finanz­markt­aufsicht BaFin oder das Regel­werk MiFiD II kommen neue Anfor­de­rungen auf die Finanz­in­dustrie zu. Hier ist vieles noch nicht spruchreif. In Ansätzen ist aber gut zu erkennen, in welche Richtung es geht. Und diese Richtung heisst Nach­hal­tigkeit.

Boitel: So vielfältig dieses Jahr 2019 bislang auch war, werden wir uns auch in Zukunft weiterhin auf eine gut diver­sifi­zierte Produkt­land­schaft fokus­sieren. Wir nennen es 3D für belast­bare Port­folios: «defend, diver­sify and drive». Dazu gehören zum Beispiel Minimum-Vola­ti­lity-Strategien auf der Aktien­seite, Staats­anleihen hoher Qualität oder US-Dollar-Bond- Emis­sionen mit guten Zinser­trägen auf der Obli­gatio­nen­seite. Hier sehen wir mehrere spannende Möglich­keiten, mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Natürlich stehen auch unsere soge­nannten «Core» ETFs weiterhin im Fokus, sowohl bei den grossen Aktien- wie auch Obli­gations­indizes. Da wir uns als Lösungs­anbieter verstehen, stehen auch Themen rund um die Asset Allo­cation sowie Port­folio-Opti­mierung im Fokus.

Riedel: Wie gesagt, werden wir unsere Produkte weiter­ent­wickeln, um die Finanz­insti­tute bei der Bewäl­tigung ihrer Aufgaben und Problem­lösungen auf Grund der FINIG/FIDLEG-Einführung noch stärker unter­stützen zu können (zum Beispiel bei der Daten­integ­ration).

Caduff: Müssen Sie dafür an vielen Stellschrauben drehen?

Boitel: Wir müssen unsere Anstren­gungen weiter hoch­halten, um Inves­toren­wünschen sowie gene­rellen Markt­gege­ben­heiten gerecht zu werden, strategisch wie auch taktisch. Als Lösungs­anbieter zählt für uns insbe­sondere der ständige Dialog mit unseren Inves­toren. Aber wir haben bereits ein sehr attrak­tives Angebot, das wir stets verfeinern, mit Inno­vationen ergänzen und zunehmend auch in einem nachhal­tigen Invest­ment­kontext sehen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Riedel: Nur ein bisschen. theScreener wurde vor 20 Jahren als erstes Fintech-Unter­nehmen der Schweiz gegründet. Unser Erfah­rungs­pool ist deshalb mit zehn Millionen Research­nutzern immens. Die forcierte Weiter­ent­wicklung unserer Produkte ist darum in diesem Jahr etwas mehr als «Business as usual».

Limacher: Im Grunde nicht. Da wir in den letzten 20 Jahren viel Know-how in diesem Gebiet aufgebaut haben, sehen wir dies als «gmahde Wiesn» an, wie mein Münchner Kollege sagen würde. Allerdings erkennen wir auch, dass hier viel Dynamik im Markt ist, weshalb wir uns selbst auch ständig weiter­ent­wickeln - aktuell zum Beispiel mit «Proxy Voting».

Link: Ja, es wird einige Anpassungen geben wie Aktua­li­sierung des Hand­buches, des Orga­nisa­tions­reg­lements und der Arbeits­ver­träge. Dazu kommt die Suche nach einem externen Compliance-Verant­wort­lichen. Die Stell­ver­tretung muss gewähr­leistet sein.

Teilnehmende

Gilles Boitel
Deputy Head Passive Sales Switzerland, Swiss ESG Representative
DWS CH AG
Prime Tower
Hardstrasse 201
8021 Zürich

+41-44-224 79 32
E-Mail
Web

Gilles Boitel ist seit 2015 für die DWS tätig und ist seitens Xtrackers für die Kunden in der Schweiz und aus dem Ausland verant­wortlich. Zudem hat er eine lang­jäh­rige Erfahrung im ESG-Bereich und ist für DWS ESG-Repre­sen­ta­tive für den Schweizer Markt. Zuvor war er bei verschie­denen ETF-Anbietern und Consulting-Unter­nehmen in den Bereichen Sales, Struktu­rierung und Strategie tätig, wie beispiels­weise BlackRock, Invesco und Accenture. Gilles Boitel hat unter anderem einen B.Sc. der UvA, Amsterdam und ist CEESGA zerti­fiziert.

Roman Limacher
Managing Director
Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
Talstrasse 58
8001 Zürich

+41-44-220 11 22
E-Mail
Web

Roman Limacher, CIWM, betreut seit über 15 Jahren den PRIME VALUES Investment-Prozess, der mit eigens entwic­kelter Ethik-Ana­lyse über ESG hinaus­geht und von Hauck & Aufhäuser gruppen­weit über Indi­vidual­man­date, den Robo-Advisor Zeedin und über die tradi­­tions­­reichen PRIME VALUES-Fonds ange­boten wird. Er betreut bei der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG private und insti­­tutio­­nelle Kunden mit Fokus auf ethisch-nach­hal­­tige Geld­­anlagen. Zuvor war Limacher bei EY und bei einer Gesell­schaft der heutigen SIX Group tätig.

Thomas Link
Verwaltungsratspräsident
Lienberger Finanzinvest AG
Riesbachstrasse 57
8008 Zürich

+41-79-401 67 28
E-Mail
Web

Thomas Link ist Partner der Almira Group und Mitglied des Verwal­tungs­rates der Lienberger Finanzinvest AG, Zürich und der Grolimund Finanzinvest AG in Zürich. Bis 2004 war er Mitglied der Direktion bei der Privat­bank Maerki Baumann & Co. AG und verant­wortlich für das Schweizer Geschäft. Zuvor war er Leiter Anlage­ausschuss und Betreuung von Gross­kunden bei der Royal Trust Bank (Schweiz) und in der insti­tutio­nellen Vermö­gens­ver­waltung der ehema­ligen SBG (heute UBS) tätig. Thomas Link studierte National­öko­nomie an der Uni­ver­sität Zürich und besitzt ein Lizentiat in Richtung Betriebs­wirt­schaft.

Andreas Riedel
Leiter Asset Management Solutions
theScreener Investor Services AG
Zugerbergstrasse 12
6300 Zug

+41-41-727 08 84
E-Mail
Web

Andreas Riedel hat nach einer Bank­lehre und einem Wirt­schafts­studium als Aktien­spe­zialist im Investment- und Private Banking während rund 20 Jahren sein Wissen als Führungs­person vertieft. Bei einer auslän­dischen Bank baute er das globale Aktien­research auf und kam so zum ersten Mal mit theScreener in Kontakt. Dort leitet er den Bereich Asset Mana­gement Solutions.

Moderator

Thomas J. Caduff
CEO
Fundplat GmbH
Badenerstrasse 144
8004 Zürich

+41-44-212 77 77
E-Mail
Web

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

Fotos

Fotos: Christian Lanz

Fundspec > Deutschland >
4. «Experten-Roundtable» in Frankfurt am 24.09.2019

5. «Experten-Roundtable» in Zürich am 05.11.2019

5 RT ZRH

ETFs, Research, Nachhaltigkeit und Regulierung

Caduff: Meine Herren, bald ist das Geschäfts­jahr zu Ende. Hat es Ihnen Freude bereitet?

Boitel: 2019 hat in der Tat einiges mit sich gebracht. Geo­poli­tische wie auch makro­öko­nomische Faktoren haben dafür gesorgt, dass es niemals lang­weilig wurde. Allgemein betrachtet hat dieses Jahr zwei Gesichter gezeigt. Bis inklu­sive April waren vor allem die risiko­reichen Allo­kations­klassen gefragt. Sei es Erdöl, S&P 500, DAX oder Schwellen­länder-Aktien, in allen Segmenten stiegen die Kurse zwei­stellig. Seit Mai kamen die soge­nannten «safe haven»-Anlagen zum Zuge, als Gold und Staat­sanleihen sehr gut abschnitten. Auch die Trends auf der Inves­toren­seite waren in diesem Jahr ausser­gewöhnlich. Anleihen-ETFs hatten hier ganz klar die Ober­hand unter den Asset­klassen, auf der Aktien­seite zeigte sich ein klarer Trend zu US-Titeln.

Die Auslagerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­senkungs­poten­ziale. Andreas Riedel

Riedel: Ja, natürlich. Es war für uns als unab­hän­giger Research- und Daten­an­bieter ein spannendes Jahr. Der Trend zur Digi­tali­sierung bei Finanz­insti­tuten hat sich weiter verstärkt. Die Opti­mierung der Kosten ist in unserer Industrie nach wie vor ein bestim­mendes Thema. Die Ausla­gerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­sen­kungs­poten­ziale. Einzig die Verschiebung der FINIG/FIDLEG-Ein­führung (einheit­licher Research­ansatz/Bezahlen für Research­produkte) hat noch wenig unter­stützend gewirkt - dies sollte dann im nächsten Jahr kommen.

Limacher: Obwohl die Wirtschafts­ent­wicklung im laufenden Jahr meist in Moll-Tonlage verkündet wurde, haben die meisten Aktien­märkte trotzdem zwei­stel­lige Zuwachs­raten gezeigt. Wir konnten bis dato eine ordent­liche Perfor­mance gene­rieren, was unsere Kunden gefreut hat. Wenn unsere Kunden zufrieden sind, dann sind wir es auch!

Link: Teils-teils, einerseits war es möglich, mit wenigen Trans­aktionen in wenigen Titeln eine gute Perfor­mance zu erzielen, ander­seits macht mir die Geld­politik der Noten­banken grosse Sorgen. Zu viel billiges Geld treibt die Schulden in die Höhe. Anscheinend gibt es heute keine Möglich­keit mehr, die Schulden­proble­matik zu lösen.

Caduff: Was waren die grössten Herausforderungen?

Limacher: Für unser Haus, das bereits seit 24 Jahren ethisch-nach­hal­tige Geld­anlagen proklamiert, stellt sich die Heraus­for­derung, dass sich auf einen Schlag alle Finanz­häuser einen grünen Anstrich geben oder als besonders nach­haltig erscheinen möchten. Das führt dazu, dass dieses Thema teil­weise verwässert wird. Die Nutzung verein­zelter ESG-Indi­katoren reicht für eine fundierte Beurteilung nicht aus. Wir stützen bei unserer Analyse zwar auch auf ESG-Indi­katoren ab, die wesent­liche Nach­haltig­keits-Research-Arbeit beginnt aber bei uns erst ab dieser Stufe. Eine wesent­liche Heraus­for­derung ist für uns, wie wir unsere guten Strategien im Getümmel der neuen unzäh­ligen ESG-Fonds sichtbar machen können. Hier bin ich allerdings zuver­sichtlich, dass sich hohe Produkt- und Research-Qualität lang­fristig auszahlen wird.

Die Nachfrage nach alter­na­tiven Anlagen wird weiter steigen. Thomas Link

Link: Wie kann der Anleger in der heutigen Zins­situation mit Nega­tiv­zinsen eine gute Perfor­mance erzielen, ohne das Risiko zu erhöhen. Solange der Risiko­zuschlag auf Aktien im Verhältnis zu Obli­ga­tionen immer noch attrak­tiv ist, wird aber die Rally an den Aktien­märkten weiter­gehen. Zusätz­lich wird die Nach­frage nach alter­na­tiven Anlagen weiter steigen.

Boitel: Die grösste Herausforderung war, dass die Kurs­rally auf der Aktien­seite im ersten Quartal 2019 nicht wirklich von starken Mittel­zu­flüssen begleitet wurde. Mögliche Gründe waren der voran­gegan­gene Markt­einbruch im Dezember 2018, über die Zeit aufge­baute Aktien-Über­gewich­tungen in vielen Port­folios, Sorgen bezüglich der Wirt­schafts­stabi­lität oder der globalen Handels­tarife wie auch eine lähmende Brexit-Diskussion - jeden­falls haben Inves­toren nur zögerlich mit Zuflüssen auf die posi­tive Werte­ent­wicklung reagiert.

Riedel: In diesem Jahr haben wir den Fokus auf die Weiter­ent­wicklung unserer Produkte gelegt. Zum Beispiel soll der Zugang zu unserem Research intui­tiver erfolgen - dies benötigt einen über­durch­schnitt­lichen Zeit- und Inves­titions­aufwand.

Caduff: Und was waren die positiven Höhepunkte?

Riedel: Wir wollen auf Grund der starken Nach­frage nach unseren Research­lösungen und -Produkten in Zukunft noch stärker wachsen, auch global. Wir konnten eine Nieder­lassung in Brasilien eröffnen und werden unseren Vertrieb weltweit weiter ausbauen. Auch das Timing an der Börse war teil­weise schwierig. Zwar war es bisher ein sehr gutes Börsen­jahr, aber die Kurs­ent­wick­lungen auf Monats­basis waren sehr volatil und häufig durch poli­tische Tweets beeinflusst anstatt von Funda­mental­daten getrieben. Unser regel­basierter Ansatz funktio­nierte trotzdem gut: Beispiels­weise das Gold­thema haben wir recht­zeitig, also anfangs Mai, lanciert. Oder betreffend dem Kosten­thema können wir Kunden vorweisen, denen es möglich war, diese zu halbieren und den Output zu verzehn­fachen! Dies hat sich natürlich auch positiv auf deren Erträge ausge­wirkt.

