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Wichtiger als Grösse ist die Qualität und Brauchbarkeit

Dr. Michael Partin
Dr. Michael Partin
CIO
fundinfo AG, Zürich fundinfo.com

27. März 2019

Herr Dr. Partin, Ihr Unternehmen hat sich in jüngster Zeit deutlich verändert. Können Sie ein Update geben?

Ja, das ist wohl wahr. In letzter Zeit hat sich viel getan. Zusammen mit der Luxemburger Firma F2C und der englischen FE bilden wir nun eine Gruppe mit dem Namen «FE fundinfo», die bezüglich Dienst­leistungen, Stand­orten und Ressourcen um ein Viel­faches breiter aufge­stellt ist als es die fundinfo vor zwei Jahren war.

Was war der entscheidende Katalysator für diesen Sprung?

Das war eindeutig der Einstieg der englischen Private-Equity-Firma Hg. Diese hat sich auf Techno­logie- beziehungs­weise Daten­firmen mit über­durch­schnitt­lichem Wachstum spezia­lisiert und verfügt über fundierte Kennt­nisse in der Finanz­industrie. Sie war es auch, die uns davon über­zeugte, dass sich der Markt für Finanz- oder, in unserem Fall, für Fonds­infor­mationen konso­lidieren wird, da einer­seits die Fonds­häuser, anderer­seits aber auch die Fonds­distri­butoren immer grösser und inter­natio­naler werden.

Schon bei den ersten Treffen sprach Hg von einer «buy and build»-Strategie. Das heisst, durch den Zukauf passender Firmen soll das Wachstum nochmals beschleunigt werden und aus den einzelnen Teilen etwas eigen­ständig Grösseres entstehen.

Wie sieht das gesellschafts­rechtlich aus? - Werden die Firmen fusioniert?

Nein, gesellschaftsrechtlich würde man wohl von nationalen Schwester­firmen sprechen, die unter dem gemeinsamen Dach einer UK-Firma agieren. Nach aussen wird man in Zukunft aber unter dem Namen «FE fundinfo» auftreten.

Welches sind die wichtigsten Dienstleistungen, die fundinfo heute anbietet?

Schaut man sich nur die fundinfo an, hat sich nicht sehr viel geändert. Wir betrachten uns immer noch als die Experten, wenn es um die Publi­kation und die Verteilung von Fonds­daten und Fonds­doku­menten geht.

… und welche werden es in Zukunft sein?

Das ist der springende Punkt. Unsere Luxemburger Kollegen von F2C haben sich auf das Daten­mana­gement für die Fonds­häuser spezia­lisiert und decken damit einen Bereich in der

Wertschöpfungskette ab, der vor dem unsrigen liegt. Financial Express (FE) hingegen ist nicht nur die Nummer 1 bei Dienst­leis­tungen für die englischen Inde­pendent Financial Advisers (IFA), sondern bietet mit ihren dyna­mischen Daten, Web-Lösungen und Ana­lyse­tools Dienst­leis­tungen an, die weder F2C noch die fundinfo zuvor anbieten konnten.

Sie sehen also, dass sich die drei Firmen nicht nur hinsichtlich der Regionen, sondern auch hinsichtlich der Produkte­palette nahezu ideal ergänzen.

Die Kunst wird nun darin liegen, diese Dienst­leistungen länder­über­greifend, aus quasi einer Hand unseren bestehenden und neuen Kunden anbieten zu können. Bisher sieht das sehr vielver­sprechend aus. Dennoch sollte man die Arbeit nicht unter­schätzen, die es braucht, um aus drei gross­artigen Teilen ein noch besseres Ganzes zu formen.

Was bedeutet Grösse in Ihrem Geschäft?

Es gibt viele Möglichkeiten, Grösse zu messen. Umsatz, Mitarbei­tende, Anzahl Kunden sind nur ein paar Beispiele. Für uns wohl am Bedeu­tendsten ist der Bekannt­heits­grad. Und da haben wir gerade enorm zugelegt.

Grösse, oder vielleicht eher noch das schnelle Wachstum bringen jedoch auch neue Heraus­forde­rungen mit sich. Waren wir bei der fundinfo vor zwei Jahren noch gut 60 Personen, sind es heute in der Gruppe schon über 600. Auch in meinem Bereich, der Techno­logie, hat sich die Mitar­beiter­zahl gut verzehn­facht und das nun in vier statt zuvor nur in zwei Ländern. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das Firmen vor ein paar Jahren noch ohne Screen­casts und Video- Konfe­renzen gemacht haben. Vermutlich ging einfach alles viel langsamer.

Wichtiger als die Grösse erscheint mir aber die Qualität und die Brauch­barkeit unserer Produkte und Dienst­leistungen. Denn sind diese nicht gegeben, hilft auf Dauer Grösse überhaupt nichts.

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Zur Person

Dr. Michael Partin studierte Betriebs­wirt­schafts­lehre mit Vertie­fungs­richtung Bank­wirt­schaft an der Uni­ver­sität St. Gallen. Anschliessend erfolgte die Promotion im Bereich «Strategien von Privat­bankiers» mit Abschluss 1992. Vor dem Studium absol­vierte er eine Bank­lehre bei Georg Hauck und Sohn, Bankiers KGaA (heute Hauck und Aufhäuser) in Frankfurt. Bei der Cantrade Privat­bank AG (heute Julius Bär) in Zürich war Partin im Bereich Finanz­ana­lysen und Port­folio Mana­gement tätig. Danach erfolgte der Wechsel zur Bank Leu AG (heute Credit Suisse) in Zürich als Leiter Investment Mana­gement. Michael Partin ist Gründungs­partner und Chief Infor­mation Officer (CIO) der fundinfo AG.