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Die EZB bläst mächtig Wind in die Fondsindustrie

Thomas Soltau
Thomas Soltau
Vorstand
wallstreet:online capital AG / FondsDISCOUNT.de, Berlin fondsdiscount.de

16. September 2019

Herr Soltau, Sie durften eben einen renommierten Preis entgegen­nehmen. Welche Bedeutung hat dieser für Sie und Ihr Unternehmen?

Für uns ist dieser Preis eine grosse Ehre, und er prämiert den Einsatz aller Kolleginnen und Kollegen im Unter­nehmen. Aber die Bedeutung dieser Auszeichnung ist für den Markt noch viel entschei­dender als für uns. Denn der Preis zeigt vortrefflich, wie sich unsere gewohnte Welt verändert hat. In Zeiten von «Basel III» werden die Banken zunehmend reguliert, während hingegen der Bereich der alter­nativen banken­unab­hän­gigen Unter­nehmens­finanzierung für den Mittel­stand immer weiter dere­guliert wird.

Diese Entwicklung eröffnet für alle Betei­ligten neue Möglich­keiten: Durch diese Art der Finanzierung, etwa durch Anleihen, entsteht eine klassische Win-win-Situation - der Anleger erzielt eine höhere Rendite (bzw. wird mit seinen Einlagen nicht enteignet), während gleich­zeitig der Finan­zierungs­engpass des vorrangig deutschen Mittel­standes gelöst wird. Der poli­tische Wille in diese Richtung ist also klar und nun hat auch eine Stiftung, die Oskar-Patzelt-Stiftung, diesen Willen bekräftigt, indem sie uns mit dem grossen Preis des Mittel­standes zur «Bank des Jahres 2019» gemacht hat. Denn einer­seits sind wir selbst ein Mittel­ständler und anderer­seits unter­stützen wir den Mittel­stand bei der Finan­zierung seiner Geschäfts­modelle durch die Öffnung des Zugangs zu den banken­unab­hängigen Finan­zierungs­quellen.

Dies bringt die nötige Aufmerk­samkeit, nicht nur für uns, sondern insgesamt für diesen Sachverhalt, denn zu wenig Mittel­ständler kennen diese Alter­nativen.

Und der Depotbestand hat in diesen Tagen die Marke von 1 Mrd. Euro überschritten…

In der Tat, ein weiterer wichtiger Meilen­stein für uns. Berück­sichtigt man zudem noch die alter­nativen Investments (Anleihen, Betei­ligungen, etc.) kommen wir auf ein vermitteltes Volumen von insgesamt über 1,5 Mrd. Euro - eine stolze Zahl, die uns anspornt, unseren Weg weiter­zugehen und allen Selbst­entscheidern in Deutschland eine Möglich­keit an die Hand zu geben, die getroffenen Investi­tions­entschei­dungen äusserst günstig umzu­setzen.

Wie bekommt man so viel Wind in die Segel?

Vor allem mit einem tollen Team! Alle Kolleginnen und Kollegen arbeiten tagtäglich daran, unseren Kunden die günstigen Abwicklungs­möglich­keiten anzu­bieten und fort­laufend zu verbessern. Aber auch Mario Draghi macht viel Wind: dank seiner Noten­bank­politik werden immer mehr Privat­haus­halte dazu animiert (um nicht zu sagen, gezwungen), in Fonds und Aktien zu inves­tieren und sich mit diesem Thema zu beschäf­tigen. Ich begrüsse alle Mass­nahmen, die den deutschen Anleger an diese Investments heranführt, denn für die Alters­vorsorge führt in Deutschland kein Weg mehr daran vorbei. Zwar ist das mittler­weile wirklich jedem bewusst, dennoch folgt aus dieser Erkenntnis viel zu oft keine Konsequenz. Daher sehe ich es auch als Aufgabe unseres Unter­nehmens, Interes­sierten den Einstieg in die Geld­anlage so leicht wie möglich zu machen.

Wo sehen Sie die wichtigsten Stellschrauben für FondsDISCOUNT.de, damit das Unternehmen auf dem bislang eingeschlagenen Erfolgskurs bleibt?