Sektor- und Faktor-Allo­kationen gehören auch zu einem durchaus erfolg­reichen 2019. Gilles Boitel

Boitel: Positive Höhe­punkte gab es viele. Hohe Zuflüsse in US-Aktien kamen der ETF-Industrie generell zu Gute. Zudem wurden ETFs viel­fältig als Grund­lage für taktische Posi­tionen benutzt - nicht nur von Privat­banken­kunden, sondern auch vermehrt auf der insti­tutio­nellen Seite, von Pensions­kassen und Versi­che­rungen. Weitere von Inves­toren positiv aufge­nommene Themen waren nachhal­tiges Inves­tieren sowie die ESG-Imple­men­tierung durch ETFs, ausserdem Mega­trends, zum Beispiel Digi­tali­sierung und Zukunfts­themen. Schliesslich sollte man auch Sektor- und Faktor-Allo­ka­tionen nicht vergessen, die zu einem durchaus erfolg­reichen Jahr 2019 gehören.

Link: Positiv zu vermerken ist sicher, dass der Anleger mit den klassischen Aktien Nestlé, Novartis und Roche die beste Perfor­mance erzielen konnte. Dazu kamen die hervor­ra­genden Resul­tate der soge­nannten «FANG»-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Die grosse Frage ist nun, wie lange die Über­wertung dieser Aktien gegen­über den «Value-Aktien» anhält. Deren Unter­be­wertung ist so tief wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Es ertönt keine Glocke, wenn es dreht.

Limacher: Als Pionier im Ethik-Bereich erleben wir im Moment sowohl starken Zuspruch seitens des Bank­hauses als auch von unseren lang­jäh­rigen Kunden. Da unsere Umsetzung der ethisch-nachhal­tigen Anlage­philo­sophie durch den «PRIME VALUES Investment-Prozess» (PVIP) nun auch in der Breite besser ankommt, fühlen wir uns vom Markt bestätigt. Der PVIP auf Indi­vidual­mandats­ebene wurde in diesem Jahr noch häufiger nachge­fragt.

Caduff: Wie sieht Ihr Plan für die kommenden Monate aus?

Link: Per 1. Januar 2020 treten die neuen Regu­lierungs­werke FIDLEG und FINIG in Kraft. Obwohl eine drei­jäh­rige Über­gangs­frist besteht, werden die Anfor­de­rungen vor allem für die kleineren externen Vermö­gens­ver­walter enorm. Abgesehen davon, müssen sich alle Vermö­gens­ver­walter bis Mitte nächsten Jahres bei der FINMA melden. Die zusätz­liche Aufsicht kommt erschwerend dazu.

In Ansätzen ist gut zu erkennen, in welche Richtung die Regu­lierung geht: ESG-Risiken rücken weiter in den Fokus. Roman Limacher

Limacher: Eine zentrale Aufgabe wird es sein, unsere deutschen Kollegen in der Unter­nehmens­gruppe bei der Umset­zung des «EU Sustaina­bi­lity Action Plans» zu unter­stützen und die Kunden­nach­frage nach neuen Anlage­lösungen zu begüns­tigen. Gerade über die deutsche Finanz­markt­aufsicht BaFin oder das Regel­werk MiFiD II kommen neue Anfor­de­rungen auf die Finanz­in­dustrie zu. Hier ist vieles noch nicht spruchreif. In Ansätzen ist aber gut zu erkennen, in welche Richtung es geht. Und diese Richtung heisst Nach­hal­tigkeit.

Boitel: So vielfältig dieses Jahr 2019 bislang auch war, werden wir uns auch in Zukunft weiterhin auf eine gut diver­sifi­zierte Produkt­land­schaft fokus­sieren. Wir nennen es 3D für belast­bare Port­folios: «defend, diver­sify and drive». Dazu gehören zum Beispiel Minimum-Vola­ti­lity-Strategien auf der Aktien­seite, Staats­anleihen hoher Qualität oder US-Dollar-Bond- Emis­sionen mit guten Zinser­trägen auf der Obli­gatio­nen­seite. Hier sehen wir mehrere spannende Möglich­keiten, mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Natürlich stehen auch unsere soge­nannten «Core» ETFs weiterhin im Fokus, sowohl bei den grossen Aktien- wie auch Obli­gations­indizes. Da wir uns als Lösungs­anbieter verstehen, stehen auch Themen rund um die Asset Allo­cation sowie Port­folio-Opti­mierung im Fokus.

Riedel: Wie gesagt, werden wir unsere Produkte weiter­ent­wickeln, um die Finanz­insti­tute bei der Bewäl­tigung ihrer Aufgaben und Problem­lösungen auf Grund der FINIG/FIDLEG-Einführung noch stärker unter­stützen zu können (zum Beispiel bei der Daten­integ­ration).

Caduff: Müssen Sie dafür an vielen Stellschrauben drehen?

Boitel: Wir müssen unsere Anstren­gungen weiter hoch­halten, um Inves­toren­wünschen sowie gene­rellen Markt­gege­ben­heiten gerecht zu werden, strategisch wie auch taktisch. Als Lösungs­anbieter zählt für uns insbe­sondere der ständige Dialog mit unseren Inves­toren. Aber wir haben bereits ein sehr attrak­tives Angebot, das wir stets verfeinern, mit Inno­vationen ergänzen und zunehmend auch in einem nachhal­tigen Invest­ment­kontext sehen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Riedel: Nur ein bisschen. theScreener wurde vor 20 Jahren als erstes Fintech-Unter­nehmen der Schweiz gegründet. Unser Erfah­rungs­pool ist deshalb mit zehn Millionen Research­nutzern immens. Die forcierte Weiter­ent­wicklung unserer Produkte ist darum in diesem Jahr etwas mehr als «Business as usual».

Limacher: Im Grunde nicht. Da wir in den letzten 20 Jahren viel Know-how in diesem Gebiet aufgebaut haben, sehen wir dies als «gmahde Wiesn» an, wie mein Münchner Kollege sagen würde. Allerdings erkennen wir auch, dass hier viel Dynamik im Markt ist, weshalb wir uns selbst auch ständig weiter­ent­wickeln - aktuell zum Beispiel mit «Proxy Voting».

Link: Ja, es wird einige Anpassungen geben wie Aktua­li­sierung des Hand­buches, des Orga­nisa­tions­reg­lements und der Arbeits­ver­träge. Dazu kommt die Suche nach einem externen Compliance-Verant­wort­lichen. Die Stell­ver­tretung muss gewähr­leistet sein.

Teilnehmende

Gilles Boitel
Deputy Head Passive Sales Switzerland, Swiss ESG Representative
DWS CH AG
Prime Tower
Hardstrasse 201
8021 Zürich

+41-44-224 79 32
E-Mail
Web

Gilles Boitel ist seit 2015 für die DWS tätig und ist seitens Xtrackers für die Kunden in der Schweiz und aus dem Ausland verant­wortlich. Zudem hat er eine lang­jäh­rige Erfahrung im ESG-Bereich und ist für DWS ESG-Repre­sen­ta­tive für den Schweizer Markt. Zuvor war er bei verschie­denen ETF-Anbietern und Consulting-Unter­nehmen in den Bereichen Sales, Struktu­rierung und Strategie tätig, wie beispiels­weise BlackRock, Invesco und Accenture. Gilles Boitel hat unter anderem einen B.Sc. der UvA, Amsterdam und ist CEESGA zerti­fiziert.

Roman Limacher
Managing Director
Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
Talstrasse 58
8001 Zürich

+41-44-220 11 22
E-Mail
Web

Roman Limacher, CIWM, betreut seit über 15 Jahren den PRIME VALUES Investment-Prozess, der mit eigens entwic­kelter Ethik-Ana­lyse über ESG hinaus­geht und von Hauck & Aufhäuser gruppen­weit über Indi­vidual­man­date, den Robo-Advisor Zeedin und über die tradi­­tions­­reichen PRIME VALUES-Fonds ange­boten wird. Er betreut bei der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG private und insti­­tutio­­nelle Kunden mit Fokus auf ethisch-nach­hal­­tige Geld­­anlagen. Zuvor war Limacher bei EY und bei einer Gesell­schaft der heutigen SIX Group tätig.

Thomas Link
Verwaltungsratspräsident
Lienberger Finanzinvest AG
Riesbachstrasse 57
8008 Zürich

+41-79-401 67 28
E-Mail
Web

Thomas Link ist Partner der Almira Group und Mitglied des Verwal­tungs­rates der Lienberger Finanzinvest AG, Zürich und der Grolimund Finanzinvest AG in Zürich. Bis 2004 war er Mitglied der Direktion bei der Privat­bank Maerki Baumann & Co. AG und verant­wortlich für das Schweizer Geschäft. Zuvor war er Leiter Anlage­ausschuss und Betreuung von Gross­kunden bei der Royal Trust Bank (Schweiz) und in der insti­tutio­nellen Vermö­gens­ver­waltung der ehema­ligen SBG (heute UBS) tätig. Thomas Link studierte National­öko­nomie an der Uni­ver­sität Zürich und besitzt ein Lizentiat in Richtung Betriebs­wirt­schaft.

Andreas Riedel
Leiter Asset Management Solutions
theScreener Investor Services AG
Zugerbergstrasse 12
6300 Zug

+41-41-727 08 84
E-Mail
Web

Andreas Riedel hat nach einer Bank­lehre und einem Wirt­schafts­studium als Aktien­spe­zialist im Investment- und Private Banking während rund 20 Jahren sein Wissen als Führungs­person vertieft. Bei einer auslän­dischen Bank baute er das globale Aktien­research auf und kam so zum ersten Mal mit theScreener in Kontakt. Dort leitet er den Bereich Asset Mana­gement Solutions.

Moderator

Thomas J. Caduff
CEO
Fundplat GmbH
Badenerstrasse 144
8004 Zürich

+41-44-212 77 77
E-Mail
Web

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

Fotos

Fotos: Christian Lanz

Fundspec > Schweiz > 4. «Experten-Roundtable» in Zürich am 03.09.2019

5. «Experten-Roundtable» in Zürich am 05.11.2019

5 RT ZRH

ETFs, Research, Nachhaltigkeit und Regulierung

Caduff: Meine Herren, bald ist das Geschäfts­jahr zu Ende. Hat es Ihnen Freude bereitet?

Boitel: 2019 hat in der Tat einiges mit sich gebracht. Geo­poli­tische wie auch makro­öko­nomische Faktoren haben dafür gesorgt, dass es niemals lang­weilig wurde. Allgemein betrachtet hat dieses Jahr zwei Gesichter gezeigt. Bis inklu­sive April waren vor allem die risiko­reichen Allo­kations­klassen gefragt. Sei es Erdöl, S&P 500, DAX oder Schwellen­länder-Aktien, in allen Segmenten stiegen die Kurse zwei­stellig. Seit Mai kamen die soge­nannten «safe haven»-Anlagen zum Zuge, als Gold und Staat­sanleihen sehr gut abschnitten. Auch die Trends auf der Inves­toren­seite waren in diesem Jahr ausser­gewöhnlich. Anleihen-ETFs hatten hier ganz klar die Ober­hand unter den Asset­klassen, auf der Aktien­seite zeigte sich ein klarer Trend zu US-Titeln.

Die Auslagerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­senkungs­poten­ziale. Andreas Riedel

Riedel: Ja, natürlich. Es war für uns als unab­hän­giger Research- und Daten­an­bieter ein spannendes Jahr. Der Trend zur Digi­tali­sierung bei Finanz­insti­tuten hat sich weiter verstärkt. Die Opti­mierung der Kosten ist in unserer Industrie nach wie vor ein bestim­mendes Thema. Die Ausla­gerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­sen­kungs­poten­ziale. Einzig die Verschiebung der FINIG/FIDLEG-Ein­führung (einheit­licher Research­ansatz/Bezahlen für Research­produkte) hat noch wenig unter­stützend gewirkt - dies sollte dann im nächsten Jahr kommen.

Limacher: Obwohl die Wirtschafts­ent­wicklung im laufenden Jahr meist in Moll-Tonlage verkündet wurde, haben die meisten Aktien­märkte trotzdem zwei­stel­lige Zuwachs­raten gezeigt. Wir konnten bis dato eine ordent­liche Perfor­mance gene­rieren, was unsere Kunden gefreut hat. Wenn unsere Kunden zufrieden sind, dann sind wir es auch!

Link: Teils-teils, einerseits war es möglich, mit wenigen Trans­aktionen in wenigen Titeln eine gute Perfor­mance zu erzielen, ander­seits macht mir die Geld­politik der Noten­banken grosse Sorgen. Zu viel billiges Geld treibt die Schulden in die Höhe. Anscheinend gibt es heute keine Möglich­keit mehr, die Schulden­proble­matik zu lösen.

Caduff: Was waren die grössten Herausforderungen?

