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«Mit den diversen Robo-Lösungen entsteht derzeit eine neue Produktklasse»

Thomas Soltau
Thomas Soltau
Vorstand
wallstreet:online capital AG / FondsDISCOUNT.de, Berlin fondsdiscount.de

28. Januar 2018

Herr Soltau, Sie hören im deutschen Finanz­markt - wie man so schön sagt - das Gras wachsen. Was vernehmen Sie zu dem Trend­thema Robo-Advising?

Die stetige Entwicklung in der Qualität wie auch in der Quantität der Robo-Berater weckt natürlich langsam das Interesse der grossen Anbieter. Solche Systeme sind längst keine Nischen­produkte mehr, sondern auch die grossen Player am Markt haben das Potenzial erkannt - Beispiele hierfür wären etwa ING Diba mit Scalable (Koope­ration), comdirect mit cominvest (haus­eigenes Produkt), max blue mit Robin (haus­eigenes Produkt) und soweit mir bekannt ist, wird in Kürze ein grosses Schweizer Institut ebenfalls einen Robo-Advisor launchen. Aber es sind nicht nur die Banken, die an diesem Trend mitwirken, mit Solidvest von DJE ist nun auch ein bekannter Fonds­anbieter mit einer Robo-Vermö­gens­ver­waltung aktiv geworden.

Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Meiner Meinung nach entsteht mit den diversen Robo-Lösungen derzeit eine neue Produkt­klasse. Dabei sind die Angebote meiner Ansicht nach nicht als vollum­fäng­liche Vermö­gens­ver­waltung zu verstehen, die quasi die gesamte Anlage­stra­tegie eines Kunden über­nehmen. Ich denke, die Robos werden viel­mehr als weiterer Baustein im Sinne der Diver­sifi­kation genutzt, also ergänzend zu anderen Anlage­pro­dukten eingesetzt. Insofern verwundert es auch nicht, dass die Robo-Advisor verschieden ausge­staltet sind und sich somit Unter­kategorien bilden - ange­fangen von den klassischen ETF-Robos, den «Misch»-Robos, die auf ETFs in Verbindung mit aktiven Fonds basieren und Robos, die reine Aktien­strategien abbilden. In den beiden letzt­genannten Kategorien bieten wir als FondsDISCOUNT.de ebenfalls Robo-Lösungen an: LONI als ETF/Fonds-Lösung in Koope­ration mit der Deutschen Asset Management und Fundamental Capital als Pionier für eine reine Aktien­lösung. Solche Modi­fika­tionen bieten gegen­über reinen ETF-Robos den Vorteil, dass sie tatsächlich «aktiv», wenn auch meist auto­ma­tisiert, arbeiten und die Ziel­unter­nehmen im Einzelnen bewerten. Ich vermute, dass sich der Unter­schied zu reinen ETF-Robos in der nächsten grösseren Markt­korrektur bemerkbar machen wird. Aber auch wenn das Thema Robos derzeit stark im Trend liegt: Noch sprechen wir hier von einem kleinen Anteil am Gesamt­markt. Um ein paar Zahlen ins Spiel zu bringen: Das insgesamt in Deutschland verwal­tete Anlage­volumen aller Robo-Advisor lag 2017 schätzungs­weise unter einer Milliarde Euro - während das verwal­tete Anlage­volumen bei nur einer Fonds­gesell­schaft, beispiels­weise Flossbach von Storch, in 2017 um über vier Milliarden Euro gewachsen ist.

Weg von den Robos, hin zu den klassischen Invest­ment­fonds - wie ist denn derzeit die Stimmung im Fondsmarkt?

Ich kann aus zahlreichen Gesprächen mit Fonds­gesell­schaften sagen, dass es der Branche sehr gut geht. Das verwundert aber auch nicht, schliesslich inves­tieren immer mehr Privat­anleger, aber auch Insti­tutio­nelle wie etwa Stiftungen in dieses Segment. Insbe­son­dere Stiftungen müssen gegen die Niedrig­zinsen ankämpfen und suchen daher nach Lösungen am Kapital­markt. Eine Alter­native gibt es nicht.

Zudem weicht langsam die Angst vor dem Risiko. Die Anleger haben seit ca. neun Jahren das Risiko nicht mehr spüren müssen, was natürlich dazu verleitet, es zu vergessen. Ich freue mich sehr, dass der Trend zur Aktie, egal ob direkt oder über Fonds, immer stärker wird und halte es für die Alters­vorsorge für unab­dingbar - aber plädiere auch dafür, dass wir Dienst­leister der Branche viel stärker aufklären müssen. Die Regierung wird es nicht machen. Die Kunden müssen verstehen, wie der Markt funktioniert, damit bei der nächsten grossen Markt­korrektur keine falschen panischen Verkäufe erfolgen und vor allem dann nicht aufgrund der nega­tiven Erfahrung wieder eine Distanz zum Kapital­markt aufgebaut wird.