Wie die meisten sicherlich bereits mitbe­kommen haben, sind wir nun wieder Teil der wallstreet:online Gruppe. Die Gruppe verfügt nun, nach den letzten Zukäufen wie «finanz­nachrichten.de», «ARIVA.DE» sowie des Magazins «Smart Investor», über eine Reich­weite von 3,5 Millionen Unique Usern pro Monat. Hierbei handelt es sich fast ausschliesslich um finanz­inte­ressierte Besucher. Um diese Zielgruppe noch besser erreichen zu können, werden wir uns, neben den Anleihen und anderen alter­nativen Finan­zierungs­quellen, die wir dem End­kunden anbieten, weiterhin verstärkt dem Depot­bereich widmen. Aktuell sind wir gerade in der Entwicklung neuer Produkte und Konditions­modelle, die uns auch im Bereich Aktien- und Zerti­fikats­handel zu einem Discounter machen.

Aber auch auf der Content-Seite werden wir weiter verstärkt agieren und mit den verschie­densten Koopera­tions­partnern neue Modelle entwickeln, um dem End­kunden mit diesem Content einen Über­blick über das Anlage­uni­versum zu bieten und so eine leichtere Inves­titions­ent­scheidung zu ermög­lichen. Unsere Koope­rations­partner haben gleich­zeitig aufgrund unserer enormen Reich­weite eine bessere Sicht­barkeit und der End­kunde profitiert von den Infor­mationen, die wir mit unserer Redaktion auch durchaus kritisch hinter­fragen.

Was erwarten Sie für den deutschen Fondsmarkt?

Nach dem nun jüngsten Zinsentscheid der EZB dürfte jedem klar sein, dass sich die Situation hinsichtlich des Einlagen­geschäfts weiter verschärfen wird. Wir werden sehen, wie ein Gross­teil der Banken Negativ­zinsen auch für den Privat­kunden einführt. Viele Kunden haben bereits davon gehört oder erwarten etwas in der Richtung, aber sobald die erste Belastung auf dem Konto erfolgt, wird der Handlungs­drang deutlich zunehmen. Der deutsche Aktien- und Fonds­markt wird davon profi­tieren, denn welche andere Alter­native bleibt den Deutschen? Und damit erreicht die EZB ihr Ziel: das Geld geht in die Wirt­schaft und fängt an zu arbeiten, was wiederum ein Wachstums­treiber sein wird. Ob das lang­fristig die Gefahren der Märkte aus dieser expansiven Geld­politik verhindert oder tatsächlich die ange­schla­genen Länder der EU rettet, ist sicherlich höchst fraglich. Die EZB verschafft der Politik damit einmal wieder mehr Zeit, vergrössert jedoch im Zweifel das Problem. Doch kurz- und wahrscheinlich auch mittel­fristig sollten wir uns darüber freuen, denn der Fonds­markt wird mass­geblich davon profi­tieren.

Und dank der zunehmenden Digitalisierung des Marktes werden die Markt­teil­nehmer mit der grössten Sicht­barkeit, den besten Produkten sowie der kunden­freund­lichsten Infor­mations- und Investi­tions­möglichkeit ein über­durch­schnittlich grosses Stück von dem neu zu vertei­lenden Kuchen erhalten. Um es mit den Worten von Joe Kaeser, dem Siemens-Chef, zu sagen: «Die Digi­tali­sierung ist der Todfeind der Mittel­mässigkeit.» Etwas, das mindestens die eine oder andere banken­zuge­hörige Fonds­gesell­schaft nicht gern hören wird.

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Zur Person

Der gelernte Bankkaufmann Thomas Soltau, der bereits seit nunmehr 16 Jahren im deutschen Kapital­anlage- und Fonds­markt aktiv ist, ist seit 2014 Vorstand der wallstreet:online capital AG in Berlin. Die Historie der wallstreet:online capital AG reicht bis ins Jahr 2000 zurück. Die Idee war damals wie heute, Kapital­anlagen für Selbst­entscheider deutlich günstiger als bei der Haus­bank anzu­bieten. Im Jahr 2004 wurde das Web­portal FondsDISCOUNT.de gelauncht, mit diesem Service gilt das Unter­nehmen mittler­weile als einer der führenden Fonds­vermittler in Deutschland. Dabei ist es der Gesell­schaft stets gelungen, neben klassischen Invest­ment­fonds auch neue Produkt­klassen bzw. Anlage­trends in das Angebot zu integrieren - von ETFs über Direkt­investments bis hin zu Robo-Advisor-Lösungen für verschie­dene Ansprüche. Heute betreut die Gesell­schaft mehr als 25.000 End­kunden, das bislang vermittelte Investi­tions­kapital liegt bei über 1,5 Mrd. Euro. Davon entfallen etwa 500 Millionen Euro auf den Sachwerte­bereich und mehr als eine Milliarde Euro auf den Depot­bereich.