Limacher: Für unser Haus, das bereits seit 24 Jahren ethisch-nach­hal­tige Geld­anlagen proklamiert, stellt sich die Heraus­for­derung, dass sich auf einen Schlag alle Finanz­häuser einen grünen Anstrich geben oder als besonders nach­haltig erscheinen möchten. Das führt dazu, dass dieses Thema teil­weise verwässert wird. Die Nutzung verein­zelter ESG-Indi­katoren reicht für eine fundierte Beurteilung nicht aus. Wir stützen bei unserer Analyse zwar auch auf ESG-Indi­katoren ab, die wesent­liche Nach­haltig­keits-Research-Arbeit beginnt aber bei uns erst ab dieser Stufe. Eine wesent­liche Heraus­for­derung ist für uns, wie wir unsere guten Strategien im Getümmel der neuen unzäh­ligen ESG-Fonds sichtbar machen können. Hier bin ich allerdings zuver­sichtlich, dass sich hohe Produkt- und Research-Qualität lang­fristig auszahlen wird.

Die Nachfrage nach alter­na­tiven Anlagen wird weiter steigen. Thomas Link

Link: Wie kann der Anleger in der heutigen Zins­situation mit Nega­tiv­zinsen eine gute Perfor­mance erzielen, ohne das Risiko zu erhöhen. Solange der Risiko­zuschlag auf Aktien im Verhältnis zu Obli­ga­tionen immer noch attrak­tiv ist, wird aber die Rally an den Aktien­märkten weiter­gehen. Zusätz­lich wird die Nach­frage nach alter­na­tiven Anlagen weiter steigen.

Boitel: Die grösste Herausforderung war, dass die Kurs­rally auf der Aktien­seite im ersten Quartal 2019 nicht wirklich von starken Mittel­zu­flüssen begleitet wurde. Mögliche Gründe waren der voran­gegan­gene Markt­einbruch im Dezember 2018, über die Zeit aufge­baute Aktien-Über­gewich­tungen in vielen Port­folios, Sorgen bezüglich der Wirt­schafts­stabi­lität oder der globalen Handels­tarife wie auch eine lähmende Brexit-Diskussion - jeden­falls haben Inves­toren nur zögerlich mit Zuflüssen auf die posi­tive Werte­ent­wicklung reagiert.

Riedel: In diesem Jahr haben wir den Fokus auf die Weiter­ent­wicklung unserer Produkte gelegt. Zum Beispiel soll der Zugang zu unserem Research intui­tiver erfolgen - dies benötigt einen über­durch­schnitt­lichen Zeit- und Inves­titions­aufwand.

Caduff: Und was waren die positiven Höhepunkte?

Riedel: Wir wollen auf Grund der starken Nach­frage nach unseren Research­lösungen und -Produkten in Zukunft noch stärker wachsen, auch global. Wir konnten eine Nieder­lassung in Brasilien eröffnen und werden unseren Vertrieb weltweit weiter ausbauen. Auch das Timing an der Börse war teil­weise schwierig. Zwar war es bisher ein sehr gutes Börsen­jahr, aber die Kurs­ent­wick­lungen auf Monats­basis waren sehr volatil und häufig durch poli­tische Tweets beeinflusst anstatt von Funda­mental­daten getrieben. Unser regel­basierter Ansatz funktio­nierte trotzdem gut: Beispiels­weise das Gold­thema haben wir recht­zeitig, also anfangs Mai, lanciert. Oder betreffend dem Kosten­thema können wir Kunden vorweisen, denen es möglich war, diese zu halbieren und den Output zu verzehn­fachen! Dies hat sich natürlich auch positiv auf deren Erträge ausge­wirkt.

Sektor- und Faktor-Allo­kationen gehören auch zu einem durchaus erfolg­reichen 2019. Gilles Boitel

Boitel: Positive Höhe­punkte gab es viele. Hohe Zuflüsse in US-Aktien kamen der ETF-Industrie generell zu Gute. Zudem wurden ETFs viel­fältig als Grund­lage für taktische Posi­tionen benutzt - nicht nur von Privat­banken­kunden, sondern auch vermehrt auf der insti­tutio­nellen Seite, von Pensions­kassen und Versi­che­rungen. Weitere von Inves­toren positiv aufge­nommene Themen waren nachhal­tiges Inves­tieren sowie die ESG-Imple­men­tierung durch ETFs, ausserdem Mega­trends, zum Beispiel Digi­tali­sierung und Zukunfts­themen. Schliesslich sollte man auch Sektor- und Faktor-Allo­ka­tionen nicht vergessen, die zu einem durchaus erfolg­reichen Jahr 2019 gehören.

Link: Positiv zu vermerken ist sicher, dass der Anleger mit den klassischen Aktien Nestlé, Novartis und Roche die beste Perfor­mance erzielen konnte. Dazu kamen die hervor­ra­genden Resul­tate der soge­nannten «FANG»-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Die grosse Frage ist nun, wie lange die Über­wertung dieser Aktien gegen­über den «Value-Aktien» anhält. Deren Unter­be­wertung ist so tief wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Es ertönt keine Glocke, wenn es dreht.

Limacher: Als Pionier im Ethik-Bereich erleben wir im Moment sowohl starken Zuspruch seitens des Bank­hauses als auch von unseren lang­jäh­rigen Kunden. Da unsere Umsetzung der ethisch-nachhal­tigen Anlage­philo­sophie durch den «PRIME VALUES Investment-Prozess» (PVIP) nun auch in der Breite besser ankommt, fühlen wir uns vom Markt bestätigt. Der PVIP auf Indi­vidual­mandats­ebene wurde in diesem Jahr noch häufiger nachge­fragt.

Caduff: Wie sieht Ihr Plan für die kommenden Monate aus?

Link: Per 1. Januar 2020 treten die neuen Regu­lierungs­werke FIDLEG und FINIG in Kraft. Obwohl eine drei­jäh­rige Über­gangs­frist besteht, werden die Anfor­de­rungen vor allem für die kleineren externen Vermö­gens­ver­walter enorm. Abgesehen davon, müssen sich alle Vermö­gens­ver­walter bis Mitte nächsten Jahres bei der FINMA melden. Die zusätz­liche Aufsicht kommt erschwerend dazu.

In Ansätzen ist gut zu erkennen, in welche Richtung die Regu­lierung geht: ESG-Risiken rücken weiter in den Fokus. Roman Limacher

Limacher: Eine zentrale Aufgabe wird es sein, unsere deutschen Kollegen in der Unter­nehmens­gruppe bei der Umset­zung des «EU Sustaina­bi­lity Action Plans» zu unter­stützen und die Kunden­nach­frage nach neuen Anlage­lösungen zu begüns­tigen. Gerade über die deutsche Finanz­markt­aufsicht BaFin oder das Regel­werk MiFiD II kommen neue Anfor­de­rungen auf die Finanz­in­dustrie zu. Hier ist vieles noch nicht spruchreif. In Ansätzen ist aber gut zu erkennen, in welche Richtung es geht. Und diese Richtung heisst Nach­hal­tigkeit.

Boitel: So vielfältig dieses Jahr 2019 bislang auch war, werden wir uns auch in Zukunft weiterhin auf eine gut diver­sifi­zierte Produkt­land­schaft fokus­sieren. Wir nennen es 3D für belast­bare Port­folios: «defend, diver­sify and drive». Dazu gehören zum Beispiel Minimum-Vola­ti­lity-Strategien auf der Aktien­seite, Staats­anleihen hoher Qualität oder US-Dollar-Bond- Emis­sionen mit guten Zinser­trägen auf der Obli­gatio­nen­seite. Hier sehen wir mehrere spannende Möglich­keiten, mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Natürlich stehen auch unsere soge­nannten «Core» ETFs weiterhin im Fokus, sowohl bei den grossen Aktien- wie auch Obli­gations­indizes. Da wir uns als Lösungs­anbieter verstehen, stehen auch Themen rund um die Asset Allo­cation sowie Port­folio-Opti­mierung im Fokus.

Riedel: Wie gesagt, werden wir unsere Produkte weiter­ent­wickeln, um die Finanz­insti­tute bei der Bewäl­tigung ihrer Aufgaben und Problem­lösungen auf Grund der FINIG/FIDLEG-Einführung noch stärker unter­stützen zu können (zum Beispiel bei der Daten­integ­ration).

Caduff: Müssen Sie dafür an vielen Stellschrauben drehen?

Boitel: Wir müssen unsere Anstren­gungen weiter hoch­halten, um Inves­toren­wünschen sowie gene­rellen Markt­gege­ben­heiten gerecht zu werden, strategisch wie auch taktisch. Als Lösungs­anbieter zählt für uns insbe­sondere der ständige Dialog mit unseren Inves­toren. Aber wir haben bereits ein sehr attrak­tives Angebot, das wir stets verfeinern, mit Inno­vationen ergänzen und zunehmend auch in einem nachhal­tigen Invest­ment­kontext sehen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Riedel: Nur ein bisschen. theScreener wurde vor 20 Jahren als erstes Fintech-Unter­nehmen der Schweiz gegründet. Unser Erfah­rungs­pool ist deshalb mit zehn Millionen Research­nutzern immens. Die forcierte Weiter­ent­wicklung unserer Produkte ist darum in diesem Jahr etwas mehr als «Business as usual».

Limacher: Im Grunde nicht. Da wir in den letzten 20 Jahren viel Know-how in diesem Gebiet aufgebaut haben, sehen wir dies als «gmahde Wiesn» an, wie mein Münchner Kollege sagen würde. Allerdings erkennen wir auch, dass hier viel Dynamik im Markt ist, weshalb wir uns selbst auch ständig weiter­ent­wickeln - aktuell zum Beispiel mit «Proxy Voting».

Link: Ja, es wird einige Anpassungen geben wie Aktua­li­sierung des Hand­buches, des Orga­nisa­tions­reg­lements und der Arbeits­ver­träge. Dazu kommt die Suche nach einem externen Compliance-Verant­wort­lichen. Die Stell­ver­tretung muss gewähr­leistet sein.

Teilnehmende

Gilles Boitel
Deputy Head Passive Sales Switzerland, Swiss ESG Representative
DWS CH AG
Prime Tower
Hardstrasse 201
8021 Zürich

+41-44-224 79 32
E-Mail
Web

Gilles Boitel ist seit 2015 für die DWS tätig und ist seitens Xtrackers für die Kunden in der Schweiz und aus dem Ausland verant­wortlich. Zudem hat er eine lang­jäh­rige Erfahrung im ESG-Bereich und ist für DWS ESG-Repre­sen­ta­tive für den Schweizer Markt. Zuvor war er bei verschie­denen ETF-Anbietern und Consulting-Unter­nehmen in den Bereichen Sales, Struktu­rierung und Strategie tätig, wie beispiels­weise BlackRock, Invesco und Accenture. Gilles Boitel hat unter anderem einen B.Sc. der UvA, Amsterdam und ist CEESGA zerti­fiziert.

Roman Limacher
Managing Director
Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
Talstrasse 58
8001 Zürich

+41-44-220 11 22
E-Mail
Web

Roman Limacher, CIWM, betreut seit über 15 Jahren den PRIME VALUES Investment-Prozess, der mit eigens entwic­kelter Ethik-Ana­lyse über ESG hinaus­geht und von Hauck & Aufhäuser gruppen­weit über Indi­vidual­man­date, den Robo-Advisor Zeedin und über die tradi­­tions­­reichen PRIME VALUES-Fonds ange­boten wird. Er betreut bei der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG private und insti­­tutio­­nelle Kunden mit Fokus auf ethisch-nach­hal­­tige Geld­­anlagen. Zuvor war Limacher bei EY und bei einer Gesell­schaft der heutigen SIX Group tätig.

Thomas Link
Verwaltungsratspräsident
Lienberger Finanzinvest AG
Riesbachstrasse 57
8008 Zürich

+41-79-401 67 28
E-Mail
Web

Thomas Link ist Partner der Almira Group und Mitglied des Verwal­tungs­rates der Lienberger Finanzinvest AG, Zürich und der Grolimund Finanzinvest AG in Zürich. Bis 2004 war er Mitglied der Direktion bei der Privat­bank Maerki Baumann & Co. AG und verant­wortlich für das Schweizer Geschäft. Zuvor war er Leiter Anlage­ausschuss und Betreuung von Gross­kunden bei der Royal Trust Bank (Schweiz) und in der insti­tutio­nellen Vermö­gens­ver­waltung der ehema­ligen SBG (heute UBS) tätig. Thomas Link studierte National­öko­nomie an der Uni­ver­sität Zürich und besitzt ein Lizentiat in Richtung Betriebs­wirt­schaft.

Andreas Riedel
Leiter Asset Management Solutions
theScreener Investor Services AG
Zugerbergstrasse 12
6300 Zug

+41-41-727 08 84
E-Mail
Web

Andreas Riedel hat nach einer Bank­lehre und einem Wirt­schafts­studium als Aktien­spe­zialist im Investment- und Private Banking während rund 20 Jahren sein Wissen als Führungs­person vertieft. Bei einer auslän­dischen Bank baute er das globale Aktien­research auf und kam so zum ersten Mal mit theScreener in Kontakt. Dort leitet er den Bereich Asset Mana­gement Solutions.