Welche Trends gibt es denn aktuell im Fonds­bereich?

Zunächst gibt es die grossen Trends wie etwa Robotik und Techno­logie sowie Nach­haltig­keit/ESG (Envi­ronment, Social, Gover­nance). Wobei Nach­haltig­keits­fonds bislang eher im insti­tutio­nellen Bereich ein Thema sind. Privat­anleger beschäf­tigen sich zwar mit dem Thema, doch sehen wir nur sehr wenig Investi­tionen in das Segment. Ich gehe aber davon aus, dass das Bewusstsein für «grüne» Investments auch im Privat­anleger­bereich noch stärker weiter­wachsen wird. Die Fonds­gesell­schaften reagieren, indem «grüne» Fonds neu aufgelegt oder aber zum Beispiel Klima­killer aus bestehenden Fonds entfernt werden. Auch viele nicht entsprechend gelabelte Fonds inves­tieren öko­logisch bzw. sozial. Neben dieser Entwicklung stellen wir bei FondsDISCOUNT.de auch ein grosses Interesse an Nischen­themen fest, zu nennen wären hier etwa der Boom um Krypto­währungen oder rund um die Cannabis-Industrie. Solche Themen erhalten zumindest kurzzeitig doch sehr viel Aufmerksamkeit bei den Anlegern.

Ihr Haus publiziert auch regel­mässig ein Magazin. Wie kommt das an?

Unser vierteljährlich erscheinendes Kunden­magazin «Fonds Spezial» geben wir schon seit vielen Jahren heraus. Früher gab es eine reine PDF-Version, seit längerem lassen wir das Heft allerdings drucken und an unsere Kunden versenden. Aus zahl­reichen Rück­meldungen wissen wir, dass unsere Kunden ein Print­magazin immer noch wertschätzen und gerne darin lesen - dem ganzen Online-Trend zum Trotz. Somit verbinden wir die digitale Welt als Online­plattform mit der «realen», haptischen Welt in Form unseres Magazins. Das kommt gut an. Nicht nur bei den Lesern, sondern wir haben auch sehr viele Anfragen von Fonds­managern bzw. Fonds­gesell­schaften, die ebenfalls im Heft vertreten sein möchten.

Das heisst, Sie sind auch als Marketing­partner zunehmend gefragt?

Wir haben im vergangenen Jahr unsere Marketing­angebote nochmals professio­na­lisiert und ausgebaut - sei es über unsere Artikel auf FondsDISCOUNT.de, Adver­torials im Print­magazin, Web­konfe­renzen oder zum Beispiel unserem Twitter Account. Unsere Marketing­partner profi­tieren von unserer steigenden Reich­weite und greifen gerne auf uns zurück. Mit diesen umfassenden, man kann schon sagen: Agentur­leistungen, sind wir weit mehr als ein reiner Fonds­vermittler. Insofern war unsere Entscheidung, in den Aufbau einer hauseigenen Redaktion zu investieren, genau richtig.

Apropos Ausbau: Jüngst haben Sie das Geschäfts­modell nach Österreich ausgerollt, wie läuft’s?

Unsere Website Fondsdiscount.at ist im vergan­genen Jahr live gegangen, allerdings haben wir den offi­ziellen Start abhängig von einer neuen Koope­ration gemacht, welche wir vor kurzem geschlossen haben. Insofern werden wir im Februar auch mit entspre­chendem Marketing starten. Nur so viel vorab: Bisher kann sich unsere Entwicklung dennoch durchaus sehen lassen, unsere Bekanntheit steigt und viele Kunden freuen sich, dass wir nun auch in Österreich mit entspre­chendem Steuer­reporting bzw. Depot­lager­stellen aktiv sind.

Welche Ziele haben Sie sich für 2018 auf die Fahnen geschrieben?

Natürlich möchten wir nicht zu viel verraten, aber es wird insgesamt ein sehr spannendes Jahr mit vielen Neuerungen. Freuen Sie sich…!

Zur Person

Thomas Soltau ist bereits seit 2003 in der Fonds­branche aktiv und kennt die Branche, insbe­son­dere das Verhalten der End­kunden, so gut wie kaum ein anderer. Seit dem 1. Januar 2014 ist er der Vorstands­vor­sitzende der wallstreet:online capital AG und konzentriert sich mit seinem Berliner Team seither auf die Weiter­entwicklung der Gesell­schaft, insbe­son­dere der Webseite FondsDISCOUNT.de. Mit einem verwal­teten Depot­volumen in Höhe von derzeit ca. 850 Mio. Euro hat sich das Haus zu einem der grössten Online-Vermittler in Deutschland und zeit­gleich aber auch zu einem hoch­spezia­li­sierten Medien­haus entwickelt.