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Auf ein «Lower for Longer»-Szenario haben wir uns schon längst eingestellt

Oliver Gasser
Oliver Gasser
CEO
AgaNola AG, Pfäffikon SZ aganola.com

28. Oktober 2019

Herr Gasser, Sie verfolgen in Ihrem Haus die Zinsen besonders aufmerksam. Was fällt Ihnen dazu spontan ein?

Das Warten auf steigende Zinsen ist wie das «Warten auf Godot». In der Tat stellen die vom Wirt­schafts­magazin «The Economist» beschrie­benen «seltsamen neuen Regeln der Welt­wirt­schaft» für Inves­toren eine noch nie dagewe­sene Heraus­for­derung dar. In dieser neuen Realität korre­lieren Grössen wie Inflation oder Zins­satz beispiels­weise nicht mehr, wie sie es über Jahr­zehnte davor getan haben. Tief- oder Nega­tiv­zinsen - früher ein zeitlich begrenztes Phänomen - sind zum Normal­zustand geworden. Auf dieses Szenario haben wir uns früh­zeitig mit unseren Anlage­strategien und Produkten ausge­richtet.

Wie gehen Sie mit dieser Situation konkret um?

Diesem «Lower for Longer»-Szenario setzen wir alter­native Fixed-Income-Strategien, u.a. bei Wandel­anleihen oder «Uncon­strained Credit», entgegen. Das Ziel ist es, durch diffe­renzie­rende Strategien mit tiefer Korre­lation zu den klassischen Zins­risiken eine Mehr­rendite für unsere Kunden zu erzielen - und dies selbst­ver­ständlich im Rahmen der Risiko­vor­gaben.

Zinsen um Null herum werden uns also noch lange erhalten bleiben…

Ja, davon müssen wir für die kommenden Jahre ausgehen angesichts der düsteren Prognosen, welche beispiels­weise die neue IWF-Chefin Kristalina Georgieva zeichnet. Allein 2020 könnte der Handels­streit die Welt rund 700 Mrd. US-Dollar an Wirt­schafts­leistung kosten, was dem Brutto­inlands­produkt (BIP) der Schweiz entspräche. Als Folge mahnt Georgieva, die Zinsen niedrig zu halten. Das ist ein harter Schlag für die Sparer welt­weit.

Investoren können aber in Schwellenländer ausweichen, dort bekommt man noch Zinsen.

Schwellenländer sind aufgrund der höheren Renditen auf den ersten Blick inte­ressant. Man darf aber die damit verbun­denen Risiken wie zum Beispiel die Gefahren von Zahlungs­ausfällen im Zuge von sich wirt­schaftlich verschlech­ternden Rahmen­bedin­gungen nicht ausklammern. Als Alter­native zu Direkt­anlagen bieten sich diver­sifi­zierte Bond-Investments an. Der entspre­chende Credit Suisse (Lux) AgaNola Fonds berück­sichtigt beispiels­weise Schwellen­länder-Anleihen und verwendet Deri­vate zur taktischen oder syste­ma­tischen Absi­cherung des Markt­risikos, vorwiegend Zins- und Kredit­risiken.

Sie kennen sich in Wandelanleihen bestens aus. Ist jetzt eine gute Zeit dafür?

Wandelanleihen zählen wir zu den wenigen Licht­blicken in einem sich verdüs­ternden Invest­ment­umfeld. Auf der einen Seite konnten Wandel­anleihen trotz der historisch tiefen Deltas/Aktien­sensi­tivi­täten die Aktien­märkte dieses Jahr auf risiko­adjus­tierter Basis wieder outper­formen. Auf der anderen Seite mit den defen­siven Charak­teren (tiefes Delta, Asset- Class-Mecha­nismen, unser Invest­ment-Grade-Fokus) sind wir zuver­sichtlich, dass wir für die heraus­for­dernde Zukunft mit Wandel­anleihen in der rich­tigen Anlage­klasse und mit Invest­ment Grade im rich­tigen Markt­segment posi­tioniert sind.

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Zur Person

Oliver Gasser, seit Oktober 2017 CEO von AgaNola AG, blickt auf knapp 30 Jahre Berufs­erfahrung im Bank­wesen zurück. Vor seinem Einstieg bei AgaNola war er von 2008 bis 2017 bei der Credit Suisse Asset Mana­gement als Head of Global Credit tätig, wo er ein Kredit­port­folio von nahezu 8 Mrd. Schweizer Franken aufbaute, deren Anlage­schwer­punkte globale Kredit­strategien (High Yield und Investment Grade), Wandel­anleihen, struktu­rierte Kredite sowie flexible Multi-Sektor-Ansätze in Form von Anlage­fonds und insti­tutio­nellen Mandaten beinhal­tete.