Moderator

Thomas J. Caduff
CEO
Fundplat GmbH
Badenerstrasse 144
8004 Zürich

+41-44-212 77 77
E-Mail
Web

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

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5. «Experten-Roundtable» in Zürich am 05.11.2019

5 RT ZRH

ETFs, Research, Nachhaltigkeit und Regulierung

Caduff: Meine Herren, bald ist das Geschäfts­jahr zu Ende. Hat es Ihnen Freude bereitet?

Boitel: 2019 hat in der Tat einiges mit sich gebracht. Geo­poli­tische wie auch makro­öko­nomische Faktoren haben dafür gesorgt, dass es niemals lang­weilig wurde. Allgemein betrachtet hat dieses Jahr zwei Gesichter gezeigt. Bis inklu­sive April waren vor allem die risiko­reichen Allo­kations­klassen gefragt. Sei es Erdöl, S&P 500, DAX oder Schwellen­länder-Aktien, in allen Segmenten stiegen die Kurse zwei­stellig. Seit Mai kamen die soge­nannten «safe haven»-Anlagen zum Zuge, als Gold und Staat­sanleihen sehr gut abschnitten. Auch die Trends auf der Inves­toren­seite waren in diesem Jahr ausser­gewöhnlich. Anleihen-ETFs hatten hier ganz klar die Ober­hand unter den Asset­klassen, auf der Aktien­seite zeigte sich ein klarer Trend zu US-Titeln.

Die Auslagerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­senkungs­poten­ziale. Andreas Riedel

Riedel: Ja, natürlich. Es war für uns als unab­hän­giger Research- und Daten­an­bieter ein spannendes Jahr. Der Trend zur Digi­tali­sierung bei Finanz­insti­tuten hat sich weiter verstärkt. Die Opti­mierung der Kosten ist in unserer Industrie nach wie vor ein bestim­mendes Thema. Die Ausla­gerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­sen­kungs­poten­ziale. Einzig die Verschiebung der FINIG/FIDLEG-Ein­führung (einheit­licher Research­ansatz/Bezahlen für Research­produkte) hat noch wenig unter­stützend gewirkt - dies sollte dann im nächsten Jahr kommen.

Limacher: Obwohl die Wirtschafts­ent­wicklung im laufenden Jahr meist in Moll-Tonlage verkündet wurde, haben die meisten Aktien­märkte trotzdem zwei­stel­lige Zuwachs­raten gezeigt. Wir konnten bis dato eine ordent­liche Perfor­mance gene­rieren, was unsere Kunden gefreut hat. Wenn unsere Kunden zufrieden sind, dann sind wir es auch!

Link: Teils-teils, einerseits war es möglich, mit wenigen Trans­aktionen in wenigen Titeln eine gute Perfor­mance zu erzielen, ander­seits macht mir die Geld­politik der Noten­banken grosse Sorgen. Zu viel billiges Geld treibt die Schulden in die Höhe. Anscheinend gibt es heute keine Möglich­keit mehr, die Schulden­proble­matik zu lösen.

Caduff: Was waren die grössten Herausforderungen?

Limacher: Für unser Haus, das bereits seit 24 Jahren ethisch-nach­hal­tige Geld­anlagen proklamiert, stellt sich die Heraus­for­derung, dass sich auf einen Schlag alle Finanz­häuser einen grünen Anstrich geben oder als besonders nach­haltig erscheinen möchten. Das führt dazu, dass dieses Thema teil­weise verwässert wird. Die Nutzung verein­zelter ESG-Indi­katoren reicht für eine fundierte Beurteilung nicht aus. Wir stützen bei unserer Analyse zwar auch auf ESG-Indi­katoren ab, die wesent­liche Nach­haltig­keits-Research-Arbeit beginnt aber bei uns erst ab dieser Stufe. Eine wesent­liche Heraus­for­derung ist für uns, wie wir unsere guten Strategien im Getümmel der neuen unzäh­ligen ESG-Fonds sichtbar machen können. Hier bin ich allerdings zuver­sichtlich, dass sich hohe Produkt- und Research-Qualität lang­fristig auszahlen wird.

Die Nachfrage nach alter­na­tiven Anlagen wird weiter steigen. Thomas Link

Link: Wie kann der Anleger in der heutigen Zins­situation mit Nega­tiv­zinsen eine gute Perfor­mance erzielen, ohne das Risiko zu erhöhen. Solange der Risiko­zuschlag auf Aktien im Verhältnis zu Obli­ga­tionen immer noch attrak­tiv ist, wird aber die Rally an den Aktien­märkten weiter­gehen. Zusätz­lich wird die Nach­frage nach alter­na­tiven Anlagen weiter steigen.

Boitel: Die grösste Herausforderung war, dass die Kurs­rally auf der Aktien­seite im ersten Quartal 2019 nicht wirklich von starken Mittel­zu­flüssen begleitet wurde. Mögliche Gründe waren der voran­gegan­gene Markt­einbruch im Dezember 2018, über die Zeit aufge­baute Aktien-Über­gewich­tungen in vielen Port­folios, Sorgen bezüglich der Wirt­schafts­stabi­lität oder der globalen Handels­tarife wie auch eine lähmende Brexit-Diskussion - jeden­falls haben Inves­toren nur zögerlich mit Zuflüssen auf die posi­tive Werte­ent­wicklung reagiert.

Riedel: In diesem Jahr haben wir den Fokus auf die Weiter­ent­wicklung unserer Produkte gelegt. Zum Beispiel soll der Zugang zu unserem Research intui­tiver erfolgen - dies benötigt einen über­durch­schnitt­lichen Zeit- und Inves­titions­aufwand.

Caduff: Und was waren die positiven Höhepunkte?

Riedel: Wir wollen auf Grund der starken Nach­frage nach unseren Research­lösungen und -Produkten in Zukunft noch stärker wachsen, auch global. Wir konnten eine Nieder­lassung in Brasilien eröffnen und werden unseren Vertrieb weltweit weiter ausbauen. Auch das Timing an der Börse war teil­weise schwierig. Zwar war es bisher ein sehr gutes Börsen­jahr, aber die Kurs­ent­wick­lungen auf Monats­basis waren sehr volatil und häufig durch poli­tische Tweets beeinflusst anstatt von Funda­mental­daten getrieben. Unser regel­basierter Ansatz funktio­nierte trotzdem gut: Beispiels­weise das Gold­thema haben wir recht­zeitig, also anfangs Mai, lanciert. Oder betreffend dem Kosten­thema können wir Kunden vorweisen, denen es möglich war, diese zu halbieren und den Output zu verzehn­fachen! Dies hat sich natürlich auch positiv auf deren Erträge ausge­wirkt.

Sektor- und Faktor-Allo­kationen gehören auch zu einem durchaus erfolg­reichen 2019. Gilles Boitel

Boitel: Positive Höhe­punkte gab es viele. Hohe Zuflüsse in US-Aktien kamen der ETF-Industrie generell zu Gute. Zudem wurden ETFs viel­fältig als Grund­lage für taktische Posi­tionen benutzt - nicht nur von Privat­banken­kunden, sondern auch vermehrt auf der insti­tutio­nellen Seite, von Pensions­kassen und Versi­che­rungen. Weitere von Inves­toren positiv aufge­nommene Themen waren nachhal­tiges Inves­tieren sowie die ESG-Imple­men­tierung durch ETFs, ausserdem Mega­trends, zum Beispiel Digi­tali­sierung und Zukunfts­themen. Schliesslich sollte man auch Sektor- und Faktor-Allo­ka­tionen nicht vergessen, die zu einem durchaus erfolg­reichen Jahr 2019 gehören.

Link: Positiv zu vermerken ist sicher, dass der Anleger mit den klassischen Aktien Nestlé, Novartis und Roche die beste Perfor­mance erzielen konnte. Dazu kamen die hervor­ra­genden Resul­tate der soge­nannten «FANG»-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Die grosse Frage ist nun, wie lange die Über­wertung dieser Aktien gegen­über den «Value-Aktien» anhält. Deren Unter­be­wertung ist so tief wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Es ertönt keine Glocke, wenn es dreht.

Limacher: Als Pionier im Ethik-Bereich erleben wir im Moment sowohl starken Zuspruch seitens des Bank­hauses als auch von unseren lang­jäh­rigen Kunden. Da unsere Umsetzung der ethisch-nachhal­tigen Anlage­philo­sophie durch den «PRIME VALUES Investment-Prozess» (PVIP) nun auch in der Breite besser ankommt, fühlen wir uns vom Markt bestätigt. Der PVIP auf Indi­vidual­mandats­ebene wurde in diesem Jahr noch häufiger nachge­fragt.

Caduff: Wie sieht Ihr Plan für die kommenden Monate aus?

Link: Per 1. Januar 2020 treten die neuen Regu­lierungs­werke FIDLEG und FINIG in Kraft. Obwohl eine drei­jäh­rige Über­gangs­frist besteht, werden die Anfor­de­rungen vor allem für die kleineren externen Vermö­gens­ver­walter enorm. Abgesehen davon, müssen sich alle Vermö­gens­ver­walter bis Mitte nächsten Jahres bei der FINMA melden. Die zusätz­liche Aufsicht kommt erschwerend dazu.

In Ansätzen ist gut zu erkennen, in welche Richtung die Regu­lierung geht: ESG-Risiken rücken weiter in den Fokus. Roman Limacher

Limacher: Eine zentrale Aufgabe wird es sein, unsere deutschen Kollegen in der Unter­nehmens­gruppe bei der Umset­zung des «EU Sustaina­bi­lity Action Plans» zu unter­stützen und die Kunden­nach­frage nach neuen Anlage­lösungen zu begüns­tigen. Gerade über die deutsche Finanz­markt­aufsicht BaFin oder das Regel­werk MiFiD II kommen neue Anfor­de­rungen auf die Finanz­in­dustrie zu. Hier ist vieles noch nicht spruchreif. In Ansätzen ist aber gut zu erkennen, in welche Richtung es geht. Und diese Richtung heisst Nach­hal­tigkeit.

Boitel: So vielfältig dieses Jahr 2019 bislang auch war, werden wir uns auch in Zukunft weiterhin auf eine gut diver­sifi­zierte Produkt­land­schaft fokus­sieren. Wir nennen es 3D für belast­bare Port­folios: «defend, diver­sify and drive». Dazu gehören zum Beispiel Minimum-Vola­ti­lity-Strategien auf der Aktien­seite, Staats­anleihen hoher Qualität oder US-Dollar-Bond- Emis­sionen mit guten Zinser­trägen auf der Obli­gatio­nen­seite. Hier sehen wir mehrere spannende Möglich­keiten, mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Natürlich stehen auch unsere soge­nannten «Core» ETFs weiterhin im Fokus, sowohl bei den grossen Aktien- wie auch Obli­gations­indizes. Da wir uns als Lösungs­anbieter verstehen, stehen auch Themen rund um die Asset Allo­cation sowie Port­folio-Opti­mierung im Fokus.

Riedel: Wie gesagt, werden wir unsere Produkte weiter­ent­wickeln, um die Finanz­insti­tute bei der Bewäl­tigung ihrer Aufgaben und Problem­lösungen auf Grund der FINIG/FIDLEG-Einführung noch stärker unter­stützen zu können (zum Beispiel bei der Daten­integ­ration).

Caduff: Müssen Sie dafür an vielen Stellschrauben drehen?

Boitel: Wir müssen unsere Anstren­gungen weiter hoch­halten, um Inves­toren­wünschen sowie gene­rellen Markt­gege­ben­heiten gerecht zu werden, strategisch wie auch taktisch. Als Lösungs­anbieter zählt für uns insbe­sondere der ständige Dialog mit unseren Inves­toren. Aber wir haben bereits ein sehr attrak­tives Angebot, das wir stets verfeinern, mit Inno­vationen ergänzen und zunehmend auch in einem nachhal­tigen Invest­ment­kontext sehen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Riedel: Nur ein bisschen. theScreener wurde vor 20 Jahren als erstes Fintech-Unter­nehmen der Schweiz gegründet. Unser Erfah­rungs­pool ist deshalb mit zehn Millionen Research­nutzern immens. Die forcierte Weiter­ent­wicklung unserer Produkte ist darum in diesem Jahr etwas mehr als «Business as usual».

Limacher: Im Grunde nicht. Da wir in den letzten 20 Jahren viel Know-how in diesem Gebiet aufgebaut haben, sehen wir dies als «gmahde Wiesn» an, wie mein Münchner Kollege sagen würde. Allerdings erkennen wir auch, dass hier viel Dynamik im Markt ist, weshalb wir uns selbst auch ständig weiter­ent­wickeln - aktuell zum Beispiel mit «Proxy Voting».

Link: Ja, es wird einige Anpassungen geben wie Aktua­li­sierung des Hand­buches, des Orga­nisa­tions­reg­lements und der Arbeits­ver­träge. Dazu kommt die Suche nach einem externen Compliance-Verant­wort­lichen. Die Stell­ver­tretung muss gewähr­leistet sein.

