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Multi-Asset-Risikoprämien in 2018

Sergej Crasovschi
Sergej Crasovschi
CEO
Portfolio Advice GmbH, Oberursel portfolio-advice.com

17. April 2018

Herr Crasovschi, das 1. Quartal 2018 war turbulent. Sie beraten einen aktiv gema­nagten Fonds mit Fokus auf Risiko­prämien. Wie hat sich Ihre Strategie entwickelt?

Insgesamt war das 1. Quartal 2018 in der Tat vola­tiler als das Vorjahr. Zu Beginn des Jahres waren in den über­wie­genden Märkten aller­dings noch kaum Risiko­prämien zu verein­nahmen bei einer historisch niedrigen Volati­lität. Die Aktien­märkte sind im Januar um ca. 5 Prozent gestiegen, nur um dann in den folgenden zwei Monaten knapp 10 Prozent ihrer Gewinne wieder abzu­geben. In solchen Markt­phasen ist es für uns essentiell, jedes Investment auf sein Ertrags-Risiko-Profil genauestens zu ana­lysieren. Im Januar überwog die Skepsis, so dass neue Investi­tionen nur in geringem Umfang getätigt wurden, und wir unsere Cashquote bei ca. 75 Prozent stabil gehalten haben. Diese abwartende Haltung hat sich bereits im Februar und März mit den schwachen Aktien­märkten bezahlt gemacht. In der Folge stiegen diverse Risiko­prämien wieder an und wir haben stärker investiert, u.a. in Divi­denden, Skew und Konve­xität. So konnte die Cash­quote trotz hoher Mittel­zuflüsse von über 50 Mio. Euro im 1. Quartal insgesamt sogar gesenkt werden auf knapp 68 Prozent.

Der starke Mittelzuwachs ist sehr beein­druckend. Wie wirkt sich das steigende Volumen auf Ihre Strategie aus und finden Sie noch genügend Oppor­tunitäten?

Wir suchen aktiv nach (alter­nativen) Risiko­prämien, die über­wiegend über Deri­vate abge­bildet werden und dadurch ein vorteil­haftes (asymmetrisches) Ertrags-Risiko-Profil für unsere Investoren ermög­lichen. Unser globaler Invest­ment­ansatz unter­scheidet sich auch dadurch, dass wir nicht direkt in Aktien, traditio­nelle Anleihen, ETFs oder Rohstoffe investieren. Die Liqui­dität im welt­weiten Derivate­markt ermöglicht uns eine hohe Skalierung sowie effiziente Umsetzung der Handels­ideen, wobei wir uns im Schwer­punkt auf Indizes konzentrieren. Als Ergänzung konnten jedoch auch sehr attrak­tive Prämien in einigen Branchen und vereinzelt bei Einzel­titeln verdient werden, als Beispiel wären hier Volkswagen oder die Deutsche Telekom zu nennen. Grund­sätzlich sind wir bestrebt, durch eine stetige Ausweitung unseres Anlage­universums unser Portfolio breit zu diversi­fi­zieren. Im März haben wir erstmals seit Fonds­auflage auch eine Roh­stoff­strategie umgesetzt. Auf Basis unserer lang­jährigen Erfahrung sowie der erfolgten Handels­umsetzung seit Fonds­auflage sollte unsere Strategie ein Volumen von mindestens 1 Mrd. Euro verkraften können.

Rohstoffe klingt sehr interessant, können Sie näher auf die Strategie eingehen?

Wir haben uns nach inten­siven Ana­lysen für eine Congestion-Strategie entschieden, mit der die Liqui­ditäts­prämie aus den regel­mässigen Futures-Rollen bei Roh­stoffen vereinnahmt werden kann. Diese Long-/Short-Strategie (ohne Agrar und Lebendvieh) ist weit­gehend markt­neutral und bietet in der Historie stabile Erträge bei über­schaubaren Risiken. Ausnahms­weise wurde dieses Investment aufgrund der Effizienz im Handel über einen syste­ma­tischen Ansatz im Index­format mit zusätz­lichen Kupons imple­mentiert. Wir können uns gut vorstellen, diese Prämienart zukünftig weiter aufzu­bauen, da sie vom Ertrags-Risiko-Profil sehr gut in unsere Anlage­strategie passt und eine weitere Anlage­alter­native für unsere normaler­weise hohe Cashquote darstellt.

Auf die Volatilitäts-Carry-Prämie bei Roh­stoffen, also dem Unterschied aus der impli­ziten und reali­sierten Volati­lität, haben wir allerdings aufgrund des hohen Verlust­risikos (Tail) - analog zum Aktien­markt - bewusst verzichtet. Die extremen Markt­bewe­gungen im 1. Quartal, als der Aktien-Vola­tili­täts­index VIX an einem Tag um über 100 Prozent gestiegen ist, bekräf­tigten uns in unserer Zurück­haltung gegen­über dieser Prämie zugunsten des Risiko­mana­gements. Sollte die Attrakti­vität dieser Risiko­prämie zukünftig wieder deutlich ansteigen, werden wir eine mögliche Allo­kation entsprechend des Risiko­profils im Fonds neu bewerten.

Schauen wir auf den Rest des Jahres 2018: werden Sie in diesem Markt­umfeld Ihre Ziele erreichen können?

Wie Sie wissen, machen wir keine Prognosen zur Entwicklung der Kapital­märkte oder zu einzelnen Asset­klassen. Aktuell kommen zur gestie­genen Unsicher­heit im Markt zusätzlich noch geopoli­tische Risiken hinzu, deren Folgen ebenfalls schwer abzu­schätzen sind. Wichtig für uns ist in diesem Markt­umfeld deshalb, bei der Identi­fi­zierung von Anlage­oppor­tuni­täten das Gesamt­risiko im Fonds so gering wie möglich zu halten. Die Priorität bei unserer Strategie liegt klar auf dem Risiko­mana­gement und der lang­fristigen Verlust­vermeidung, auch wenn das kurz­fristig zulasten der Rendite gehen kann. Allerdings haben wir trotz geringer Aus­schöpfung unserer Risiko­budgets auch in diesem Jahr schon in einige attrak­tive Prämien investiert. Diese Prämien reali­sieren ihr Potenzial über die jeweilige Lauf­zeit, ohne dass sich die Märkte von ihren Kurs­rück­gängen wieder erholen müssen. Die Zeit arbeitet hier für uns.

Wir sind insgesamt sehr zuver­sichtlich, dass wir über die empfohlene Mindestan­lage­dauer von drei Jahren die avisierte Ziel­rendite von 4 bis 5 Prozent pro Jahr (nach Kosten) erreichen und dabei das Risiko in Bezug auf Wert­schwan­kungen und Drawdown bei unter 10 Prozent halten können.

Zur Person

Sergej Crasovschi ist Gründer und Geschäfts­führer der Portfolio Advice GmbH und verfügt über mehr als 15 Jahre Berufs­erfahrung bei inter­natio­nalen Banken mit Fokus auf Multi-Asset-Risiko­prämien und der Beratung von insti­tutio­nellen Inves­toren in Deutschland und Österreich. Während dieser Zeit hat er zahl­reiche Transak­tionen umgesetzt und inno­vative Lösungen erfolg­reich entwickelt und imple­mentiert. Portfolio Advice ist Initiator und Berater des «Absolute Return Multi Premium Fonds» mit Fokus auf aktiv gema­nagte globale Multi-Asset-Risiko­prämien.