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Investieren in den Gesundheitssektor ausserhalb des Mainstreams

Oliver Kämmerer
Oliver Kämmerer
Managing Partner
nova funds GmbH, München novafunds.biz

27. Juni 2019

Herr Kämmerer, die Gesundheits­industrie ist ein weites Feld zum Investieren. Haben Sie sich auf einen bestimmen Bereich festgelegt?

Sie haben absolut recht, der Gesund­heits­sektor bietet eine beträcht­liche Vielfalt an Geschäfts­modellen, die ausser­halb des Main­streams der klassischen Pharma­zie und Biotech­no­logie liegen. Denken Sie dabei nur an Betreiber von Tier­klinik­ketten, Lebens­mittel­tester, Her­steller von Hör­geräten und Kontakt­linsen, Her­steller von Tier­arznei­mitteln, Operations­robotern und medi­zi­nischen Ver­brauchs­mate­rialien und die Händler­ketten, die diese Produkte vertreiben. Gerade aus diesen tenden­ziell vernach­läs­sigten Bereichen wählen wir eine hand­ver­le­sene Anzahl von Unter­nehmen aus und vermeiden dabei den Main­stream komplett.

Die meisten dieser Unternehmen sind in den USA angesiedelt. Wie kann man da den Überblick aus München heraus haben?

Der weltweit grösste Gesund­heits­markt ist die USA und somit ist es nicht ganz über­raschend, dass es dort auch die höchste Anzahl von börsen­notierten Gesund­heits­unter­nehmen gibt. Nichts­desto­trotz agieren die meisten Unter­nehmen welt­weit und insofern ist es uner­heblich, von wo aus man den Sektor verfolgt. Wichtig ist es, den lang­fris­tigen Trend zum Beispiel für Hör­geräte, Herz­klappen oder Zahn­implan­tate richtig einzu­schätzen. Die Kommu­ni­kation mit den daraus resul­tie­renden Ziel­unter­nehmen erfolgt dann im Rahmen von Inves­toren- und Tele­fon­konfe­renzen bzw. Roadshows.

Gibt es einen Megatrend, wo Investoren unbedingt dabei sein sollten?

Es gibt unserer Ansicht nach eine ganze Reihe attrak­tiver Mega­trends im Gesund­heits­sektor. Hierzu gehören beispiels­weise neue, inno­vative Techno­logien und Ansätze, die die Produk­ti­vität steigern und dazu beitragen, das Kosten­wachstum unter Kontrolle zu halten. Dazu gehören Ope­rations­roboter, Herz­klappen, die in der minimal inva­siven Chirurgie einge­setzt werden, oder Verbrauchs­mate­rialien, die Infektions­risiken verringern. Die zuneh­mende Alterung der Bevöl­kerung führt beispiels­weise auch dazu, dass immer mehr Menschen Haus­tiere halten und somit steigt die Nach­frage nach Tier­arznei­mitteln und tier­kli­nischen Dienst­leis­tungen konti­nuierlich an.

Können Sie ein paar Worte zu Ihrem Fonds sagen?

Wir haben unseren risikoaversen Gesund­heits­fonds nun vor mehr als vier Jahren aufge­legt. Wir wählen dabei bis zu 30 Titel für den Fonds aus, die nicht aus dem Segment der klassischen Pharma­zie und Biotech­nologie kommen. Das können zum Beispiel Kranken­versi­cherungs­unter­nehmen, Alten­heim­betreiber, Lebens­mittel­tester, Soft­ware­anbieter oder Medi­zin­tech­nik­unter­nehmen sein. Unser Haupt­augen­merk liegt dabei auf Unter­nehmen mit etab­lierten und besonders stetigen Geschäfts­modellen und einer besonders grossen Konti­nuität des Umsatz- und Gewinn­wachstums.

Und wie steht es um die Performance?

Per Ende Mai konnte der Fonds in diesem Jahr um 10,7 Prozent hinzu­gewinnen, der Gesund­heits­sektor (gemessen am MSCI World Health­Care EUR Index) konnte dabei in diesem Zeit­raum nur um 4,6 Prozent zulegen. Ein durchaus respek­tables Ergebnis, das dann auch vom «Finanzen Verlag» mit der Bestnote, der «€URO FONDSNOTE 1», bewertet worden ist. Dabei versteht sich von selbst, dass die Perfor­mance der beiden Fonds­tranchen von «Morning­star» immer mit den beiden höchsten Kate­gorien auszeichnet worden ist. Die annuali­sierte Rendite der Publi­kums­tranche seit Auflage bis zum Ultimo Mai 2019 liegt dabei bei 5,5 Prozent.

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Zur Person

Oliver Kämmerer beschäftigt sich nunmehr über zwei Jahr­zehnte mit dem Gesund­heits­sektor. Nach seinem Volks­wirt­schafts­studium an der Uni­ver­sität Bonn begann er seine beruf­liche Lauf­bahn als Aktien­analyst für euro­päische Gesund­heits­aktien bei der Bank Julius Bär in Frankfurt. Danach wechselte er im Jahr 2004 zur WestLB, wo er aus London heraus das LifeSciences Team leitete. Nach­folgend über­nahm er auch die Gesamt­verant­wortung für das Aktien­research der WestLB. Im Jahr 2014 trat er der auf Gesund­heit speziali­sierten Invest­ment­boutique nova funds GmbH als Geschäfts­führender Gesell­schafter bei, die er zusammen mit dem Gründer, Dr. Andreas Bischof, führt. Ein fünf­köpfiger wissen­schaft­licher Beirat komplettiert die Exper­tise der beiden Fonds­manager.