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Gilles Boitel
Deputy Head Passive Sales Switzerland, Swiss ESG Representative
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+41-44-224 79 32
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Gilles Boitel ist seit 2015 für die DWS tätig und ist seitens Xtrackers für die Kunden in der Schweiz und aus dem Ausland verant­wortlich. Zudem hat er eine lang­jäh­rige Erfahrung im ESG-Bereich und ist für DWS ESG-Repre­sen­ta­tive für den Schweizer Markt. Zuvor war er bei verschie­denen ETF-Anbietern und Consulting-Unter­nehmen in den Bereichen Sales, Struktu­rierung und Strategie tätig, wie beispiels­weise BlackRock, Invesco und Accenture. Gilles Boitel hat unter anderem einen B.Sc. der UvA, Amsterdam und ist CEESGA zerti­fiziert.

Roman Limacher
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Roman Limacher, CIWM, betreut seit über 15 Jahren den PRIME VALUES Investment-Prozess, der mit eigens entwic­kelter Ethik-Ana­lyse über ESG hinaus­geht und von Hauck & Aufhäuser gruppen­weit über Indi­vidual­man­date, den Robo-Advisor Zeedin und über die tradi­­tions­­reichen PRIME VALUES-Fonds ange­boten wird. Er betreut bei der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG private und insti­­tutio­­nelle Kunden mit Fokus auf ethisch-nach­hal­­tige Geld­­anlagen. Zuvor war Limacher bei EY und bei einer Gesell­schaft der heutigen SIX Group tätig.

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Thomas Link ist Partner der Almira Group und Mitglied des Verwal­tungs­rates der Lienberger Finanzinvest AG, Zürich und der Grolimund Finanzinvest AG in Zürich. Bis 2004 war er Mitglied der Direktion bei der Privat­bank Maerki Baumann & Co. AG und verant­wortlich für das Schweizer Geschäft. Zuvor war er Leiter Anlage­ausschuss und Betreuung von Gross­kunden bei der Royal Trust Bank (Schweiz) und in der insti­tutio­nellen Vermö­gens­ver­waltung der ehema­ligen SBG (heute UBS) tätig. Thomas Link studierte National­öko­nomie an der Uni­ver­sität Zürich und besitzt ein Lizentiat in Richtung Betriebs­wirt­schaft.

Andreas Riedel
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Andreas Riedel hat nach einer Bank­lehre und einem Wirt­schafts­studium als Aktien­spe­zialist im Investment- und Private Banking während rund 20 Jahren sein Wissen als Führungs­person vertieft. Bei einer auslän­dischen Bank baute er das globale Aktien­research auf und kam so zum ersten Mal mit theScreener in Kontakt. Dort leitet er den Bereich Asset Mana­gement Solutions.

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Thomas J. Caduff
CEO
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Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

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Lunches 2019 / 2020

21. Januar 2020

19. «Experten-Lunch» in Frankfurt


21. Januar 2020

5. «Experten-Roundtable» in Frankfurt


11. Februar 2020

6. «Experten-Roundtable» in Zürich


3. März 2020

4. «Experten-Lunch» in Wien


7. April 2020

3. «Experten-Lunch» in Genf


12. Mai 2020

3. «Experten-Lunch» in Berlin


9. Juni 2020

29. «Experten-Lunch» in Zürich


9. Juni 2020

7. «Experten-Roundtable» in Zürich


1. September 2020

8. «Experten-Roundtable» in Zürich


8. September 2020

10. «Experten-Lunch» in Hamburg


6. Oktober 2020

2. «Experten-Lunch» in Lugano


3. November 2020

9. «Experten-Roundtable» in Zürich


24. November 2020

12. «Experten-Lunch» in München


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ETFs, Research, Nachhaltigkeit und Regulierung

Caduff: Meine Herren, bald ist das Geschäfts­jahr zu Ende. Hat es Ihnen Freude bereitet?

Boitel: 2019 hat in der Tat einiges mit sich gebracht. Geo­poli­tische wie auch makro­öko­nomische Faktoren haben dafür gesorgt, dass es niemals lang­weilig wurde. Allgemein betrachtet hat dieses Jahr zwei Gesichter gezeigt. Bis inklu­sive April waren vor allem die risiko­reichen Allo­kations­klassen gefragt. Sei es Erdöl, S&P 500, DAX oder Schwellen­länder-Aktien, in allen Segmenten stiegen die Kurse zwei­stellig. Seit Mai kamen die soge­nannten «safe haven»-Anlagen zum Zuge, als Gold und Staat­sanleihen sehr gut abschnitten. Auch die Trends auf der Inves­toren­seite waren in diesem Jahr ausser­gewöhnlich. Anleihen-ETFs hatten hier ganz klar die Ober­hand unter den Asset­klassen, auf der Aktien­seite zeigte sich ein klarer Trend zu US-Titeln.

Die Auslagerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­senkungs­poten­ziale. Andreas Riedel

Riedel: Ja, natürlich. Es war für uns als unab­hän­giger Research- und Daten­an­bieter ein spannendes Jahr. Der Trend zur Digi­tali­sierung bei Finanz­insti­tuten hat sich weiter verstärkt. Die Opti­mierung der Kosten ist in unserer Industrie nach wie vor ein bestim­mendes Thema. Die Ausla­gerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­sen­kungs­poten­ziale. Einzig die Verschiebung der FINIG/FIDLEG-Ein­führung (einheit­licher Research­ansatz/Bezahlen für Research­produkte) hat noch wenig unter­stützend gewirkt - dies sollte dann im nächsten Jahr kommen.

Limacher: Obwohl die Wirtschafts­ent­wicklung im laufenden Jahr meist in Moll-Tonlage verkündet wurde, haben die meisten Aktien­märkte trotzdem zwei­stel­lige Zuwachs­raten gezeigt. Wir konnten bis dato eine ordent­liche Perfor­mance gene­rieren, was unsere Kunden gefreut hat. Wenn unsere Kunden zufrieden sind, dann sind wir es auch!

Link: Teils-teils, einerseits war es möglich, mit wenigen Trans­aktionen in wenigen Titeln eine gute Perfor­mance zu erzielen, ander­seits macht mir die Geld­politik der Noten­banken grosse Sorgen. Zu viel billiges Geld treibt die Schulden in die Höhe. Anscheinend gibt es heute keine Möglich­keit mehr, die Schulden­proble­matik zu lösen.

Caduff: Was waren die grössten Herausforderungen?

Limacher: Für unser Haus, das bereits seit 24 Jahren ethisch-nach­hal­tige Geld­anlagen proklamiert, stellt sich die Heraus­for­derung, dass sich auf einen Schlag alle Finanz­häuser einen grünen Anstrich geben oder als besonders nach­haltig erscheinen möchten. Das führt dazu, dass dieses Thema teil­weise verwässert wird. Die Nutzung verein­zelter ESG-Indi­katoren reicht für eine fundierte Beurteilung nicht aus. Wir stützen bei unserer Analyse zwar auch auf ESG-Indi­katoren ab, die wesent­liche Nach­haltig­keits-Research-Arbeit beginnt aber bei uns erst ab dieser Stufe. Eine wesent­liche Heraus­for­derung ist für uns, wie wir unsere guten Strategien im Getümmel der neuen unzäh­ligen ESG-Fonds sichtbar machen können. Hier bin ich allerdings zuver­sichtlich, dass sich hohe Produkt- und Research-Qualität lang­fristig auszahlen wird.

Die Nachfrage nach alter­na­tiven Anlagen wird weiter steigen. Thomas Link

Link: Wie kann der Anleger in der heutigen Zins­situation mit Nega­tiv­zinsen eine gute Perfor­mance erzielen, ohne das Risiko zu erhöhen. Solange der Risiko­zuschlag auf Aktien im Verhältnis zu Obli­ga­tionen immer noch attrak­tiv ist, wird aber die Rally an den Aktien­märkten weiter­gehen. Zusätz­lich wird die Nach­frage nach alter­na­tiven Anlagen weiter steigen.

Boitel: Die grösste Herausforderung war, dass die Kurs­rally auf der Aktien­seite im ersten Quartal 2019 nicht wirklich von starken Mittel­zu­flüssen begleitet wurde. Mögliche Gründe waren der voran­gegan­gene Markt­einbruch im Dezember 2018, über die Zeit aufge­baute Aktien-Über­gewich­tungen in vielen Port­folios, Sorgen bezüglich der Wirt­schafts­stabi­lität oder der globalen Handels­tarife wie auch eine lähmende Brexit-Diskussion - jeden­falls haben Inves­toren nur zögerlich mit Zuflüssen auf die posi­tive Werte­ent­wicklung reagiert.

Riedel: In diesem Jahr haben wir den Fokus auf die Weiter­ent­wicklung unserer Produkte gelegt. Zum Beispiel soll der Zugang zu unserem Research intui­tiver erfolgen - dies benötigt einen über­durch­schnitt­lichen Zeit- und Inves­titions­aufwand.

Caduff: Und was waren die positiven Höhepunkte?

Riedel: Wir wollen auf Grund der starken Nach­frage nach unseren Research­lösungen und -Produkten in Zukunft noch stärker wachsen, auch global. Wir konnten eine Nieder­lassung in Brasilien eröffnen und werden unseren Vertrieb weltweit weiter ausbauen. Auch das Timing an der Börse war teil­weise schwierig. Zwar war es bisher ein sehr gutes Börsen­jahr, aber die Kurs­ent­wick­lungen auf Monats­basis waren sehr volatil und häufig durch poli­tische Tweets beeinflusst anstatt von Funda­mental­daten getrieben. Unser regel­basierter Ansatz funktio­nierte trotzdem gut: Beispiels­weise das Gold­thema haben wir recht­zeitig, also anfangs Mai, lanciert. Oder betreffend dem Kosten­thema können wir Kunden vorweisen, denen es möglich war, diese zu halbieren und den Output zu verzehn­fachen! Dies hat sich natürlich auch positiv auf deren Erträge ausge­wirkt.

Sektor- und Faktor-Allo­kationen gehören auch zu einem durchaus erfolg­reichen 2019. Gilles Boitel

Boitel: Positive Höhe­punkte gab es viele. Hohe Zuflüsse in US-Aktien kamen der ETF-Industrie generell zu Gute. Zudem wurden ETFs viel­fältig als Grund­lage für taktische Posi­tionen benutzt - nicht nur von Privat­banken­kunden, sondern auch vermehrt auf der insti­tutio­nellen Seite, von Pensions­kassen und Versi­che­rungen. Weitere von Inves­toren positiv aufge­nommene Themen waren nachhal­tiges Inves­tieren sowie die ESG-Imple­men­tierung durch ETFs, ausserdem Mega­trends, zum Beispiel Digi­tali­sierung und Zukunfts­themen. Schliesslich sollte man auch Sektor- und Faktor-Allo­ka­tionen nicht vergessen, die zu einem durchaus erfolg­reichen Jahr 2019 gehören.

Link: Positiv zu vermerken ist sicher, dass der Anleger mit den klassischen Aktien Nestlé, Novartis und Roche die beste Perfor­mance erzielen konnte. Dazu kamen die hervor­ra­genden Resul­tate der soge­nannten «FANG»-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Die grosse Frage ist nun, wie lange die Über­wertung dieser Aktien gegen­über den «Value-Aktien» anhält. Deren Unter­be­wertung ist so tief wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Es ertönt keine Glocke, wenn es dreht.

Limacher: Als Pionier im Ethik-Bereich erleben wir im Moment sowohl starken Zuspruch seitens des Bank­hauses als auch von unseren lang­jäh­rigen Kunden. Da unsere Umsetzung der ethisch-nachhal­tigen Anlage­philo­sophie durch den «PRIME VALUES Investment-Prozess» (PVIP) nun auch in der Breite besser ankommt, fühlen wir uns vom Markt bestätigt. Der PVIP auf Indi­vidual­mandats­ebene wurde in diesem Jahr noch häufiger nachge­fragt.

Caduff: Wie sieht Ihr Plan für die kommenden Monate aus?

Link: Per 1. Januar 2020 treten die neuen Regu­lierungs­werke FIDLEG und FINIG in Kraft. Obwohl eine drei­jäh­rige Über­gangs­frist besteht, werden die Anfor­de­rungen vor allem für die kleineren externen Vermö­gens­ver­walter enorm. Abgesehen davon, müssen sich alle Vermö­gens­ver­walter bis Mitte nächsten Jahres bei der FINMA melden. Die zusätz­liche Aufsicht kommt erschwerend dazu.

In Ansätzen ist gut zu erkennen, in welche Richtung die Regu­lierung geht: ESG-Risiken rücken weiter in den Fokus. Roman Limacher

Limacher: Eine zentrale Aufgabe wird es sein, unsere deutschen Kollegen in der Unter­nehmens­gruppe bei der Umset­zung des «EU Sustaina­bi­lity Action Plans» zu unter­stützen und die Kunden­nach­frage nach neuen Anlage­lösungen zu begüns­tigen. Gerade über die deutsche Finanz­markt­aufsicht BaFin oder das Regel­werk MiFiD II kommen neue Anfor­de­rungen auf die Finanz­in­dustrie zu. Hier ist vieles noch nicht spruchreif. In Ansätzen ist aber gut zu erkennen, in welche Richtung es geht. Und diese Richtung heisst Nach­hal­tigkeit.

