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«Die ägyptische Regierung lässt auf Worte Taten folgen»

Malek Bou-Diab
Malek Bou-Diab
Portfoliomanager, BB African Opportunities Fonds
Bellevue Asset Management AG, Küsnacht ZH bellevue.ch

26. März 2019

Herr Bou-Diab, Sie haben kürzlich die «3. Annual MENA Investor Conference» von CI Capital in Kairo besucht. Welchen Eindruck haben Sie von dem Land aus Investoren­sicht erhalten?

Die zentrale Botschaft der Regierung lautete: Wir setzen uns für Wirt­schafts­reformen und die Schaffung eines günstigen Inves­titions­umfeldes für den Privat­sektor ein. Während die hohen Zinsen weiterhin eine Belastung für unter­neh­merische Akti­vitäten darstellen, insbe­sondere für Investi­tions­ausga­ben, zeichnet sich am Horizont das Bild einer Aufhellung der Wachs­tums­aussichten und einer Wieder­belebung des Unter­nehmer­geistes ab. Nach seiner Korrektur im Jahr 2018 bietet der ägyp­tische Aktienmarkt attrak­tives Wert­potenzial.

Höhepunkt Ihrer Reise war sicherlich das Treffen mit Präsident Abdel Fattah al‑Sisi. Wie haben Sie ihn erlebt?

Präsident al‑Sisi bestand auf einer interak­tiven Sitzung und machte einen entspannten Eindruck, während er auf die Fragen der Anleger einging, die vorher nicht abge­sprochen waren. Wir trafen einen Präsi­denten, der in Wirt­schafts­fragen gut bewandert ist, Heraus­forde­rungen schonungs­los und offen analy­siert und einen pragma­tischen Ansatz für deren Lösung verfolgt. Wirt­schafts­reformen sind in seinen Augen unum­gänglich und al‑Sisi betonte, dass sie auch nach Ablauf des IWF-Programms in diesem Jahr fort­gesetzt würden. In einem Land, in dem 60 Prozent der Bevöl­kerung unter 40 Jahre alt sind und demnächst jährlich über 800.000 junge Menschen in den Arbeits­markt eintreten, spielt der Privat­sektor in seinen Augen zwangs­läufig eine wichtige Rolle, die er nutzen sollte. Er wies auf die Bemühungen seiner Regierung bei der Schaffung eines förder­lichen Investi­tions­umfeldes hin. Dazu zählen die Wieder­her­stellung von Sicher­heit, die Moder­nisierung der Infra­struktur, eine höhere Verfüg­barkeit von Devisen und die Durch­set­zung legisla­tiver Reformen für Chancen­gleichheit und den Schutz der Investoren.

Sie hatten auch noch Treffen mit weiteren Regierungs­mitgliedern. Worum ging es dabei?

Im Grossen und Ganzen fördert die ägyp­tische Regierung die vielen posi­tiven Verän­derungen innerhalb des Landes. Premier­minister Mostafa Madbouly unter­strich die Entschlossen­heit der Regierung, ihr Ziel eines integra­tiven und investi­tions­gestützten Wirt­schafts­wachstums zu erreichen. Dabei räumt er dem Privat­sektor ungeach­tet der globalen wirt­schaft­lichen Unsicher­heiten eine bedeu­tende Funktion als Ent­wicklungs­partner ein. Finanz­minister Mohamed Mait versi­cherte, dass eine Anhebung der Steuer­sätze zur Finan­zie­rung des Haus­halts­defizits nicht vorge­sehen sei, sondern statt­des­sen die Steuerein­treibung verbessert werden soll, wozu er besonders auf die Abschluss­ergeb­nisse einer Studie von Ernst & Young zur Ver­einfachung und Auto­mati­sierung von Steuer­verfahren verwies. Inves­titions­ministerin Dr. Sahar Nasr bestä­tigte, dass die Stimu­lierung auslän­discher Direkt­investi­tionen (FDI) im der­zei­tigen konjunk­turellen Umfeld eine Heraus­for­derung dar­stelle, hob jedoch hervor, dass sich bei FDI ein Wachstums­trend abzeichne und Ägypten wieder die grössten FDI-Zuflüsse in Afrika verzeichne. Die stell­vertre­tende Gouver­neurin der CBE erläu­terte die posi­tive makro­öko­nomische Ent­wicklung des Landes seit der Abwertung des ägyp­tischen Pfunds im Jahr 2016. Insbe­sondere wies sie darauf hin, dass das BIP-Wachs­tum nicht aus­schliesslich durch Konsum, sondern auch durch Inves­titionen und Netto­exporte getrieben wird. Ein Ziel der CBE-Politik, allerdings auch ein deutlicher Bruch mit der Vergan­genheit, sei zu­dem eine dauerhaft wettbe­werbs­fähige Währung, um Export­wachstum und Import­substi­tution anzu­kurbeln.

Die Regierung hat in den letzten Jahren viele Reformen angestossen. Wo stehen diese heute?

Während die vorherige Regierung vor allem mit grossen Worten von sich reden machte, lässt die jetzige Regierung auf ihre Worte Taten folgen. So führte sie einige der schwierigsten Reformen in Ägypten durch, wie etwa die schritt­weise Libe­rali­sierung des Devisen­verkehrs und den Abbau der teuren und ineffi­zienten Subven­tionen. Selbst das Projekt «New Admi­nis­trative Capital», dem wir anfänglich skeptisch gegen­über­standen, befindet sich inzwischen im Bau. Wir messen Regierungs­äusserungen daher mittler­weile ein höheres Gewicht als in der Vergan­gen­heit bei.

Ägypten hat ebenfalls ein bewegtes Jahr hinter sich, was die Aktien­kurse betrifft. Wie wird sich das in diesem Jahr entwickeln?

Die Ent­wicklung des ägyptischen Aktien­marktes 2018 erscheint uns eher ein Kolla­teral­schaden der allge­meinen Markt­korrektur, die die Schwellen­länder gebeutelt hat. Abgesehen von länger als erwartet hohen Zinsen beobachten wir eine solide Verbesserung der unter­nehme­rischen und makro­öko­nomischen Funda­mental­daten und eine Wachstums­erholung bei gleich­zeitig merklich niedrigeren Bewer­tungen infolge der Markt­korrektur. Das Land bietet ohne Zweifel inte­ressante Anlage­möglich­keiten, aber die erzielte Perfor­mance wird wohl vom Tempo der Zins­norma­lisierung und der globalen Emerging-Markets-Liqui­ditäts­lage abhängen.

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Zur Person

Malek Bou-Diab stiess Mitte 2009 als Senior Port­folio Manager für den Bereich New Markets zu Bellevue Asset Mana­gement, wo er die Verant­wortung für den BB African Oppor­tu­nities Fonds innehat. Davor managte er bei Julius Bär einen Afrika-Fonds. Von 2003 bis 2007 arbei­tete er als quanti­tativer Risiko-Analyst bei der Deutschen Bank in London. Zwischen 1999 und 2003 promo­vierte Malek Bou-Diab in theore­tischer Physik an der ETH Zürich. Er verbrachte einen Gross­teil seiner Jugend im Mittleren Osten, wo er eine inter­na­tional ausge­richtete Aus­bildung genoss und Arabisch studierte.