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«Rohstoffe dürften auch 2018 ein Investment wert sein!»

Dr. Frank Schallenberger
Dr. Frank Schallenberger
Head of Commodity Research
Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart lbbw.de

15. Dezember 2017

Herr Dr. Schallenberger, die Aktien­märkte haben ein sehr starkes Jahr hingelegt. Sie sind als Rohstoff-Spezialist etwas neidisch?

Tja, das stimmt natürlich, dass man beim Blick auf die kräftigen Kurs­steige­rungen am Aktien­markt neidisch werden könnte. Aber immerhin: Unser LBBW Top Ten Rohstoff-Index hat im laufenden Jahr gut 5 Prozent zugelegt. Zum einen haben die Rohstoffe damit einmal mehr gezeigt, dass sie eine sinn­volle Depot­diver­sifi­kation darstellen können. Zum anderen sind 5 Prozent Perfor­mance in Zeiten von Niedrigst­zinsen doch ganz ansehnlich. Und schliesslich hat der Top Ten Index damit im zehnten Jahr in Folge den Bloomberg Commodity Index als Benchmark geschlagen. Insofern bin ich mit dem Jahr 2017 in puncto Rohstoff-Perfor­mance tatsächlich ganz zufrieden. Und wer weiss… vielleicht schlagen die Rohstoffe ja dann im kommenden Jahr die Aktien!

Aber etwas enttäuscht sind Sie bestimmt, dass der Gold­preis in US-Dollar festge­fahren ist.

Beim Gold hätte ich einen etwas kräfti­geren Anstieg erwartet, das stimmt. Aber so schlecht lief es ja beim gelben Edel­metall im laufenden Jahr dann auch nicht. Das Plus beträgt auf US-Dollar-Basis ja immerhin rund 10 Prozent. Enttäuschend war da schon eher die Perfor­mance für Anleger aus anderen Währungs­räumen, weil der US-Dollar doch recht stark abgewertet hat. Für einen Anleger, der in Euro rechnet, ist ein Gold­investment damit im laufenden Jahr zum Null­summen­spiel geworden.

Dafür läuft es beim Öl wieder besser…

Die Vorzeichen am Ölmarkt haben sich im Jahr 2017 grund­legend geändert. Lange Zeit war der Öl­markt von einem Über­angebot aufgrund des Schieferöl-Booms in den USA gekenn­zeichnet. Mit der seit Anfang 2017 geltenden Förder­be­schränkung durch die OPEC und einiger Nicht-OPEC-Staaten (wie z.B. Russland) wurde das Angebot beschränkt. Das starke Welt­wirt­schafts­wachstum hat zudem die Nachfrage stark getrieben. Und die Folge ist: Mittler­weile herrscht ein Angebots­defizit am Ölmarkt. Deshalb ging es mit den Preisen nach oben - und dieser Trend wird bei Brent und Co. vermutlich auch 2018 anhalten.

Was waren in 2017 die Highlights in der Welt der Rohstoffe?

Der Überflieger war Palladium mit einem Plus von mehr als 50 Prozent. Hier trieben Sorgen um das Angebot und die Nachwir­kungen des Diesel­skandals die Preise. Daneben haussierten vor allem die Basis­metalle. Zink, Blei, Kupfer und Alu­minium legten allesamt über 20 Prozent zu. Auch hier spielten Angebots­defi­zite eine Rolle. Zudem erwies sich die Konjunktur und die Nachfrage aus China deutlich robuster als erwartet.

Und auf was gilt es im neuen Jahr ganz genau zu schauen?

  1. Bleibt das Weltwirtschaftswachstum weiter so dynamisch? Dann wird die Rohstoff­nach­frage auch weiter stark zulegen und die Preise dürften weiter steigen.
  2. Bleibt die OPEC so diszipliniert wie im Jahr 2017? Dann wird das Ölangebot weiter relativ knapp gehalten und der Ölpreis dürfte weiter anziehen.
  3. Bleiben die Konjunkturdaten aus China weiter relativ solide? Dann werden insbesondere die Preise der Basis­metalle - trotz des bereits starken Anstiegs 2016 und 2017 - noch weiter zulegen.
  4. Bleiben die Zinsen weiter relativ niedrig? Dann bleiben auch die Opportu­nitäts­kosten beim Kauf von Edel­metallen relativ tief, so dass Gold und Silber auch im Jahr 2018 Preis­steigerungs­potenzial haben.

Zur Person

Dr. Frank Schallenberger ist Leiter der Rohstoff­analyse bei der LBBW. Er verfügt über 25 Jahre Research-Erfahrung. Im Jahr 2008 entwic­kelte er die ersten LBBW Rohstoff-Indizes, denen die Future-basierten Rohstoff-Fonds der LBBW zugrunde liegen. Die Assets under Mana­gement (AuM) in diesen Anlage­formen liegen momentan bei rund 500 Mio. Euro. Studium (VWL) und Promotion (über Wechsel­kurs­speku­la­tionen) absol­vierte er an der Univer­sität Konstanz. Als gesuchter Experte zum Thema Rohstoffe ist er regel­mässiger Gast bei diversen Veranstal­tungen und Kongressen sowie in Print & TV. Rohstoffe spielen auch eine wichtige Rolle in seinem Privat­leben, da er in seiner Freizeit eine kleine (Zitat: «aber feine») Wein­handlung (sofern Wein als Rohstoff bezeichnet werden kann) in Stuttgart betreibt.