Boitel: So vielfältig dieses Jahr 2019 bislang auch war, werden wir uns auch in Zukunft weiterhin auf eine gut diver­sifi­zierte Produkt­land­schaft fokus­sieren. Wir nennen es 3D für belast­bare Port­folios: «defend, diver­sify and drive». Dazu gehören zum Beispiel Minimum-Vola­ti­lity-Strategien auf der Aktien­seite, Staats­anleihen hoher Qualität oder US-Dollar-Bond- Emis­sionen mit guten Zinser­trägen auf der Obli­gatio­nen­seite. Hier sehen wir mehrere spannende Möglich­keiten, mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Natürlich stehen auch unsere soge­nannten «Core» ETFs weiterhin im Fokus, sowohl bei den grossen Aktien- wie auch Obli­gations­indizes. Da wir uns als Lösungs­anbieter verstehen, stehen auch Themen rund um die Asset Allo­cation sowie Port­folio-Opti­mierung im Fokus.

Riedel: Wie gesagt, werden wir unsere Produkte weiter­ent­wickeln, um die Finanz­insti­tute bei der Bewäl­tigung ihrer Aufgaben und Problem­lösungen auf Grund der FINIG/FIDLEG-Einführung noch stärker unter­stützen zu können (zum Beispiel bei der Daten­integ­ration).

Caduff: Müssen Sie dafür an vielen Stellschrauben drehen?

Boitel: Wir müssen unsere Anstren­gungen weiter hoch­halten, um Inves­toren­wünschen sowie gene­rellen Markt­gege­ben­heiten gerecht zu werden, strategisch wie auch taktisch. Als Lösungs­anbieter zählt für uns insbe­sondere der ständige Dialog mit unseren Inves­toren. Aber wir haben bereits ein sehr attrak­tives Angebot, das wir stets verfeinern, mit Inno­vationen ergänzen und zunehmend auch in einem nachhal­tigen Invest­ment­kontext sehen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Riedel: Nur ein bisschen. theScreener wurde vor 20 Jahren als erstes Fintech-Unter­nehmen der Schweiz gegründet. Unser Erfah­rungs­pool ist deshalb mit zehn Millionen Research­nutzern immens. Die forcierte Weiter­ent­wicklung unserer Produkte ist darum in diesem Jahr etwas mehr als «Business as usual».

Limacher: Im Grunde nicht. Da wir in den letzten 20 Jahren viel Know-how in diesem Gebiet aufgebaut haben, sehen wir dies als «gmahde Wiesn» an, wie mein Münchner Kollege sagen würde. Allerdings erkennen wir auch, dass hier viel Dynamik im Markt ist, weshalb wir uns selbst auch ständig weiter­ent­wickeln - aktuell zum Beispiel mit «Proxy Voting».

Link: Ja, es wird einige Anpassungen geben wie Aktua­li­sierung des Hand­buches, des Orga­nisa­tions­reg­lements und der Arbeits­ver­träge. Dazu kommt die Suche nach einem externen Compliance-Verant­wort­lichen. Die Stell­ver­tretung muss gewähr­leistet sein.

Teilnehmende

Gilles Boitel
Deputy Head Passive Sales Switzerland, Swiss ESG Representative
DWS CH AG
Prime Tower
Hardstrasse 201
8021 Zürich

+41-44-224 79 32
E-Mail
Web

Gilles Boitel ist seit 2015 für die DWS tätig und ist seitens Xtrackers für die Kunden in der Schweiz und aus dem Ausland verant­wortlich. Zudem hat er eine lang­jäh­rige Erfahrung im ESG-Bereich und ist für DWS ESG-Repre­sen­ta­tive für den Schweizer Markt. Zuvor war er bei verschie­denen ETF-Anbietern und Consulting-Unter­nehmen in den Bereichen Sales, Struktu­rierung und Strategie tätig, wie beispiels­weise BlackRock, Invesco und Accenture. Gilles Boitel hat unter anderem einen B.Sc. der UvA, Amsterdam und ist CEESGA zerti­fiziert.

Roman Limacher
Managing Director
Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
Talstrasse 58
8001 Zürich

+41-44-220 11 22
E-Mail
Web

Roman Limacher, CIWM, betreut seit über 15 Jahren den PRIME VALUES Investment-Prozess, der mit eigens entwic­kelter Ethik-Ana­lyse über ESG hinaus­geht und von Hauck & Aufhäuser gruppen­weit über Indi­vidual­man­date, den Robo-Advisor Zeedin und über die tradi­­tions­­reichen PRIME VALUES-Fonds ange­boten wird. Er betreut bei der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG private und insti­­tutio­­nelle Kunden mit Fokus auf ethisch-nach­hal­­tige Geld­­anlagen. Zuvor war Limacher bei EY und bei einer Gesell­schaft der heutigen SIX Group tätig.

Thomas Link
Verwaltungsratspräsident
Lienberger Finanzinvest AG
Riesbachstrasse 57
8008 Zürich

+41-79-401 67 28
E-Mail
Web

Thomas Link ist Partner der Almira Group und Mitglied des Verwal­tungs­rates der Lienberger Finanzinvest AG, Zürich und der Grolimund Finanzinvest AG in Zürich. Bis 2004 war er Mitglied der Direktion bei der Privat­bank Maerki Baumann & Co. AG und verant­wortlich für das Schweizer Geschäft. Zuvor war er Leiter Anlage­ausschuss und Betreuung von Gross­kunden bei der Royal Trust Bank (Schweiz) und in der insti­tutio­nellen Vermö­gens­ver­waltung der ehema­ligen SBG (heute UBS) tätig. Thomas Link studierte National­öko­nomie an der Uni­ver­sität Zürich und besitzt ein Lizentiat in Richtung Betriebs­wirt­schaft.

Andreas Riedel
Leiter Asset Management Solutions
theScreener Investor Services AG
Zugerbergstrasse 12
6300 Zug

+41-41-727 08 84
E-Mail
Web

Andreas Riedel hat nach einer Bank­lehre und einem Wirt­schafts­studium als Aktien­spe­zialist im Investment- und Private Banking während rund 20 Jahren sein Wissen als Führungs­person vertieft. Bei einer auslän­dischen Bank baute er das globale Aktien­research auf und kam so zum ersten Mal mit theScreener in Kontakt. Dort leitet er den Bereich Asset Mana­gement Solutions.

Moderator

Thomas J. Caduff
CEO
Fundplat GmbH
Badenerstrasse 144
8004 Zürich

+41-44-212 77 77
E-Mail
Web

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

Fotos

Fotos: Christian Lanz

Fundspec > Luxemburg >
Alle Länder

Hier sehen Sie unsere Angebote für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

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5. «Experten-Roundtable» in Zürich am 05.11.2019

5 RT ZRH

ETFs, Research, Nachhaltigkeit und Regulierung

Caduff: Meine Herren, bald ist das Geschäfts­jahr zu Ende. Hat es Ihnen Freude bereitet?

Boitel: 2019 hat in der Tat einiges mit sich gebracht. Geo­poli­tische wie auch makro­öko­nomische Faktoren haben dafür gesorgt, dass es niemals lang­weilig wurde. Allgemein betrachtet hat dieses Jahr zwei Gesichter gezeigt. Bis inklu­sive April waren vor allem die risiko­reichen Allo­kations­klassen gefragt. Sei es Erdöl, S&P 500, DAX oder Schwellen­länder-Aktien, in allen Segmenten stiegen die Kurse zwei­stellig. Seit Mai kamen die soge­nannten «safe haven»-Anlagen zum Zuge, als Gold und Staat­sanleihen sehr gut abschnitten. Auch die Trends auf der Inves­toren­seite waren in diesem Jahr ausser­gewöhnlich. Anleihen-ETFs hatten hier ganz klar die Ober­hand unter den Asset­klassen, auf der Aktien­seite zeigte sich ein klarer Trend zu US-Titeln.

Die Auslagerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­senkungs­poten­ziale. Andreas Riedel

Riedel: Ja, natürlich. Es war für uns als unab­hän­giger Research- und Daten­an­bieter ein spannendes Jahr. Der Trend zur Digi­tali­sierung bei Finanz­insti­tuten hat sich weiter verstärkt. Die Opti­mierung der Kosten ist in unserer Industrie nach wie vor ein bestim­mendes Thema. Die Ausla­gerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­sen­kungs­poten­ziale. Einzig die Verschiebung der FINIG/FIDLEG-Ein­führung (einheit­licher Research­ansatz/Bezahlen für Research­produkte) hat noch wenig unter­stützend gewirkt - dies sollte dann im nächsten Jahr kommen.

Limacher: Obwohl die Wirtschafts­ent­wicklung im laufenden Jahr meist in Moll-Tonlage verkündet wurde, haben die meisten Aktien­märkte trotzdem zwei­stel­lige Zuwachs­raten gezeigt. Wir konnten bis dato eine ordent­liche Perfor­mance gene­rieren, was unsere Kunden gefreut hat. Wenn unsere Kunden zufrieden sind, dann sind wir es auch!

Link: Teils-teils, einerseits war es möglich, mit wenigen Trans­aktionen in wenigen Titeln eine gute Perfor­mance zu erzielen, ander­seits macht mir die Geld­politik der Noten­banken grosse Sorgen. Zu viel billiges Geld treibt die Schulden in die Höhe. Anscheinend gibt es heute keine Möglich­keit mehr, die Schulden­proble­matik zu lösen.

Caduff: Was waren die grössten Herausforderungen?

Limacher: Für unser Haus, das bereits seit 24 Jahren ethisch-nach­hal­tige Geld­anlagen proklamiert, stellt sich die Heraus­for­derung, dass sich auf einen Schlag alle Finanz­häuser einen grünen Anstrich geben oder als besonders nach­haltig erscheinen möchten. Das führt dazu, dass dieses Thema teil­weise verwässert wird. Die Nutzung verein­zelter ESG-Indi­katoren reicht für eine fundierte Beurteilung nicht aus. Wir stützen bei unserer Analyse zwar auch auf ESG-Indi­katoren ab, die wesent­liche Nach­haltig­keits-Research-Arbeit beginnt aber bei uns erst ab dieser Stufe. Eine wesent­liche Heraus­for­derung ist für uns, wie wir unsere guten Strategien im Getümmel der neuen unzäh­ligen ESG-Fonds sichtbar machen können. Hier bin ich allerdings zuver­sichtlich, dass sich hohe Produkt- und Research-Qualität lang­fristig auszahlen wird.

Die Nachfrage nach alter­na­tiven Anlagen wird weiter steigen. Thomas Link

Link: Wie kann der Anleger in der heutigen Zins­situation mit Nega­tiv­zinsen eine gute Perfor­mance erzielen, ohne das Risiko zu erhöhen. Solange der Risiko­zuschlag auf Aktien im Verhältnis zu Obli­ga­tionen immer noch attrak­tiv ist, wird aber die Rally an den Aktien­märkten weiter­gehen. Zusätz­lich wird die Nach­frage nach alter­na­tiven Anlagen weiter steigen.

Boitel: Die grösste Herausforderung war, dass die Kurs­rally auf der Aktien­seite im ersten Quartal 2019 nicht wirklich von starken Mittel­zu­flüssen begleitet wurde. Mögliche Gründe waren der voran­gegan­gene Markt­einbruch im Dezember 2018, über die Zeit aufge­baute Aktien-Über­gewich­tungen in vielen Port­folios, Sorgen bezüglich der Wirt­schafts­stabi­lität oder der globalen Handels­tarife wie auch eine lähmende Brexit-Diskussion - jeden­falls haben Inves­toren nur zögerlich mit Zuflüssen auf die posi­tive Werte­ent­wicklung reagiert.

Riedel: In diesem Jahr haben wir den Fokus auf die Weiter­ent­wicklung unserer Produkte gelegt. Zum Beispiel soll der Zugang zu unserem Research intui­tiver erfolgen - dies benötigt einen über­durch­schnitt­lichen Zeit- und Inves­titions­aufwand.

Caduff: Und was waren die positiven Höhepunkte?

Riedel: Wir wollen auf Grund der starken Nach­frage nach unseren Research­lösungen und -Produkten in Zukunft noch stärker wachsen, auch global. Wir konnten eine Nieder­lassung in Brasilien eröffnen und werden unseren Vertrieb weltweit weiter ausbauen. Auch das Timing an der Börse war teil­weise schwierig. Zwar war es bisher ein sehr gutes Börsen­jahr, aber die Kurs­ent­wick­lungen auf Monats­basis waren sehr volatil und häufig durch poli­tische Tweets beeinflusst anstatt von Funda­mental­daten getrieben. Unser regel­basierter Ansatz funktio­nierte trotzdem gut: Beispiels­weise das Gold­thema haben wir recht­zeitig, also anfangs Mai, lanciert. Oder betreffend dem Kosten­thema können wir Kunden vorweisen, denen es möglich war, diese zu halbieren und den Output zu verzehn­fachen! Dies hat sich natürlich auch positiv auf deren Erträge ausge­wirkt.

Sektor- und Faktor-Allo­kationen gehören auch zu einem durchaus erfolg­reichen 2019. Gilles Boitel

Boitel: Positive Höhe­punkte gab es viele. Hohe Zuflüsse in US-Aktien kamen der ETF-Industrie generell zu Gute. Zudem wurden ETFs viel­fältig als Grund­lage für taktische Posi­tionen benutzt - nicht nur von Privat­banken­kunden, sondern auch vermehrt auf der insti­tutio­nellen Seite, von Pensions­kassen und Versi­che­rungen. Weitere von Inves­toren positiv aufge­nommene Themen waren nachhal­tiges Inves­tieren sowie die ESG-Imple­men­tierung durch ETFs, ausserdem Mega­trends, zum Beispiel Digi­tali­sierung und Zukunfts­themen. Schliesslich sollte man auch Sektor- und Faktor-Allo­ka­tionen nicht vergessen, die zu einem durchaus erfolg­reichen Jahr 2019 gehören.

Link: Positiv zu vermerken ist sicher, dass der Anleger mit den klassischen Aktien Nestlé, Novartis und Roche die beste Perfor­mance erzielen konnte. Dazu kamen die hervor­ra­genden Resul­tate der soge­nannten «FANG»-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Die grosse Frage ist nun, wie lange die Über­wertung dieser Aktien gegen­über den «Value-Aktien» anhält. Deren Unter­be­wertung ist so tief wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Es ertönt keine Glocke, wenn es dreht.

Limacher: Als Pionier im Ethik-Bereich erleben wir im Moment sowohl starken Zuspruch seitens des Bank­hauses als auch von unseren lang­jäh­rigen Kunden. Da unsere Umsetzung der ethisch-nachhal­tigen Anlage­philo­sophie durch den «PRIME VALUES Investment-Prozess» (PVIP) nun auch in der Breite besser ankommt, fühlen wir uns vom Markt bestätigt. Der PVIP auf Indi­vidual­mandats­ebene wurde in diesem Jahr noch häufiger nachge­fragt.

Caduff: Wie sieht Ihr Plan für die kommenden Monate aus?

Link: Per 1. Januar 2020 treten die neuen Regu­lierungs­werke FIDLEG und FINIG in Kraft. Obwohl eine drei­jäh­rige Über­gangs­frist besteht, werden die Anfor­de­rungen vor allem für die kleineren externen Vermö­gens­ver­walter enorm. Abgesehen davon, müssen sich alle Vermö­gens­ver­walter bis Mitte nächsten Jahres bei der FINMA melden. Die zusätz­liche Aufsicht kommt erschwerend dazu.

In Ansätzen ist gut zu erkennen, in welche Richtung die Regu­lierung geht: ESG-Risiken rücken weiter in den Fokus. Roman Limacher

Limacher: Eine zentrale Aufgabe wird es sein, unsere deutschen Kollegen in der Unter­nehmens­gruppe bei der Umset­zung des «EU Sustaina­bi­lity Action Plans» zu unter­stützen und die Kunden­nach­frage nach neuen Anlage­lösungen zu begüns­tigen. Gerade über die deutsche Finanz­markt­aufsicht BaFin oder das Regel­werk MiFiD II kommen neue Anfor­de­rungen auf die Finanz­in­dustrie zu. Hier ist vieles noch nicht spruchreif. In Ansätzen ist aber gut zu erkennen, in welche Richtung es geht. Und diese Richtung heisst Nach­hal­tigkeit.

Boitel: So vielfältig dieses Jahr 2019 bislang auch war, werden wir uns auch in Zukunft weiterhin auf eine gut diver­sifi­zierte Produkt­land­schaft fokus­sieren. Wir nennen es 3D für belast­bare Port­folios: «defend, diver­sify and drive». Dazu gehören zum Beispiel Minimum-Vola­ti­lity-Strategien auf der Aktien­seite, Staats­anleihen hoher Qualität oder US-Dollar-Bond- Emis­sionen mit guten Zinser­trägen auf der Obli­gatio­nen­seite. Hier sehen wir mehrere spannende Möglich­keiten, mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Natürlich stehen auch unsere soge­nannten «Core» ETFs weiterhin im Fokus, sowohl bei den grossen Aktien- wie auch Obli­gations­indizes. Da wir uns als Lösungs­anbieter verstehen, stehen auch Themen rund um die Asset Allo­cation sowie Port­folio-Opti­mierung im Fokus.

Riedel: Wie gesagt, werden wir unsere Produkte weiter­ent­wickeln, um die Finanz­insti­tute bei der Bewäl­tigung ihrer Aufgaben und Problem­lösungen auf Grund der FINIG/FIDLEG-Einführung noch stärker unter­stützen zu können (zum Beispiel bei der Daten­integ­ration).

Caduff: Müssen Sie dafür an vielen Stellschrauben drehen?

Boitel: Wir müssen unsere Anstren­gungen weiter hoch­halten, um Inves­toren­wünschen sowie gene­rellen Markt­gege­ben­heiten gerecht zu werden, strategisch wie auch taktisch. Als Lösungs­anbieter zählt für uns insbe­sondere der ständige Dialog mit unseren Inves­toren. Aber wir haben bereits ein sehr attrak­tives Angebot, das wir stets verfeinern, mit Inno­vationen ergänzen und zunehmend auch in einem nachhal­tigen Invest­ment­kontext sehen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Riedel: Nur ein bisschen. theScreener wurde vor 20 Jahren als erstes Fintech-Unter­nehmen der Schweiz gegründet. Unser Erfah­rungs­pool ist deshalb mit zehn Millionen Research­nutzern immens. Die forcierte Weiter­ent­wicklung unserer Produkte ist darum in diesem Jahr etwas mehr als «Business as usual».

Limacher: Im Grunde nicht. Da wir in den letzten 20 Jahren viel Know-how in diesem Gebiet aufgebaut haben, sehen wir dies als «gmahde Wiesn» an, wie mein Münchner Kollege sagen würde. Allerdings erkennen wir auch, dass hier viel Dynamik im Markt ist, weshalb wir uns selbst auch ständig weiter­ent­wickeln - aktuell zum Beispiel mit «Proxy Voting».

Link: Ja, es wird einige Anpassungen geben wie Aktua­li­sierung des Hand­buches, des Orga­nisa­tions­reg­lements und der Arbeits­ver­träge. Dazu kommt die Suche nach einem externen Compliance-Verant­wort­lichen. Die Stell­ver­tretung muss gewähr­leistet sein.

Teilnehmende

Gilles Boitel
Deputy Head Passive Sales Switzerland, Swiss ESG Representative
DWS CH AG
Prime Tower
Hardstrasse 201
8021 Zürich

+41-44-224 79 32
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Gilles Boitel ist seit 2015 für die DWS tätig und ist seitens Xtrackers für die Kunden in der Schweiz und aus dem Ausland verant­wortlich. Zudem hat er eine lang­jäh­rige Erfahrung im ESG-Bereich und ist für DWS ESG-Repre­sen­ta­tive für den Schweizer Markt. Zuvor war er bei verschie­denen ETF-Anbietern und Consulting-Unter­nehmen in den Bereichen Sales, Struktu­rierung und Strategie tätig, wie beispiels­weise BlackRock, Invesco und Accenture. Gilles Boitel hat unter anderem einen B.Sc. der UvA, Amsterdam und ist CEESGA zerti­fiziert.

Roman Limacher
Managing Director
Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
Talstrasse 58
8001 Zürich

+41-44-220 11 22
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Roman Limacher, CIWM, betreut seit über 15 Jahren den PRIME VALUES Investment-Prozess, der mit eigens entwic­kelter Ethik-Ana­lyse über ESG hinaus­geht und von Hauck & Aufhäuser gruppen­weit über Indi­vidual­man­date, den Robo-Advisor Zeedin und über die tradi­­tions­­reichen PRIME VALUES-Fonds ange­boten wird. Er betreut bei der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG private und insti­­tutio­­nelle Kunden mit Fokus auf ethisch-nach­hal­­tige Geld­­anlagen. Zuvor war Limacher bei EY und bei einer Gesell­schaft der heutigen SIX Group tätig.

Thomas Link
Verwaltungsratspräsident
Lienberger Finanzinvest AG
Riesbachstrasse 57
8008 Zürich

+41-79-401 67 28
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Web

Thomas Link ist Partner der Almira Group und Mitglied des Verwal­tungs­rates der Lienberger Finanzinvest AG, Zürich und der Grolimund Finanzinvest AG in Zürich. Bis 2004 war er Mitglied der Direktion bei der Privat­bank Maerki Baumann & Co. AG und verant­wortlich für das Schweizer Geschäft. Zuvor war er Leiter Anlage­ausschuss und Betreuung von Gross­kunden bei der Royal Trust Bank (Schweiz) und in der insti­tutio­nellen Vermö­gens­ver­waltung der ehema­ligen SBG (heute UBS) tätig. Thomas Link studierte National­öko­nomie an der Uni­ver­sität Zürich und besitzt ein Lizentiat in Richtung Betriebs­wirt­schaft.

Andreas Riedel
Leiter Asset Management Solutions
theScreener Investor Services AG
Zugerbergstrasse 12
6300 Zug

+41-41-727 08 84
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Andreas Riedel hat nach einer Bank­lehre und einem Wirt­schafts­studium als Aktien­spe­zialist im Investment- und Private Banking während rund 20 Jahren sein Wissen als Führungs­person vertieft. Bei einer auslän­dischen Bank baute er das globale Aktien­research auf und kam so zum ersten Mal mit theScreener in Kontakt. Dort leitet er den Bereich Asset Mana­gement Solutions.

Moderator

Thomas J. Caduff
CEO
Fundplat GmbH
Badenerstrasse 144
8004 Zürich

+41-44-212 77 77
E-Mail
Web

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

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Fotos: Christian Lanz

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5. «Experten-Roundtable» in Zürich am 05.11.2019

5 RT ZRH

ETFs, Research, Nachhaltigkeit und Regulierung

Caduff: Meine Herren, bald ist das Geschäfts­jahr zu Ende. Hat es Ihnen Freude bereitet?

Boitel: 2019 hat in der Tat einiges mit sich gebracht. Geo­poli­tische wie auch makro­öko­nomische Faktoren haben dafür gesorgt, dass es niemals lang­weilig wurde. Allgemein betrachtet hat dieses Jahr zwei Gesichter gezeigt. Bis inklu­sive April waren vor allem die risiko­reichen Allo­kations­klassen gefragt. Sei es Erdöl, S&P 500, DAX oder Schwellen­länder-Aktien, in allen Segmenten stiegen die Kurse zwei­stellig. Seit Mai kamen die soge­nannten «safe haven»-Anlagen zum Zuge, als Gold und Staat­sanleihen sehr gut abschnitten. Auch die Trends auf der Inves­toren­seite waren in diesem Jahr ausser­gewöhnlich. Anleihen-ETFs hatten hier ganz klar die Ober­hand unter den Asset­klassen, auf der Aktien­seite zeigte sich ein klarer Trend zu US-Titeln.

Die Auslagerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­senkungs­poten­ziale. Andreas Riedel

Riedel: Ja, natürlich. Es war für uns als unab­hän­giger Research- und Daten­an­bieter ein spannendes Jahr. Der Trend zur Digi­tali­sierung bei Finanz­insti­tuten hat sich weiter verstärkt. Die Opti­mierung der Kosten ist in unserer Industrie nach wie vor ein bestim­mendes Thema. Die Ausla­gerung von Research- und Portfolio-Mana­gement-Akti­vi­täten eröffnet grosse Kosten­sen­kungs­poten­ziale. Einzig die Verschiebung der FINIG/FIDLEG-Ein­führung (einheit­licher Research­ansatz/Bezahlen für Research­produkte) hat noch wenig unter­stützend gewirkt - dies sollte dann im nächsten Jahr kommen.

Limacher: Obwohl die Wirtschafts­ent­wicklung im laufenden Jahr meist in Moll-Tonlage verkündet wurde, haben die meisten Aktien­märkte trotzdem zwei­stel­lige Zuwachs­raten gezeigt. Wir konnten bis dato eine ordent­liche Perfor­mance gene­rieren, was unsere Kunden gefreut hat. Wenn unsere Kunden zufrieden sind, dann sind wir es auch!

Link: Teils-teils, einerseits war es möglich, mit wenigen Trans­aktionen in wenigen Titeln eine gute Perfor­mance zu erzielen, ander­seits macht mir die Geld­politik der Noten­banken grosse Sorgen. Zu viel billiges Geld treibt die Schulden in die Höhe. Anscheinend gibt es heute keine Möglich­keit mehr, die Schulden­proble­matik zu lösen.

Caduff: Was waren die grössten Herausforderungen?

Limacher: Für unser Haus, das bereits seit 24 Jahren ethisch-nach­hal­tige Geld­anlagen proklamiert, stellt sich die Heraus­for­derung, dass sich auf einen Schlag alle Finanz­häuser einen grünen Anstrich geben oder als besonders nach­haltig erscheinen möchten. Das führt dazu, dass dieses Thema teil­weise verwässert wird. Die Nutzung verein­zelter ESG-Indi­katoren reicht für eine fundierte Beurteilung nicht aus. Wir stützen bei unserer Analyse zwar auch auf ESG-Indi­katoren ab, die wesent­liche Nach­haltig­keits-Research-Arbeit beginnt aber bei uns erst ab dieser Stufe. Eine wesent­liche Heraus­for­derung ist für uns, wie wir unsere guten Strategien im Getümmel der neuen unzäh­ligen ESG-Fonds sichtbar machen können. Hier bin ich allerdings zuver­sichtlich, dass sich hohe Produkt- und Research-Qualität lang­fristig auszahlen wird.

Die Nachfrage nach alter­na­tiven Anlagen wird weiter steigen. Thomas Link

Link: Wie kann der Anleger in der heutigen Zins­situation mit Nega­tiv­zinsen eine gute Perfor­mance erzielen, ohne das Risiko zu erhöhen. Solange der Risiko­zuschlag auf Aktien im Verhältnis zu Obli­ga­tionen immer noch attrak­tiv ist, wird aber die Rally an den Aktien­märkten weiter­gehen. Zusätz­lich wird die Nach­frage nach alter­na­tiven Anlagen weiter steigen.

Boitel: Die grösste Herausforderung war, dass die Kurs­rally auf der Aktien­seite im ersten Quartal 2019 nicht wirklich von starken Mittel­zu­flüssen begleitet wurde. Mögliche Gründe waren der voran­gegan­gene Markt­einbruch im Dezember 2018, über die Zeit aufge­baute Aktien-Über­gewich­tungen in vielen Port­folios, Sorgen bezüglich der Wirt­schafts­stabi­lität oder der globalen Handels­tarife wie auch eine lähmende Brexit-Diskussion - jeden­falls haben Inves­toren nur zögerlich mit Zuflüssen auf die posi­tive Werte­ent­wicklung reagiert.

Riedel: In diesem Jahr haben wir den Fokus auf die Weiter­ent­wicklung unserer Produkte gelegt. Zum Beispiel soll der Zugang zu unserem Research intui­tiver erfolgen - dies benötigt einen über­durch­schnitt­lichen Zeit- und Inves­titions­aufwand.

Caduff: Und was waren die positiven Höhepunkte?

Riedel: Wir wollen auf Grund der starken Nach­frage nach unseren Research­lösungen und -Produkten in Zukunft noch stärker wachsen, auch global. Wir konnten eine Nieder­lassung in Brasilien eröffnen und werden unseren Vertrieb weltweit weiter ausbauen. Auch das Timing an der Börse war teil­weise schwierig. Zwar war es bisher ein sehr gutes Börsen­jahr, aber die Kurs­ent­wick­lungen auf Monats­basis waren sehr volatil und häufig durch poli­tische Tweets beeinflusst anstatt von Funda­mental­daten getrieben. Unser regel­basierter Ansatz funktio­nierte trotzdem gut: Beispiels­weise das Gold­thema haben wir recht­zeitig, also anfangs Mai, lanciert. Oder betreffend dem Kosten­thema können wir Kunden vorweisen, denen es möglich war, diese zu halbieren und den Output zu verzehn­fachen! Dies hat sich natürlich auch positiv auf deren Erträge ausge­wirkt.

Sektor- und Faktor-Allo­kationen gehören auch zu einem durchaus erfolg­reichen 2019. Gilles Boitel

Boitel: Positive Höhe­punkte gab es viele. Hohe Zuflüsse in US-Aktien kamen der ETF-Industrie generell zu Gute. Zudem wurden ETFs viel­fältig als Grund­lage für taktische Posi­tionen benutzt - nicht nur von Privat­banken­kunden, sondern auch vermehrt auf der insti­tutio­nellen Seite, von Pensions­kassen und Versi­che­rungen. Weitere von Inves­toren positiv aufge­nommene Themen waren nachhal­tiges Inves­tieren sowie die ESG-Imple­men­tierung durch ETFs, ausserdem Mega­trends, zum Beispiel Digi­tali­sierung und Zukunfts­themen. Schliesslich sollte man auch Sektor- und Faktor-Allo­ka­tionen nicht vergessen, die zu einem durchaus erfolg­reichen Jahr 2019 gehören.

Link: Positiv zu vermerken ist sicher, dass der Anleger mit den klassischen Aktien Nestlé, Novartis und Roche die beste Perfor­mance erzielen konnte. Dazu kamen die hervor­ra­genden Resul­tate der soge­nannten «FANG»-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Die grosse Frage ist nun, wie lange die Über­wertung dieser Aktien gegen­über den «Value-Aktien» anhält. Deren Unter­be­wertung ist so tief wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Es ertönt keine Glocke, wenn es dreht.

Limacher: Als Pionier im Ethik-Bereich erleben wir im Moment sowohl starken Zuspruch seitens des Bank­hauses als auch von unseren lang­jäh­rigen Kunden. Da unsere Umsetzung der ethisch-nachhal­tigen Anlage­philo­sophie durch den «PRIME VALUES Investment-Prozess» (PVIP) nun auch in der Breite besser ankommt, fühlen wir uns vom Markt bestätigt. Der PVIP auf Indi­vidual­mandats­ebene wurde in diesem Jahr noch häufiger nachge­fragt.

Caduff: Wie sieht Ihr Plan für die kommenden Monate aus?

Link: Per 1. Januar 2020 treten die neuen Regu­lierungs­werke FIDLEG und FINIG in Kraft. Obwohl eine drei­jäh­rige Über­gangs­frist besteht, werden die Anfor­de­rungen vor allem für die kleineren externen Vermö­gens­ver­walter enorm. Abgesehen davon, müssen sich alle Vermö­gens­ver­walter bis Mitte nächsten Jahres bei der FINMA melden. Die zusätz­liche Aufsicht kommt erschwerend dazu.

In Ansätzen ist gut zu erkennen, in welche Richtung die Regu­lierung geht: ESG-Risiken rücken weiter in den Fokus. Roman Limacher

Limacher: Eine zentrale Aufgabe wird es sein, unsere deutschen Kollegen in der Unter­nehmens­gruppe bei der Umset­zung des «EU Sustaina­bi­lity Action Plans» zu unter­stützen und die Kunden­nach­frage nach neuen Anlage­lösungen zu begüns­tigen. Gerade über die deutsche Finanz­markt­aufsicht BaFin oder das Regel­werk MiFiD II kommen neue Anfor­de­rungen auf die Finanz­in­dustrie zu. Hier ist vieles noch nicht spruchreif. In Ansätzen ist aber gut zu erkennen, in welche Richtung es geht. Und diese Richtung heisst Nach­hal­tigkeit.

Boitel: So vielfältig dieses Jahr 2019 bislang auch war, werden wir uns auch in Zukunft weiterhin auf eine gut diver­sifi­zierte Produkt­land­schaft fokus­sieren. Wir nennen es 3D für belast­bare Port­folios: «defend, diver­sify and drive». Dazu gehören zum Beispiel Minimum-Vola­ti­lity-Strategien auf der Aktien­seite, Staats­anleihen hoher Qualität oder US-Dollar-Bond- Emis­sionen mit guten Zinser­trägen auf der Obli­gatio­nen­seite. Hier sehen wir mehrere spannende Möglich­keiten, mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Natürlich stehen auch unsere soge­nannten «Core» ETFs weiterhin im Fokus, sowohl bei den grossen Aktien- wie auch Obli­gations­indizes. Da wir uns als Lösungs­anbieter verstehen, stehen auch Themen rund um die Asset Allo­cation sowie Port­folio-Opti­mierung im Fokus.

Riedel: Wie gesagt, werden wir unsere Produkte weiter­ent­wickeln, um die Finanz­insti­tute bei der Bewäl­tigung ihrer Aufgaben und Problem­lösungen auf Grund der FINIG/FIDLEG-Einführung noch stärker unter­stützen zu können (zum Beispiel bei der Daten­integ­ration).

Caduff: Müssen Sie dafür an vielen Stellschrauben drehen?

Boitel: Wir müssen unsere Anstren­gungen weiter hoch­halten, um Inves­toren­wünschen sowie gene­rellen Markt­gege­ben­heiten gerecht zu werden, strategisch wie auch taktisch. Als Lösungs­anbieter zählt für uns insbe­sondere der ständige Dialog mit unseren Inves­toren. Aber wir haben bereits ein sehr attrak­tives Angebot, das wir stets verfeinern, mit Inno­vationen ergänzen und zunehmend auch in einem nachhal­tigen Invest­ment­kontext sehen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Riedel: Nur ein bisschen. theScreener wurde vor 20 Jahren als erstes Fintech-Unter­nehmen der Schweiz gegründet. Unser Erfah­rungs­pool ist deshalb mit zehn Millionen Research­nutzern immens. Die forcierte Weiter­ent­wicklung unserer Produkte ist darum in diesem Jahr etwas mehr als «Business as usual».

Limacher: Im Grunde nicht. Da wir in den letzten 20 Jahren viel Know-how in diesem Gebiet aufgebaut haben, sehen wir dies als «gmahde Wiesn» an, wie mein Münchner Kollege sagen würde. Allerdings erkennen wir auch, dass hier viel Dynamik im Markt ist, weshalb wir uns selbst auch ständig weiter­ent­wickeln - aktuell zum Beispiel mit «Proxy Voting».

Link: Ja, es wird einige Anpassungen geben wie Aktua­li­sierung des Hand­buches, des Orga­nisa­tions­reg­lements und der Arbeits­ver­träge. Dazu kommt die Suche nach einem externen Compliance-Verant­wort­lichen. Die Stell­ver­tretung muss gewähr­leistet sein.

Teilnehmende

Gilles Boitel
Deputy Head Passive Sales Switzerland, Swiss ESG Representative
DWS CH AG
Prime Tower
Hardstrasse 201
8021 Zürich

+41-44-224 79 32
E-Mail
Web

Gilles Boitel ist seit 2015 für die DWS tätig und ist seitens Xtrackers für die Kunden in der Schweiz und aus dem Ausland verant­wortlich. Zudem hat er eine lang­jäh­rige Erfahrung im ESG-Bereich und ist für DWS ESG-Repre­sen­ta­tive für den Schweizer Markt. Zuvor war er bei verschie­denen ETF-Anbietern und Consulting-Unter­nehmen in den Bereichen Sales, Struktu­rierung und Strategie tätig, wie beispiels­weise BlackRock, Invesco und Accenture. Gilles Boitel hat unter anderem einen B.Sc. der UvA, Amsterdam und ist CEESGA zerti­fiziert.

Roman Limacher
Managing Director
Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
Talstrasse 58
8001 Zürich

+41-44-220 11 22
E-Mail
Web

Roman Limacher, CIWM, betreut seit über 15 Jahren den PRIME VALUES Investment-Prozess, der mit eigens entwic­kelter Ethik-Ana­lyse über ESG hinaus­geht und von Hauck & Aufhäuser gruppen­weit über Indi­vidual­man­date, den Robo-Advisor Zeedin und über die tradi­­tions­­reichen PRIME VALUES-Fonds ange­boten wird. Er betreut bei der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG private und insti­­tutio­­nelle Kunden mit Fokus auf ethisch-nach­hal­­tige Geld­­anlagen. Zuvor war Limacher bei EY und bei einer Gesell­schaft der heutigen SIX Group tätig.

Thomas Link
Verwaltungsratspräsident
Lienberger Finanzinvest AG
Riesbachstrasse 57
8008 Zürich

+41-79-401 67 28
E-Mail
Web

Thomas Link ist Partner der Almira Group und Mitglied des Verwal­tungs­rates der Lienberger Finanzinvest AG, Zürich und der Grolimund Finanzinvest AG in Zürich. Bis 2004 war er Mitglied der Direktion bei der Privat­bank Maerki Baumann & Co. AG und verant­wortlich für das Schweizer Geschäft. Zuvor war er Leiter Anlage­ausschuss und Betreuung von Gross­kunden bei der Royal Trust Bank (Schweiz) und in der insti­tutio­nellen Vermö­gens­ver­waltung der ehema­ligen SBG (heute UBS) tätig. Thomas Link studierte National­öko­nomie an der Uni­ver­sität Zürich und besitzt ein Lizentiat in Richtung Betriebs­wirt­schaft.

Andreas Riedel
Leiter Asset Management Solutions
theScreener Investor Services AG
Zugerbergstrasse 12
6300 Zug

+41-41-727 08 84
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Andreas Riedel hat nach einer Bank­lehre und einem Wirt­schafts­studium als Aktien­spe­zialist im Investment- und Private Banking während rund 20 Jahren sein Wissen als Führungs­person vertieft. Bei einer auslän­dischen Bank baute er das globale Aktien­research auf und kam so zum ersten Mal mit theScreener in Kontakt. Dort leitet er den Bereich Asset Mana­gement Solutions.

Moderator

Thomas J. Caduff
CEO
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Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

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